Mit "Bridge of Spies: Der Unterhändler" inszeniert Steven Spielberg vor großer historischer Kulisse nach wahren Begebenheiten einen knisternden Polit-Thriller voll mit subtilem Humor und sympathischem Pathos – und garantiert damit einmal mehr große Unterhaltung. ProSieben zeigt den virtuosen Geniestreich des Meisterregisseurs zur besten Sendezeit als Free-TV-Premiere.

Ende der 50er-Jahre. Die Sowjetunion und die USA rüsten um die Wette, der Begriff "Kalter Krieg" hat Hochkonjunktur. Genau in dieser Zeit ist Spielbergs Film angesiedelt, genauer gesagt im Jahr 1957: Der sowjetische Spion Rudolf Abel (Mark Rylance gewann für seine Rolle den Oscar!) wird in den USA gefasst und angeklagt. Er zeigt sich als treuer Verfechter der sozialistischen Sache und verrät sein Land mit keiner Silbe an die US-Behörden. Einen Pflichtverteidiger bekommt Abel trotzdem. Ein undankbarer Job, den der in Sachen Verteidigung feindlicher Agenten unerfahrene Jurist James Donovan (Tom Hanks) auferlegt bekommt.

Die Verteidigung des "Kommunisten Abel" gilt vielen US-Amerikanern als Landesverrat. Doch Donovan bleibt stur und wahrt die Verfassungsrechte des Angeklagten, mit dem er bald eine Art ungewöhnliche Freundschaft beginnt. Ein flammendes Plädoyer des Anwalts, in dem er den Nutzen eines lebenden feindlichen Agenten für die USA beschwört, bewahrt Abel vor dem Tod. Ein paar Jahre später schicken die Geheimdienste Donovan und den Zuschauer in den zweiten Part des Thrillers: Als Unterhändler reist er ins Ost-Berlin des Jahres 1961, um dort einen über der Sowjetunion mit seinem Spionageflugzeug abgestürzten US-Agenten gegen Abel auszutauschen.

Seine Handschrift hat der dreifache Oscar-Preisträger Steven Spielberg inzwischen perfektioniert: Wie Donovan beispielsweise mit der S-Bahn aus der DDR nach West-Berlin zurückfährt und beim Überqueren der Grenzanlagen zufällig Augenzeuge der ersten Mauertoten wird, belegt Spielbergs größte Kunst eindrücklich: das filmische Verdichten. Egal ob in der kurzen Neben-Szene, in der Donovan von ostdeutschen Jugendbanden nahe der Friedrichstraße seines Wintermantels beraubt wird, oder beim Showdown, der sich fast westerngleich im Schneesturm Bahn bricht. Sicher: All das mag historisch fragwürdig, erzählerisch unrealistisch und voller Pathos daherkommen.

Der Faszination von "Bridge of Spies" tut dies allerdings keinen Abbruch, im Gegenteil, es befeuert sie: Mit spannenden Wendungen und subtil gestreutem Humor zelebrieren Spielberg und Hanks das klassische Hollywood-Kino im besten Sinne: als einnehmendes Spektakel voller Liebe zum Detail, als bombastische Geschichtsstunde, die sich nie zu ernst nimmt. Oder schlicht: als grandios unterhaltendes Erlebnis. So wie Hanks als Donovan für die Befreiung des US-Agenten und die Rechte dessen sozialistischen Konterparts kämpft, kämpft Spielberg weiterhin für die Rettung Hollywoods vor der allgemeinen Ödnis.


Quelle: teleschau – der Mediendienst