Nach dem Tod ihres Mannes erfährt Ella Schön von dessen Doppelleben. Langsam aber sicher freundet sich die Witwe mit Asperger-Syndrom mit der Freundin ihres verstorbenen Mannes an.

"Ella Schön" (Annette Frier) ist es gewohnt, sich den Alltag mithilfe eines strengen Regelwerkes zu organisieren. Die Frau mit Asperger-Syndrom kann Gefühle nur schwer lesen oder verstehen – weshalb ihr jegliche "emotionale" Überraschungen oder Veränderungen im Leben ein Graus sind. Als Ellas Mann bei einem Unfall stirbt, muss die Frankfurterin an die Ostsee reisen, um ein Ferienhaus des Verblichenen abzuwickeln. Doch das romantische Gebäude in der Region Fischland wird von einer Familie bewohnt. Christina Kieper (Julia Richter) lebt dort mit ihren beiden Kindern, das dritte ist unterwegs. Und der Vater? Ist Ellas Mann, der am Meer offenbar ein Doppelleben führte. Nun wird der erste Teil der "Ella Schön"-Herzkino-Reihe mit dem Titel "Inselbegabung" erneut im ZDF ausgestrahlt.

Dass Gefühle in der Kommunikation zweier Menschen krass fehlinterpretiert werden, ist als Stilmittel der Unterhaltung nicht neu. Mal beschränken sich die Kreativen auf Geschlechterklippen der Marke "warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können". Mal nehmen die Missverständnisse pathologische Züge an und werden im Sinne Aspergers eher tragisch – so wie in der famosen dänisch-schwedischen Krimireihe "Die Brücke" – oder eben komödiantisch im Sinne eines "Forrest Gump" interpretiert. Die ZDF-Reihe mit Annette Frier und Julia Richter schlägt sich klar auf die Seite der romantischen TV-Komödie – aber nicht ohne Tiefgang.

Klar, die beiden Frauen haben einen Konflikt: Ella möchte schleunigst das Haus verkaufen und den Schmerz des Betrugs aus ihrem geregelten Leben rauswischen. Christina wiederum, die am Strand ein Café betreibt, ist auf ihr Haus angewiesen – zumal die Geburt ihres dritten Kindes unmittelbar bevorsteht. Der Zuschauer entwickelt Sympathien für beide Frauen, die sich – wie es sich beim "Herzkino" gehört – natürlich vorsichtig annähern.

Zu loben ist, dass bei "Ella Schön" tatsächlich mal die Beziehung zweier Frauen im Zentrum einer sonntäglichen ZDF-Unterhaltungsreihe steht. Gewünscht hätte man dem Drehbuch von Simon X. Rost ("Helden – Wenn dein Land dich braucht") allerdings, dass es seine an sich spannende Konstellation mit etwas mehr komplexen Leben abseits der Rollenschemata füllt. Die Schauspielerinnen hätten das Potenzial hierfür durchaus mitgebracht.

So bleibt unterm Strich eine gefällige Reihe, die inzwischen aus vier Teilen besteht: Der zweite Teil "Das Ding mit der Liebe" wird am Sonntag, 25. August, 20.15 Uhr, wiederholt. Der dritte ("Die nackte Wahrheit") und der vierte Teil ("Sturmgeschwister") wurden Ende März erstmals gezeigt. Und auch diese Filme erreichten recht gute Quoten: Zwar konnte der dritte Teil Ende März nicht die Zahlen des zweiten Teils erreichen, lag aber trotzdem mit etwa 4,65 Millionen Zuschauern (13,1 Prozent Marktanteil) an dem Tag nur hinter dem "Tatort", und auch der vierte Teil erreichte solide 4,52 Millionen Zuschauer. Mit diesen Zahlen steht einer weiteren Fortsetzung nichts m Wege – bekannt ist allerdings noch nichts.


Quelle: teleschau – der Mediendienst