Fragen, wie: "Wo waren Sie gestern zwischen acht und neun?" stellt sie nie. Trotz aller Knappheit, fast schon monoton, fühlt sich Helen Dorn (Anna Loos) in die Befragten ein. In ihrem neunten Fall, "Schatten der Vergangenheit", wird ihr die Empathie, so scheint es, besonders leicht gemacht. Die Kommissarin trifft bei ihren Recherchen auf eine frühere Mitschülerin. Sympathie und Abneigung zwischen der Kommissarin und einer möglichen Täterin halten sich jedoch lange Zeit die Waage. Ein sehenswerter Balanceakt – wobei Helen Dorn von ihrer Umgebung immer wieder vorgeworfen wird, sie sei in diesem Fall vorbelastet und somit nicht objektiv. Man legt ihr nahe, den Fall doch lieber abzugeben.

In der Tat ist das über weite Strecken ein mit feinem Florett geführter Zweikampf, bei dem der Zuschauer lange darüber im Ungewissen gehalten wird, ob die Klassenfreundin von einst nun Opfer oder womöglich doch Täterin ist. Hat Britta Lorenz (Ina Weisse) das von langer Hand eingefädelt, dass ihr Mann nun bezichtigt wird, er habe das Kindermädchen vergewaltigt und sei darüber hinaus auch gegenüber ihr selbst gewalttätig geworden? Robert, der Ehemann (Thomas Loibl), sitzt erst mal in Untersuchungshaft, die Dialoge zwischen Britta und der Kommissarin kreisen darum. "Der Fall Robert Lorenz bin ich", sagt Britta, als die Kommissarin wieder mal die alte Schulfreundschaft vergisst, die übrigens Fragen, wie: "Hast du xy wieder mal gesehen? Ist er dick geworden?" durchaus zulässt, zumal sie Auskünfte, wie: "Ja, sehr!" nach sich ziehen.

Derart trockenen Humor wünscht man anderen Krimis auch. Und staunt zugleich über die Langsamkeit, die hier gewagt wird, mit viel Raum für leise Spannung und Suspense. Für schweigende Blicke und wortlose Fragen. Aufregend, wenn sich die beiden Frauen, Anna Loos und Ina Weisse, einander fast wie Spiegelbilder gleichend, ganz ohne Heroinengehabe gegenüber stehen.

Am Ende, nach vielen Ränkespielen, in denen es um das Erbe eines Familiengestüts und dessen Verkauf an habgierige Investoren geht, wird Britta gewissermaßen gegen die Wand gefahren. Gleiches lässt sich vom Krimi selbst (Buch: Clemens Murath, Regie: Alexander Dierbach) glücklicherweise nicht behaupten. Ein wenig an Spannung verliert er allerdings im zweiten Teil. Zu viele Winkelzüge, die da aus dem Ärmel geschüttelt werden, zu viele Mitteilungen aus der allwissenden Erzählperspektive heraus.

Der Sarkasmus des Beginns wird dabei übrigens nie wieder erreicht. Da nämlich schenkt die Kommissarin ihrem von Ernst Stötzner wunderbar knorrig gespielten Rentnervater und Expolizisten eine giftgrüne, metallicfarbene Urne zum Geburtstag. "Da ziehst du mal ein", sagt die Tochter, "aber erst, wenn wir sie leer gegessen haben." Wie fein. Drin sind Pfefferminzteilchen, die glücklicherweise sowieso keiner mag. Trotzdem gut, dass sich dieser Samstagskrimi im weiteren Verlauf von solch überdrehten Sketchen distanziert.


Quelle: teleschau – der Mediendienst