"Mordkommission Istanbul", die Letzte? – Sieht fast so aus. Wie auch soll man das verkraften: Erst die Attentate mitten in Istanbuls touristischem Zentrum, dann der Putschversuch gegen Erdogan, der im Sommer 2016 mitten in die Dreharbeiten platzte. So was hält keine noch so unpolitische Unterhaltungsserie aus, mag sie auch noch so geschickt zwischen Märchen und Konstantinopel-Krimi angesiedelt sein. 2008 fing alles an, das große Vorbild war die Venedig-Serie "Donna Leon", in der irgendwie alles stimmte – die hanebüchenen, aber spannend gebauten Storys, die deutschen Schauspieler, die sich mit Erfolg als Venezianer ausgaben, die Anklagen gegenüber Mafia und Korruption. Die "Mordkommission" konnte dem gegenüber nur ein Abglanz sein, ein Versuch, das Erfolgsmuster von der Lagune an den Bosporus zu übertragen. Nun ist ein Umzug nach Thailand geplant, die Dreharbeiten zum zehnjährigen Jubiläum stehen kurz vor dem Start.

Die Istanbul-Romantik, die es trotz Bosporus, Hagia Sophia und Istiklal-Straße in den Filmen nie so umfassend gab, dass sie Touristenströme angelockt hätte, ist in der teils in Izmir gedrehten, aber mit Bosporusbrücke und Galata-Turm versehenen Last picture show endgültig dahin. Die schönen Aussichtspunkte sind jetzt mächtigen Betontürmen im Rohbau gewichen. Und zum Ende hin treiben sich die Protagonisten, Erol Sander als Kommissar Özakin, und sein braver Knecht Mustafa Tombul (Sánchez Oscar Oscar Ortega) in staubigen Vorstadtstraßen herum, als wollten sie den italienischen Nachkriegsrealismus zu neuem Leben erwecken.

Es gibt ganz zuletzt noch eine schöne kleine Geschichte mitten in einer sehr langen (und sehr langatmigen) Großen, in der es fortwährend um einen betrügerischen Istanbuler Baulöwen und seine Menschen missachtenden Machenschaften geht. Ken (Tan Yusuf Taha), ein Junge, der seinen vom Baulöwen getöteten Vater rächen will, tut sich mit einem jungen, auf Revolte getrimmten Streetart-Künstler zusammen, dem man mehrere Mordanschläge in die Schuhe schieben will.

Wie Özakin das maßgeschneiderte Jackett ablegt und die beiden Außenseiter rettet beim Showdown, gehört zum Besseren in diesem Film, der seinen Plot – Betrug am Bau – ansonsten viel zu früh offenlegt und sich in allerlei Wiederholungen ergeht. Zu Zeiten des Ausnahmezustands in der Türkei, in denen ein Gespräch über Bäume (oder auch Betonklötze) "fast ein Verbrechen" ist, weil es Schlimmeres übergeht, kann in einem Unterhaltungskrimi, wenn schon, die psychologische Zeichnung der Charaktere gar nicht intensiv genug sein. Hinter solchen Ansprüchen bleibt dieses Mord-kompatible filmische Bauherrenmodell sehr weit zurück.

Aber die Sache hat ja Methode im Donnerstagskrimi der ARD, der mit allerlei Kommissaren in touristisch attraktive Länder reist – von Split oder Bozen bis demnächst Amsterdam und Prag. "Mordkommission Istanbul" ist da nicht besser oder schlechter als andere. Özakin und Tombul sind sogar ein Pärchen mit Potenzial. Wer weiß, vielleicht bringt man den Krimi ja auch einfach mal in die Wäscherei – so wie Özakin gerade sein unvermeidlich weißes Hemd nach dem Rotweinklecks. Reset für Özakin!


Quelle: teleschau – der Mediendienst