Rund zweieinhalb Jahre, nachdem zum dritten Mal ein "Tatort"-Kommissar auf der Kinoleinwand ermittelte, hatte "Tschiller – Off Duty" am Sonntagabend TV-Premiere im Ersten. Wobei: Mit einem klassischen "Tatort" hatte der Film mit Til Schweiger in der Hauptrolle wenig zu tun. Regisseur Christian Alvart und Drehbuchautor Christoph Darnstädt hatten sich ganz offensichtlich andere Vorbilder gesucht. Keine gute Idee.

Was war los?

"Off Duty" machte da weiter, wo im Januar 2016 der letzte Schweiger-Film aufgehört hat. Wir erinnern uns: Nicks Frau kam damals ums Leben, sie wurde von Firat Astan (Erdal Yildiz) ermordet. Jetzt reiste Tochter Lenny (Luna Schweiger) nach Istanbul, um den kurdischstämmigen Ganoven zu töten. Weil die Sache schiefgeht (Lenny wird entführt und zwangsprostituiert), musste der Papa ran. Mit der Auswertung von Hinweisen oder durchdachten Plänen hilt sich Nick Tschiller freilich nicht lange auf, und so warf er sich in diesem Power-"Tatort" Hals über Kopf in eine Hetzjagd von Istanbul bis Moskau.

Klingt nicht nach einem normalen "Tatort", oder?

Man hat es dem Film deutlich gemerkt: Schweiger wollte keinen Sonntagskrimi von der Stange drehen, sondern einen Actionkracher. Da sollte es knallen wie im Hollywood-Blockbuster, aber das Ganze mutete über weite Strecken ein bisschen wie ein B-Movie an. Die Kämpfe, die Schießereien, die Verfolgungsjagden – in den entsprechenden US-Pendants wirkt das alles spektakulärer, professioneller und, ja, irgendwie auch sehr viel lässiger. Was unterm Strich blieb: blutige Nasen, viel Krawumm, sinnfreie Dialoge und null "Tatort"-Feeling.

Was war die beste Szene?

Eine Ausnahme von der 08/15-Action gab es allerdings: die Szene, in der Til Schweiger einen amoklaufenden Mähdrescher zum Stehen brachte. Das war tatsächlich hollywoodreif und so in einer deutschen TV-Produktion noch nicht zu sehen.

Und welche war die schlechteste Szene?

Wo anfangen? Dieser "Tatort" war eigentlich eine einzige Aneinanderreihung von miesen Szenen. Aber wenn man sich entscheiden müsste, dann war es vielleicht jene Szene, in der Dr. med. Nick Tschiller seiner eigenen Tochter eine Bombe aus dem Körper herausoperierte. Oder, stopp, vielleicht doch der Moment, in dem Tschiller durch die Wand eines Moskauer Hotelzimmers springt? Schwierige Entscheidung ...

Wie ist der Film im Kino angekommen?

Während im Fernsehen gerne mal sieben, acht Millionen Krimifreunde einschalten, wenn Nick Tschiller ermittelt, wurden nur knapp 300.000 Kinotickets für "Off Duty" gelöst. Das ist nicht viel – auch nicht, wenn man den Film mit den anderen beiden "Tatort"-Ausflügen auf die große Leinwand vergleicht. "Zahn um Zahn" lockte 1985 2,7 Millionen Zuschauer in die Kinos, zwei Jahre später wollten 1,5 Millionen Kinobesucher "Zabou" sehen – beide Filme übrigens mit Götz George als Horst Schimanski.

Was hat das Spektakel den Beitragszahler eigentlich gekostet?

Etwa acht Millionen Euro verschlang der Film, das Vielfache eines TV-"Tatorts". Der NDR, der den Film mitproduzierte, trug davon "etwas mehr als ein Fünftel der Gesamtkosten", wie der Sender in der "Zeit" zitiert wird. Das ist etwas mehr als der Betrag, mit dem ein normaler "Tatort" zu Buche schlägt.

Macht der "Tatort" nicht eigentlich Sommerpause?

Ja. Für "Off Duty" machten die Programmplaner aber eine Ausnahme. Ob das eine gute Entscheidung war, wird sich allerdings zeigen, wenn die Einschaltquoten vorliegen. Til Schweiger zeigte sich bereits vor einigen Wochen unzufrieden mit dem Sendeplatz: "Ich weiß, wie das jetzt ausgeht: Der Film wird vielleicht drei oder vier Millionen Zuschauer machen, und dann schreiben alle: Der 'Tatort' ist im Kino gefloppt, jetzt floppt er auch im Fernsehen", beschwerte sich der Schauspieler in der "Bild am Sonntag". Laut ARD hat der ungewöhnliche Ausstrahlungstermin allerdings praktische Gründe: "Off Duty" ist mit 130 Minuten deutlich länger als die ansonsten anderthalbstündigen Filme der Reihe. Man könne den Film also nur an einem Sonntag zeigen, an dem im Anschluss nicht "Anne Will" laufe, damit das Talkformat nicht ausfallen müsse.

Wann kommt der nächste neue "Tatort"?

Am 5. August hat das Warten ein Ende: Dann eröffnet der Schweizer "Tatort: Musik stirbt zuletzt" die neue Saison. Der Film, der von Star-Regisseur Dany Levy ohne Schnitt gedreht wurde, wird übrigens einer der letzten des Luzerner Ermittlerduos Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) sein: Ab 2019 will der SRF mit einem neuen Konzept einen Neustart für den Schweizer "Tatort" wagen, der fortan in Zürich angesiedelt sein soll.

Und wie geht es weiter mit dem Schweiger-"Tatort"?

Egal, wie die Quoten von "Off Duty" nun ausfallen werden: Tschiller bleibt im Einsatz. Derzeit plant der NDR mindestens eine weitere Episode des Schweiger-Sonntagskrimis. Aktuell werde ein Drehbuch entwickelt, so der Sender. Weitere Details wurden noch nicht bekannt.

Was hat diesen "Tatort" dennoch erträglich gemacht?

Eindeutig Fahri Yardim. Er war es in seiner Rolle als Tschiller-Sidekick Yalcin, der dieser krampfhaft um Coolness bemühten Action-Orgie doch noch zu etwas Lockerheit verhalf. Man war für jede Szene mit ihm dankbar.

Wir vergeben eine Vier.


Quelle: teleschau – der Mediendienst