Die Gefängnisse sind überfüllt, den Verbrechern können Polizisten und Richter nicht mehr Herr werden. In einem düsteren Amerika des Jahres 2022 greift die Regierung deshalb zu einer drastischen Lösung: Einmal im Jahr, von sieben Uhr abends bis sieben Uhr morgens, werden Mord und Totschlag erlaubt. Eine angeblich segensreiche Maßnahme, die für eine niedrige Kriminalitätsrate und eine boomende Wirtschaft sorgt. James Sandin (Ethan Hawke), seine Frau Mary (Lena Headey) und ihre Kinder werden "The Purge – Die Säuberung" (2013) in ihrem vermeintlich abgeriegelten Haus heimgesucht. 3sat wiederholt den Sci-Fi-Survival-Thriller nun am späten Dienstagabend.

Zu den Gewinnern zählt auf alle Fälle James Sandin (Ethan Hawke), der höchst lukrativ Sicherheits- und Schutzsysteme für die Nacht des Blutrausches verkauft, die seine Frau Mary (Lena Headey, "Game of Thrones") zutiefst verabscheut. Allerdings erweisen sich seine Abwehrvorrichtungen im eigenen Haus als nicht sehr wirkungsvoll: Henry (Tony Oller), unerwünschter Freund der heranwachsenden Tochter Zoey (Adelaide Kane), kann trotzdem eindringen. Der tüftelnde Sohn Charlie (Max Burkholder) lässt sogar einen verwundeten Fremden (Edwin Hodge, "Red Dawn") herein. Dessen Herausgabe fordert bald ein höflicher, aber brutaler junger Herr (Rhys Wakefield) – oder er und seine fratzenhaft maskierte Gang würden sie alle niedermetzeln. Die sich bewaffnende Familie steht vor einer schwierigen Entscheidung.

Konventionelle moralische Bewährungsprobe

"The Purge – Die Säuberung" verkümmert jedoch als konventionelle moralische Bewährungsprobe: Soll man das eigene Leben für das eines Fremden riskieren? Die Familie gibt sich darauf eine explizite Antwort, die sich angesichts des unangenehmen Gangleaders und des angedeuteten Veteranen-Hintergrunds des Schutzsuchenden eigentlich von selbst ergibt. Furchterregende Angreifer, die höhnisch zum Schuss oder Stoss ansetzen, dienen in erster Linie als Kanonenfutter für die Verwandlung der Sandins in wehrhafte Gutmenschen.

Zudem nimmt das dramatische Plädoyer gegen Gewalt phasenweise einen deplatzierten satirisch-farcehaften Tonfall an, den es mit dem satten Sound von Klingen, die in menschliches Fleisch eindringen, oder dem beruhigenden Dröhnen von Papa Sandins Supergewehr auszubalancieren sucht. Zwischen Feier, Verspottung und Verdammung des Tötens bleibt das unausgegorene und nur gelegentlich aufregende Werk bis zum Ende des Abspanns hochambivalent.


Quelle: teleschau – der Mediendienst