Seit fünf Jahren findet vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen Beate Zschäpe statt. Zur Last gelegt werden der mutmaßlichen Gründerin und Unterstützerin des "Nationalsozialistischen Untergrunds" die Beteiligung an zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und 15 Raubüberfällen. Wenn nun endlich, nach über 430 Verhandlungstagen, am 11. Juli das Urteil gesprochen wird, werden viele Fragen zu der rechtsradikalen Mordserie weiterhin offen bleiben. Welche das sind, zeigt die Dokumentation "Auf der Spur des rechten Terrors", die ZDFinfo anlässlich des vorläufigen Prozess-Endes am Tag der Urteilsverkündung an eben jenem Mittwoch, 11. Juli, um 20.45 Uhr, ausstrahlt. Besaß die Gruppe ein größeres Netzwerk an Helfern als bislang vermutet? Welche Rolle spielte der Staat? Ein Film, der "Die sieben Geheimnisse des NSU" anspricht.

"Es ist völlig ausgeschlossen, dass die zufällig dahin gefahren sind und gesagt haben, jetzt bringen wir dort welche um", sagt Hardy Langer, einer der Nebenkläger im NSU-Prozess, zu Beginn der spannend aufbereiteten Dokumentation. Eine der Hauptthesen des Films lautet, dass die NSU-Täter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die sich 2011 in Eisenach das Leben nahmen, neben Beate Zschäpe und anderen Helfershelfern ein deutschlandweites breites Netzwerk gehabt haben könnten, das sie mit Informationen, Wohnungen und Waffen versorgte. Dass der NSU kein Netzwerk sei, heißt es dagegen in der Anklageschrift.

Die 10.000er-Liste des NSU

Anhand akribischer Recherchen weist die ZDFinfo-Doku auf offensichtliche Zusammenhänge hin, die im Prozess nur am Rande eine Rolle spielten. Bis heute nicht geklärt sind etwa Hinweise auf Unterstützer-Strukturen in der Neonazi-Szene, vor allem aber auf offensichtliche, ortskundige Hilfe in Städten wie Rostock, in denen der NSU mordete. Als "vielleicht größtes Geheimnis des NSU" benennt der Film die so genannte "10.000er-Liste" des Terror-Trios. Die in der ausgebrannten Wohnung gefundene Liste zählt mögliche Anschlagsziele auf – darunter auch Namen von Polizisten, Staatsanwälten und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Tausende Orte sind darauf benannt – bis ins Detail recherchiert und augenscheinlich aus längeren Beobachtungen entstanden. Wie kamen die ostdeutschen Täter darauf, sich etwa einen Kioskbesitzer in der Dortmunder Nordstadt auszusuchen – in einer Stadt mit einer recht großen Neonazi-Szene?

Ebenfalls überaus geheimnisvoll bleibt bis heute der Mord an der Polizistin Michelle Kiesewetter in Heilbronn. Denn vieles spricht dafür, dass die Täter ihr Opfer schon länger kannten. War es ein Racheakt? Der Onkel der Toten ermittelte immerhin als Polizist auch im rechten Milieu. Die Anklage spricht nur von einem Zufallsopfer. Weitere ungeklärte Fragen, denen sich der Film widmet, drehen sich um den Verfassungsschutz und die V-Leute im Umfeld des NSU. Warum gab es den entscheidenden Hinweis auf die mordende Gruppe nie? In erster Linie zielen die sehenswerte Doku und ihre "sieben Geheimnisse" auf zwei grundlegende Fragen: Hatte der NSU weitere Mittäter, die noch immer auf freiem Fuß sind? Und: Welche Rolle spielten dabei die staatlichen Institutionen?

ARD berichtet live über NSU-Prozess

Am 11. Juli will das Oberlandesgericht München das Urteil gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte sprechen. Die ARD berichtet unter dem Titel "Urteil im NSU-Prozess" ab 9.55 Uhr live in einer Sondersendung. Ebenfalls im Ersten läuft die Doku "Heer, Stahl und Sturm". Der Film, der sich mit den Zschäpe-Anwälten auseinandersetzt, steht am Mittwoch, 11. Juli, 0.05 Uhr, auf dem Programm. Über fünf Jahre durfte Filmemacherin Eva Müller die Verteidiger exklusiv begleiten.

Im ZDF berichtet ab 19.20 Uhr auch ein "ZDF spezial" über "das Urteil im NSU-Prozess". Im Anschluss an die ZDF-WM-Live-Übertragung des Halbfinales zwischen Kroatien und England ist ab 22.30 Uhr auch im Zweiten zunächst die "ZDFzoom"-Dokumentation "Auf der Spur des rechten Terrors – Die sieben Geheimnisse des NSU" zu sehen. Um 0.45 Uhr folgt im ZDF die "ZDFzeit"-Dokumentation "NSU – Der Prozess: Die Schuld der Beate Zschäpe".


Quelle: teleschau – der Mediendienst