Er war einer der ganz großen Hollywoodstars der 60er- und 70er-Jahre. Steve McQueen (1930 – 1980) war einer der großen Einzelgänger des Abenteuer- und Actionkinos. Er spielte die knallharten Draufgänger, kämpfte im Kurosawa-Remake "Die glorreichen Sieben" mit Yul Brynner und Charles Bronson gegen die Übermacht mexikanischer Ganoven, war ein amerikanischer Kriegsgefangener, der in "Gesprengte Ketten" aus einem deutschen Gefangenenlager ausbrach und ein Gentleman-Bankräuber in "Thomas Crown ist nicht zu fassen". Die amerikanische Doku "Ich bin Steve McQueen" von Jeff Renfroe zeigt einen Mann, der stets genau wusste, was er wollte, der die Gepflogenheiten der Studios durchbrach und zugleich ein umsichtiger Familienmensch sein konnte.

Den Namen "King of Cool" bekam er wohl erst nach dem frühen Tod mit 50 Jahren, als er an Krebs starb. Und natürlich wurde sein kurzes schnelles Leben mit seiner Liebe zu allem was schnell war in Parallele gesetzt. McQueen mochte schnelle Autos, Motorräder, Flugzeuge. Er nahm an Auto- und Motorradrennen teil. Aber die ganz schwierigen Stunts, bei denen er mit dem Motorrad über meterhohe Zäune flog, wurden dann doch geschickt gedoubelt – "sein" Stuntman wurde auf das Sorgfältigste von ihm selbst ausgesucht, der Schnitt vom Star zum Double saß perfekt.

Die Doku von Jeff Renfroe bastelt in vielen Superlativen weiter am Image der Hollywood-Ikone. Es hagelt in vielen Statements Superlative der Bewunderung. Doch belegen die Filmausschnitte und Fotos eben auch die immer noch lebendige Faszination des Schauspielers, der als Kind bei einem Onkel aufwuchs, eine Alkoholikerin zur Mutter hatte und den Vater nicht kannte. Er suchte ihn ein Leben lang. Sein Blick, der nicht selten an der Kamera und am Gegenüber bewusst vorbei ging, spricht von diesem Manko: ein erkalteter, aber kein kalter Blick.

Steve McQueen wird zum Kassenmagneten

Mit 16 ging er nach New York, traf dort die Mutter, nachdem er im Erziehungsheim aufgewachsen war. Ein Schock, wie Mc Queens immer noch drahtige erste Frau Neile Adams, die er 1956 als Tänzerin am Broadway kennenlernte und mit der er 14 Jahre verheiratet war, im Film berichtet. Als er am New Yorker Actors' Studio aufgenommen wurde, wusste er, wie er sagt, "dass ich nicht scheitern durfte". Ein Ehrgeiz, der ihn nicht mehr verließ.

Am Set konnte McQueen sich als Kassenmagnet später viel herausnehmen: Er schrieb Drehbücher um, versuchte sich geschickt in Szene zu setzen und strich alles, was seiner Rolle nicht nützlich erschien. Privat war er über lange Zeit ein Familienmensch, wie die eingeblendeten Super 8-Filme belegen. Zu den Dreharbeiten von "Kanonenboot am Yangtse Kiang" (1966), für den er als Nebendarsteller seine einzige Oscarnominierung bekam, nahm er seine Frau und die zwei Kinder nach Taiwan mit. Er wollte ein Familienleben nachholen, das er selbst nicht hatte.

Immer wieder bezeugen Kollegen im Film, dass Mc Queen als Mensch wie auch als Schauspieler authentisch gewesen sei. Doch trotz der geradezu inflationär eingesetzten Superlative rückt die geradezu fetzige Doku das Bild eines Schauspielers zurecht, der nicht nur ein smart-cooler Actiondarsteller war, sondern ein selbstbewusster, selbstkritischer, wenn auch anderen gegenüber knallharter Mensch, den eine schwere Kindheit und Jugend prägte, dessen Erfolgstraum aber wohl gerade deshalb in Erfüllung ging.


Quelle: teleschau – der Mediendienst