"Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, dann kommen die Toten auf die Erde", hieß es 1978 in George A. Romeros konsumkritischer Film-Parabel, dem Zombie-Kultklassiker "Dawn of the Dead". Und das taten sie bereits in mannigfaltigen Manifestationen: Zack Snyder inszenierte sie im gleichnamigen Remake als Highspeed-Killer (2004), bei Marc Forster traten sie als Horde auf ("World War Z", 2013) und Jonathan Levine verhalf einem liebestollen Zombie auf die Leinwand ("Warm Bodies", 2013). Victor Fresco hingegen kombiniert in seiner Netflix-Serie "Santa Clarita Diet" den Zombie-Mythos mit der kalifornischen Vorstadthölle und lässt seine menschenverschlingende Protagonistin Sheila Hammond (Drew Barrymore) zeitgleich liebende Mutter, Ehefrau, Immobilienmaklerin (!) und eben Zombie sein. Der bizarre Mix kam bei den Usern gut an, sodass am kommenden Freitag, 23. März 2018, die zehn neuen Folgen von Staffel zwei ins Haus stehen. Lebt der Zombie noch, oder trägt die Serie ihn hier zu Grabe?

In der ersten Staffel infizierte sich Sheila mit dem Zombievirus. Wie man sie heilen kann, bleibt unklar. Doch es gibt Hoffnung für die erkrankte Familienmutter mit dem Herzen am rechten Fleck – und manchmal auch im Mundwinkel, je nachdem. Tochter Abby (Liv Hewson) und der in sie verliebte Eric (Skyler Gisondo) tüfteln weiterhin an einem Serum für die höchstwahrscheinlich über Serbien eingeschleppte Krankheit. Immerhin können sie eine weitere Verschlimmerung von Sheilas Zustand vorerst verhindern. Zombie-Folklore und die schwierige Handhabung eines geregelten Alltags in Anbetracht von kannibalistischen Essstörungen stehen auch in der zweiten Staffel der rabenschwarzen Serie im Fokus.

Sheila birgt eine Gefahr für alle Umstehenden, insbesondere natürlich für ihre Lieben, die sie im Keller an einen Pfahl anketten, an dem die hungrige Zombie-Dame mitunter auch mal nascht. "Friss mich bitte nicht", sagt Abby halb augenzwinkernd, halb ernst gemeint an einer Stelle, auch Ehemann Joel (Timothy Olyphant) weiß nicht genau, wie er mit der zombiefizierten Geliebten umgehen soll – ihre Libido jedenfalls profitiert gehörig von der Infektion.

Faible für schwarzen Humor

Natürlich bietet "Santa Clarita Diet" wie gehabt keine besonders anspruchsvolle Fernsehunterhaltung, ein netter Snack für Zwischendurch bleibt die Splatter-Comedy weiterhin. Für ernste Töne wird aber immer wieder Platz eingeräumt, emotionale Momente schimmern aufgrund der fraglos ungünstigen Verwandlung Sheilas ein ums andere mal hervor, im Absurden verbirgt sich Wahrheit wie Schönheit. Die Comedy ist pointiert geschrieben, die Gags, für die meistens Eric zuständig ist, treffen mit hoher Präzision ins Schwarze. Insbesondere seine selbstreflexiven Kommentare gehören zum Besten, was die Serie zu bieten hat.

Um "Santa Clarita Diet" wirklich genießen zu können, muss man schon einen starken Magen und ein ausgeprägtes Faible für schwarzen Humor haben – die blutigen Splatter-Einlagen sind nichts für schwache Gemüter. Wie die vier Hauptfiguren versuchen, ganz normal weiterzuleben und Sheilas Zombie-Dasein sowie ihre zahlreichen Fresskapaden unter Verschluss zu halten, garantiert tiefschwarzen, makabren Humor, den man mögen muss – weniger für "The Walking Dead"-Fans als für "Ash Vs. Evil Dead"-Freunde geeignet.

Herz-Burger und Finger-Currywurst

Waren in Season 1 Gaststars wie Nathan Fillion ("Castle") und Ryan Hansen ("Veronica Mars") mit von der Partie, dürfen sich Horror-Comedy-Fans diesmal unter anderem über Joel McHale ("Community") freuen. Spannend wird die zweite Staffel vor allem aufgrund des Ausbaus der fiktional-mythologischen Aspekte der Zombieseuche und dank der neuen Figur Ramona (Ramona Young), die Eric schöne Augen macht und ihren Ex-Freund im Kühlschrank aufbewahrt. Bei ihr bekommt der Begriff Finger Food gleich eine neue Bedeutung. Apropos: Die letztjährige Werbekampagne zur Serie setzte auf fragwürdige Plakate: Unter anderem zierten ein Herz-Burger und eine Finger-Currywurst die Motive. Nach mehr als 50 eingegangenen Beschwerden beim Deutschen Werberat zog Netflix die für einige geschmacklosen Plakate aus dem Verkehr.

Was ebenfalls fragwürdig anmutet, ist die Pseudo-Moral, die hier und da zutage tritt: Gleich in Folge eins der neuen Season verspeist Sheila einen aufdringlichen Mann, der ihrer Tochter bis nach Hause folgte. War er tatsächlich pädophil oder einfach nur seltsam? Sheila schert sich nicht um solche Fragen und verschlingt ihn mit Haut und Haaren – eine legitime Reaktion? Die unnötige Moralisierung hätte es nicht gebraucht, aber sowohl Sheilas Zustand als auch der Serie kann man mit Erics Worten dasselbe attestieren: "Es wird nicht schlechter als jetzt!" Und das ist doch ganz gut. Es lebe der Zombie!


Quelle: teleschau – der Mediendienst