Am Schluss war es endlich, immerhin, doch noch ultraspannend. Um kurz nach eins entschied nach einem bis dahin ziemlich zähen, fast fünfstündigen Wettkampf für Xabier Urkiaga, den Lehrer aus Bayern, ein einziger Stoß am Billardtisch darüber, ob er eine Million Euro mit nach Hause nehmen kann. Die schwarze Kugel liegt links unten in der Ecke des Billardtisches direkt vorm Loch, die weiße an der gegenüberliegenden Ecke. Eine gerade Linie, Xabier muss nur noch eine ruhige Hand behalten, und sie ist drin. Kurz zuvor hat Steffen Henssler genau das nicht hingekriegt und die schwarze Kugel, die schon zu dem Zeitpunkt direkt vor dem Loch lag, nur leicht angestoßen.

Eine Million also, und Xabier bleibt tatsächlich ruhig, zielt nur kurz und macht das Ding rein. Damit ist der 37-Jährige der erste, der den Fernsehkoch Steffen Henssler in der Neuauflage von "Schlag den Raab" geschlagen hat. Da in den drei bisherigen Folgen alle Kandidaten scheiterten, hatte sich eine satte Million Euro angesammelt – genug Geld, damit Xabier sich und seiner Familie nun, wie angekündigt, eine Reise auf die Philippinen gönnen kann.

Der Mann hat vier kleine Kinder, die alle auch ziemlich sportlich sind und gerne mit ihm auf die Philippinen wollen. Im Vorentscheid, der diesmal wegen eines technischen Problems doch wieder per Telefonabstimmung stattfand, hatte der Mathe- und Sportlehrer seine beiden Konkurrenten mit großem Abstand überholt. Kinder ziehen eben immer. Dass der Typ grundsolide und deshalb auch fürs Fernsehen etwas langweilig ist, hätte man sich schon bei der Vorstellungsrunde denken können. Es folgen fast fünf Stunden eher mühsamer als wirklich fesselnder Wettkämpfe.

Steffen Henssler scheint gar nicht gewinnen zu wollen

Xabier Urkiaga konzentriert sich verständlicherweise auf sein Ziel, möglichst viele der Spiele zu gewinnen und damit die Million zu gewinnen. Er sagt selten etwas, und so wird generell nicht viel gesprochen. Ab und an versucht der Henssler zu witzeln, dass er die Spielregeln nicht verstanden hätte. Man wünscht sich Stefan Raab zurück, der immer so schön bissig war. Der Henssler erweckt nicht einmal den Eindruck, dass er wirklich gewinnen will. Würde jemand die Sendung an diesem Abend zum ersten Mal gucken, würde er schließen: Gegen Steffen Henssler zu siegen, ist nicht schwer.

Denn fast jedes Spiel entscheidet der Lehrer Xabier für sich. Fast möchte man Steffen Henssler schütteln und rufen: "Du hast gerade viel ungeschickter Bälle mit einem Laubbläser in das Tor geblasen, und außerdem hat Xabier den cooleren Bizeps, jetzt ärgere dich doch mal!" Erst zum Schluss hin, als es auf Mitternacht zugeht, gewinnt auch der Henssler einige der sehr unterschiedlichen Wettkämpfe.

Der Gabelstapler kitzelt die ersten Emotionen hervor

Immerhin bleibt die Auswahl der Spiele einfallsreich. Das Kinderspiel "Kakerlakak" steht womöglich bald in jedem zweiten Wohnzimmerregal der Bundesrepublik – kann man bestimmt auch wunderbar bei einem Glas Wein mit Freunden spielen – und einen Gabelstapler durften Xabier und der Henssler auch fahren. Der hat im übrigen auch den ersten annähernd emotionalen Fluch aus Xabier herausgekitzelt, ein genervtes "Ach, komm, ey!"

Bis zur besagten spannenden Billardrunde hat Steffen Henssler zwar seinen zu Beginn noch eklatanten Rückstand einigermaßen aufgeholt, Xabier Urkiaga liegt aber immer noch mit 52 zu 26 Punkten in Führung. Da derjenige, der als erster in den bis zu 16 Spielen 60 Punkte holt, gewinnt, ist das folgende Billardspiel ein Matchball. Gewinnt Xabier dieses Spiel, gewinnt er auch die Million. Zunächst spielen der Henssler und Xabier fast gleichermaßen gut und versenken bei fast jedem Zug eine Kugeln. Im Kopf-an-Kopf-Rennen wird für Xabier schließlich tatsächlich der eine Stoß entscheidend. Hätte er diese Kugel, die schwarze, nicht so sicher versenkt, hätte der Fernsehmarathon womöglich dank Zeitverschiebung noch bis fünf Uhr morgens gedauert.