Jetzt sieht man endlich mal bis ins Detail die Gründe, warum man im Restaurant oft so lange auf sein Essen warten muss. In der nett aufgemachten neuen Kochshow "Knife Fight Club" auf VOX können die Gäste beim Warten nicht nur in die offene Küche linsen. Sondern sie stellen sich mit ihrem Weinglas einfach direkt vor den Herd und könnten den Köchen quasi, wann immer sie wollen, in die Töpfe spucken. VOX hat mit seiner neuen Kochshow, deren allererste Folge am späten Donnerstagabend lief, mal etwas ganz Verrücktes getan: Der Koch-Wettstreit zwischen zwei Spitzenköchen wird inszeniert wie ein Rap-Battle oder gar ein Boxwettkampf.

Dazu dreht Moderatorin Annie Hoffmann in Tim Mälzers Hamburger Restaurant "Bullerei" die Hiphop-Musik laut auf und lässt zwei Köche aufeinander los. In 60 Minuten sollen sie für die Jury drei Gänge kochen und müssen dabei drei zuvor geheime Zutaten verarbeiten. Kommt einem irgendwie bekannt vor, ist aber hier immerhin etwas anders inszeniert als üblich. Gefilmt wird locker aus der Handkamera, denn die Bullerei ist gefüllt mit Zuschauern, die immer wieder auch mit anpacken müssen. Die Jury darf zwischendurch schon probieren und die Kochkünste der Kandidaten kommentieren. Die Jury, das sind selbstverständlich Tim Mälzer höchstpersönlich – wer sonst? – und Fernsehkoch-Kollege Tim Raue.

Knuffig wird es, als das Publikum helfen muss

Während die Zuschauer Wein schlürfend, die Hände in den Hosentaschen, lässig im Bild rumstehen, konzentriert sich der Knife Fight Club auf das, was auf den Teller kommt. Mit angespannter Miene verarbeiteten die beiden Kandidaten der ersten Sendung am Donnerstag, die Köche Anthony Sarpong und Richard Rauch, ihre Zutaten zu brutzelnden, filigranen und äußerst lecker aussehenden dreigängigen Menüs. Die Tragik der Kochshows wurde hier wieder einmal auf die Spitze getrieben: Nicht nur die Zuschauer daheim vor dem Fernseher durfte das leckere Essen, das da in Nahaufnahme gezeigt wird, nicht probieren. Auch das Publikum im Studio saß und stand direkt neben den beiden Juroren, die probieren konnten, durfte aber selbst nur schnuppern. Hoffentlich gab es nach dem Dreh einen Happen auf's Haus für jeden Gast.

Knuffig wurde es, als die Zuschauer dem Spitzenkoch Richard Rauch dabei helfen mussten, eine Dose mit Oliven zu öffnen. Und: Weder der Starkoch noch die Zuschauer haben es auf Anhieb geschafft. Die drei vorgegebenen Zutaten waren am Donnerstag Kaffee, Truthahn und Geoduck. Besonders gerne in Nahaufnahme gezeigt: Die Geoduck, auch bekannt als Penismuschel. Beim Knife Fight Club wussten beide Köche nicht so richtig, was sie mit dem Tier anfangen sollen. Das kann in freier Natur bis zu 146 Jahre alt werden – am Herd machte Spitzenkoch Anthony Sarpong einen Salat daraus.

Ein altbekanntes Konzept mit leicht verändertem Look

Knife Fight Club ist zwar letztendlich einfach noch so eine Kochshow, die ein ähnliches Konzept in etwas verändertem Look auftischt. Immerhin baut VOX aber Spannung auf, indem der Sender sehr unterschiedliche Köche gegeneinander in den Ring steigen lässt. Das ist am Donnerstag schon interessant geworden: Der Meerbuscher Koch ist laut Raue "noch in seiner Sturm und Drang-Phase" und damit, obwohl vier Jahre älter, etwas experimentierfreudiger als sein österreichischer Konkurrent Richard Rauch. Sarpong mischte in der Auftaktfolge aus den Zutaten unter anderem aufgeschlagenes Ei mit Blumenkohlröschen, Mandeln und Pinienkernen. Richard Rauch hielt mit einem Truthahn-Taco von Leber und Haut mit Avocado dagegen. Damit hatte Rauch am Ende das Kochduell gewonnen.

Das nächste Mal treten am kommenden Donnerstag Sascha Stemberg und Lukas Mraz gegeneinander an.