Die Geschichte des "Schmunzelmonster"-Remakes "Elliot, der Drache" ist eine relativ kleine. Was Regisseur David Lowery nicht davon abhielt, dennoch einen guten Film zu drehen.

Real ist, was "da" ist. Was man sehen, riechen, ertasten oder sonst irgendwie sinnlich erfassen kann. So begreifen Erwachsene in den meisten Fällen die Welt. Was wir nicht anfassen können, ist für uns auch nicht da. Einer, der sich einen kindlichen Blick bewahrt hat, ist der alte Holzschnitzer Mr. Meacham (Robert Redford): "Wenn du nur siehst, was vor dir ist", weiß er, "dann verpasst du 'ne Menge." Das ist dann auch die Botschaft, die "Elliot, der Drache" mitbringt. Das fantasievolle Abenteuer, das sich in seinen Grundzügen an dem populären Disney-Musical "Elliot, das Schmunzelmonster" (1977) orientiert, lädt Kleine wie Große ein, gemeinsam abzuheben vom grauen Boden der Tatsachen. Nun strahlt SAT.1 den Film von 2016 als Free-TV-Premiere aus.

Mr. Meacham wird von den Erwachsenen in der Stadt schon lange nicht mehr für voll genommen. Die Kinder aber lieben ihn: Seit Generationen schon unterhält er sie mit seinen abenteuerlich ausgeschmückten Geschichten von einem grünen Drachen, dem er vor vielen Jahren in den Wäldern von Mullhaven begegnet sein will. Seine rational-geerdete Spielverderber-Tochter Grace (Bryce Dallas Howard) muss die Dinge für die Kinder dann immer wieder geraderücken: Als Mitarbeiterin des Naturparks durchstreift sie die besagten Wälder seit Jahren täglich, einen Drachen gibt es da nicht. Überhaupt gibt es natürlich keine Drachen.

Eine halbe Filmstunde später wird sie ihren Vater ganz aufgewühlt fragen, was er damals im Wald wirklich gesehen hat. Weil ihr dort nämlich der kleine Waise Pete (Oakes Fegley) zugelaufen ist. Nach dem tragischen Unfalltod seiner Eltern hat er dort offensichtlich jahrelang unbemerkt gelebt – nicht allein, wie er behauptet, sondern mit Elliot. Und dieser Elliot soll ein grüner Drache sein, ganz ähnlich dem, den Mr. Meacham immer beschrieben hat. Mit dem Zeichentrick-"Schmunzelmonster" von einst hat der neue CGI-Elliot allerdings nur noch weniger gemein, eher ähnelt er einem geflügelten Hund im XXL-Format.

Regisseur holt das Maximum heraus

Der weitere Verlauf der Geschichte ist nicht sonderlich originell: Grace nimmt den kleinen verwilderten Pete bei sich auf, derweil machen einige böse Menschen Jagd auf den Drachen, was in ein ziemlich aufregendes Finale mündet. Manche Figuren kommen dann auch zu der Erkenntnis, dass es eben doch mehr gibt in der Welt als das, was man sehen kann. Und am Ende, klar, liegen sich alle in den Armen.

Gesungen wird in dieser sehr zeitgemäßen Neuauflage übrigens nicht mehr. Dafür arbeitet Regisseur David Lowery intensiv mit perfekt gewählten, rührenden Pop-Songs, die er über das Geschehen legt – eine durchaus gelungene Lösung, schließlich gehört die Musik bei "Elliot" irgendwie dazu. Überhaupt weiß Lowery ganz genau, wie er den Stoff anzupacken hat und wann er beim Zuschauer welche Knöpfe drücken muss. So holt er tatsächlich das Maximum aus der Geschichte heraus.

Die meiste Zeit setzt der Filmemacher direkt am Herzen an: Wenn der kleine Pete ausreißt und minutenlang allein durch die Straßen von Mullhaven rennt, um seinen Elliot zu finden, wird's viele feuchte Augen geben. Auch, wenn die beiden Freunde bei einem gemeinsamen Flug kurz vor Filmende durch eine Wolkendecke stoßen, der Sonne entgegen. Es gibt eine Menge solcher "Magic Moments" in diesem Film, der in vielerlei Hinsicht überflüssig erscheint, aber nichtsdestotrotz irrsinnig unter die Haut geht. An Drachen werden die Erwachsenen hinterher nicht glauben. Der eine oder andere sieht die Welt aber vielleicht doch (wieder) mit anderen Augen.

Inzwischen hat Hollywood-Legende Robert Redford, der im August 83 Jahre alt wird, sein Karriereende bekanntgegeben. Im August 2018 hatte er der Zeitschrift "Entertainment Weekly" mitgeteilt: "Sag niemals nie, aber ich habe ziemlich sicher beschlossen, dass es das für mich als Schauspieler war." Sein letzter Film "Ein Gauner & Gentleman", in dem er neben Casey Affleck und Sissy Spacek die Hauptrolle spielte, erschien im März in den deutschen Kinos. Mit Filmen wie "Der Clou" (1973), "So wie wir waren" (1973), "Die Unbestechlichen" (1976) oder "Jenseits von Afrika" (1985) bleibt der zweifache Oscargewinner aber weiterhin dem Fernsehen erhalten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst