Am Dienstagabend startet auf ProSieben die zwölfte und letzte Staffel der US-Sitcom "Two and a Half Men". Um das große Finale mehren sich die Gerüchte. Sogar eine Rückkehr von Charlie Sheen ist mittlerweile im Gespräch – ein letzter verzweifelter Versuch, das Serienimage noch zu retten. Denn: Die Serie verdient nicht mal mehr ihren Namen.

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist – diesem Prinzip hätte "Two and a Half Men"-Produzent Chuck Lorre vielleicht folgen sollen, als Charlie Sheen alias Charlie Harper nach acht Jahren aus der erfolgreichen US-amerikanischen Sitcom ausgeschieden ist. Sheens gesundheitliche Probleme und eine öffentliche Schlammschlacht zwischen dem TV-Star und dem Produzenten machten eine weitere Zusammenarbeit unmöglich.

Aber die Show sollte unbedingt weitergehen. Und dafür brauchte es einen adäquaten Ersatz, der die Rolle des reichen, sorglosen, frauenverschlingenden Trinkers einnimmt. Also trat nach Sheens eher schlecht inszeniertem Serientod plötzlich der Internet-Milliardär Walden Schmidt auf die Bühne. Smart, durchtrainiert und ausgestattet mit dem zierlichen Gesicht von Ashton Kutcher, das Frauenherzen schon in etlichen Hollywood-Schnulzen hat höher schlagen lassen. Die neunte Staffel markierte somit den Beginn einer 180-Grad-Kehrtwende: vom markanten und bindungsunfähigen Testosteron-Prolet zum schüchternen Sunnyboy. Erste Serienfans ahnten bereits: Das kann nicht gut gehen. Und tatsächlich, die Zahl der Nominierungen für Emmys und People's Choice Awards wurde kleiner.

Quoten ja, Anerkennung nein

Was die Einschaltquoten betrifft, konnte sich der Sender CBS nach dem Wechsel des Hauptdarstellers nicht beklagen, im Gegenteil. 28,7 Millionen Zuschauer verfolgten den ersten Auftritt von Ashton Kutcher im September 2011. Zum Vergleich: 14,5 Millionen Zuschauer sahen sich die letzte Folge mit Charlie Sheen an. Doch das Image der Serie hat sich seitdem stark gewandelt. In unzähligen Fanforen und sozialen Netzwerken hieß es plötzlich: "Wir wollen Charlie Sheen zurück!" Man hatte den Eindruck, die Serie wird nicht mehr eingeschaltet, weil der Zuschauer sie nach wie vor schätzt, sondern nur, damit er sich anschließend darüber aufregen kann. Denn die "zweieinhalb Männer" hatten ihren Witz verloren. Und nun, eine Staffel vor dem Ende, gibt es sie nicht einmal mehr.

Schließlich ging es nicht nur um den "coolen Onkel Charlie", wie die Serie in Deutschland 2005 zunächst hieß. Weitere wichtige Bestandteile der "Two and a Half Men" waren sein Serienbruder Alan alias Jon Cryer und dessen Sohn Jake, gespielt vom mittlerweile 21-jährigen Angus T. Jones. Alan, der zusammen mit Charlie in dessen Strandhaus in Malibu unter einem Dach lebte, zeichnete sich seither dadurch aus, dass genaue Gegenteil seines älteren Bruders zu sein: Als geschiedener mittelloser Mittvierziger stürzte Alan sich in dutzende Liebschaften, aus denen er stets als verlassenes, blamiertes und gebrochenes Häufchen Elend wieder herauskam. Der perfekte Loser zum Fremdschämen, der Schmarotzer, der bei seinem Bruder unterkommen musste – das kam bei den Zuschauern lange gut an. Und mal ehrlich: Wer hat nicht schon einmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wenn Alan seine neue Angebetete in weißer Feinripp-Unterhose verführen wollte oder flennend auf dem Boden seinen nächsten Nervenzusammenbruch durchmachte? 

Der Dritte (oder Halbe) im Bunde war der kleine Jake, der "Popelfresser", wie ihn sein Onkel oft genannt hat. Intelligenz oder Talent gehörten nicht zu seinen Eigenschaften, dafür jedoch der ewige Drang zu essen und sich ebenso wie sein Vater in Schwierigkeiten zu bringen. Zweifellos kein Charakter, der die Serie jemals hätte allein tragen können, aber immer eine gern gesehene Ergänzung der beiden Erwachsenen. Das waren sie, unsere "Two and a Half Men".

Und nun? Was ist jetzt am Ende der elften Staffel von dem Trio übrig geblieben? Nicht viel! Nicht nur Charlie Sheen sondern auch Angus T. Jones hat der Serie mittlerweile den Rücken gekehrt. Ersetzt wurde er durch Charlies bisher völlig unbekannte Tochter Jenny, gespielt von Amber Tamblyn, die plötzlich zu Beginn der elften Staffel bei Walden und Alan vor der Tür stand. Sollte das etwa der Versuch gewesen sein, die "zweieinhalb" wieder voll zu kriegen? Offenbar, denn so wie Jake seinem alten Onkel tagtäglich das Leben schwer gemacht hat, machte auch die selbstbewusste Lesbe mit Strip-Poker, wilden Partys und sexuellen Eskapaden im Haus ihres Gastgebers, was sie wollte. Peinlich auffällig in der Ära Kutcher war dabei der notorische Hang zum Extremen. Bier und Whiskey, wie zu Charlies Zeiten, waren plötzlich zu brav. Fortan gab es Gras und Hasch-Brownies im neuen Malibu-Junkie-Palast.

Der Herr im Haus wird Nebendarsteller

Walden scheint seit seinem ersten Auftritt nur eine Mission zu haben: die wahre Liebe finden. Eben nicht selbstbewusst und egoistisch wie Charlie, sondern schüchtern und nach seiner Scheidung von Liebeskummer geplagt stürzt er sich in jeder Staffel genau wie sein Vorgänger in etliche Affären und Abenteuer mit dem anderen Geschlecht. Nach drei Staffeln zeigt sich deutlich: Ashton Kutcher sollte nicht als Abziehbild von Charlie Sheen in der Serie auftreten. Eine weise Entscheidung von den Drehbuchautoren, denn Charlie Sheen ist nach Meinung der Fans unersetzbar.

Kurzweilige, wenn auch gefühlsbetonte Beziehungen bestimmen das Leben von Walden Schmidt. Höhepunkt ist die Beziehung zu der hübschen Kate, die zwar zwischenzeitlich auseinanderging, später jedoch wieder aufblühte – nur um dann auf noch dramatischere Art und Weise zu scheitern. Genauer auf die Beziehungsdramen von Walden einzugehen, wäre verschwendete Zeit. Denn: Sie sind stinklangweilig. Durch seine eintönigen Liebesmiseren tritt der eigentliche Protagonist der Serie immer weiter in den Hintergrund. Daran können auch Gastauftritte von US-Schauspielern wie Mila Kunis, die in der Serie eine kurze Romanze mit Walden hat, nichts ändern. Nicht der Herr des Hauses, sondern der ewige Hausgast Alan rückt immer mehr in den Fokus der Serie. Und damit beginnt der chaotische Anfang vom Ende.

Der rote Faden ist für den Serienliebhaber eine wichtige Orientierungshilfe. Das Chaos der elften Staffel ist jedoch eher ein rotes Wollknäuel, das für den Zuschauer nervig und wenig abwechslungsreich ist. Die Fakten: Alan hat eine Affäre mit Lindsey, seiner staffelübergreifenden Herzdame, die ihn jedoch zwischenzeitlich immer wieder abserviert und ihn schließlich für einen Mann namens Larry Martin verlässt. Schwierig wird es jedoch, als sich gleichzeitig eine Freundschaft zwischen Alan und Larry entwickelt, der seinen heimlichen Nebenbuhler nur als "Jeff Starkmann" kennenlernt. Alans Doppelleben als Lover und Kumpel hält die Serie wenigstens noch etwas spannend und lebendig. Der Rest wirkt verschlissen und hat mit den pfiffigen Geschichten der ersten Staffeln nicht viel gemein.

Kein vielversprechender Ausblick

Zum Ende der elften Staffel wird Alans Scharade auf die Spitze getrieben. Er verliebt sich in Larrys Schwester und will sie sofort heiraten. Wer als Zuschauer jetzt nicht bereits völlig die Orientierung verloren hat, erlebt das totale Wirrwarr der vorerst letzten Folge. Eine verlassene und betrunkene Lindsey sprengt die Hochzeit von Alan und seiner neuen Angebeteten und fällt kopfüber in die Torte – wie ein Clown im Zirkus. Wieder ein lahmer Gag, aber wenigstens hat das undurchsichtige Chaos damit endlich ein Ende gefunden.

In der letzten Szene sitzen Alan und Walden allein auf dem Sofa und sprechen über ihre gemeinsame Zukunft. Auch dieses Bild ist bereits bestens bekannt aus vielen Staffeln und verspricht nichts wirklich Innovatives für das Finale. Eine plötzliche Homo-Ehe zwischen Walden und Alan, die aktuell aus der Gerüchteküche kommt, und selbst eine Rückkehr von Charlie Sheen können eine Tatsache nicht ändern: die Geschichte von "Two and a Half Men" ist erzählt und der Zenit längst überschritten. Genug jetzt!

In Kooperation mit RP ONLINE.