Neue ARTE-Reihe

"Geschehen, neu gesehen": An Papst Johannes Paul II. scheiden sich die Geister

von Andreas Schoettl

ARTE nimmt in einer neuen Doku-Reihe historische Personen und Ereignisse neu in den Fokus. Los geht es mit dem Wirken und Schaffen von Papst Johannes Paul II. aus einer anderen Perspektive.

ARTE
Geschehen, neu gesehen. – "Wahre Geschichte"
Dokumentation • 26.01.2021 • 20:15 Uhr

Das ging schnell. Nur sechs Jahre nach seinem Tod infolge einer schweren Parkinson-Erkrankung im April 2005 wurde Papst Johannes Paul II. (1920 – 2005) am 1. Mai 2011 selig gesprochen. Bereits am 27. April 2014 folgte die Heiligsprechung. Kirchenkritiker wie der Schweizer Theologe Hans Küng bemängelten schon damals im Zuge eines angeblich vorschnellen Verfahrens, der "zwiespältigste Papst des 20. Jahrhunderts" tauge nicht als Vorbild. Küngs Begründung lautete, in innerkirchlichen Angelegenheiten habe Johannes Paul II. "die Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt".

Tatsächlich scheiden sich an dem Polen, der am 16. Oktober 1978 als erster Nichtitaliener nach mehr als 400 Jahren zum Papst gewählt wurde, in mancherlei Hinsicht die Geister der Gläubigen. Verehrt wie kaum ein anderer in seinem Heimatland, war Karol Józef Wojtyła, wie er bürgerlich hieß, maßgeblich daran beteiligt, dass Polen sich vom ehemaligen Sowjetregime mehr und mehr lösen konnte. 1979 rief er in seinem Heimatland dazu auf, keine Angst vor dem Kreml und dessen weitreichenden Einfluss zu haben. Die Botschaft verbreitete sich wie ein Lauffeuer und löste eine beispiellose Streikwelle aus. Moskau musste die Gründung der ersten freien Gewerkschaft Solidarność akzeptieren.

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Wie der Film der französischen Regisseurin Christiane Ratiney aber auch zeigt, war Johannes Paul II. eben auch erzkonservativ: Er verurteilte die Pille und Kondome und stieß mit einer Formulierung in seinem Buch "Erinnerung und Identität – Gespräche an der Schwelle zwischen den Jahrtausenden", die einen Vergleich von Holocaust und Abtreibung nahelegte, unter anderem beim Zentralrat der Juden in Deutschland auf Kritik.

Es ist spannend zu sehen, wie Historiker mit voranschreitender Forschung häufig ein verändertes Bild der Geschichte aufdecken. Vieles bleibt dabei durchaus bekannt, die Filme über Johannes Paul II. oder direkt im Anschluss über Ronald Reagan, einem zunächst belächelten US-Präsidenten, von dem es heute heißt "Not bad at all" ab 21.05 Uhr, zeigen, dass die porträtierten Persönlichkeiten durchweg vielschichtiger agierten, als in bis dato gemeinhin angenommenen Vorstellungen.

ARTE schließt seinen Themenabend "Wahre Geschichte" mit einem Beitrag über Adolf Hitler ab. Wiederum die Regisseurin Ratiney fragte in ihrem Film bereits 2017: War er der "Größte Feldherr aller Zeiten?" Sie verwies dabei unter anderem auf den erfolgreichen "Blitzkrieg" Nazi-Deutschlands gegen Frankreich. Doch anders als gemeinhin angenommen, hatte der "Führer" diesen beispiellosen Siegeszug zwar veranlasst, der Plan dazu stammte aber nicht von ihm. Dieser Triumph, der den Ideen anderer Strategen entsprang, elektrisierte Hitler und ließ ihn glauben, dass Gleiches auch an der Ostfront möglich sei. Dieser Irrtum rächte sich fürchterlich.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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