Sechs ältere Menschen, drei Frauen und drei Männer, schickt "Mit 80 Jahren um die Welt" auf Weltreise. Die Teilnehmer lernen sich erst am Frankfurter Flughafen kennen. Alle haben gemein, dass sie in ihrem Leben nicht viel von der Welt gesehen haben. Kein Geld, immer zu viel Arbeit, vielleicht fehlte auch ein wenig der Mut.

Das in Holland erfundene Format holte dort gute Quoten, auch bei jüngeren Zuschauern. Die deutsche Variante unter der Reiseleitung Steven Gätjens begleitet den Rentner-Sechser auf einen Trip von Südafrika über Dubai, Indien, die Mongolei, Vietnam bis nach Schweden. In jedem Land bekommt einer der Teilnehmer einen Lebenstraum erfüllt. Der 80-jährige Lothar aus Schleswig-Holstein schwebt in der Mongolei wie ein Vogel in der Luft – mithilfe eines Leichtfluggeräts. Doch in Vietnam, der nächsten Station, verstirbt Lothar unerwartet. Die Ausstrahlung von "Mit 80 Jahren um die Welt" stand deshalb auf der Kippe. Jetzt wird die Reihe doch ausgestrahlt. Los geht's am Dienstag, 27. Juli 2018, 22.45 Uhr, im ZDF.

Gerade bei Formaten, bei denen das Öffentlich-Rechtliche der Ästhetik des Privatfernsehens recht nahe kommt, muss das Gebührenfernsehen aufpassen, sich nicht angreifbar zu machen. Dies gilt nicht nur im Sinne der viel beschworenen "Verschwendung von Gebührengeldern", sondern auch bei ethischen Fragen. Wie also umgehen mit der Tatsache, dass beim federleicht gedachten Dokutainment mit Rentnern, die noch mal zu einem – vielleicht letzten – Abenteuer aufbrechen, just einer dieser Abenteurer stirbt?

Dreharbeiten nach Todesfall abgebrochen

Lothar, ein nordisch trocken gerührtes "Landei", klagte auf der vorletzten Station in Vietnam plötzlich über Unwohlsein. Von der die Reise begleitenden Ärztin wurde er in ein Krankenhaus gebracht, wo man eine Lungenentzündung diagnostizierte. Während einer geplanten Verlegung nach Bangkok verstarb der ehemalige Fliesenleger und vielfach in seiner Gemeinde engagierte 80-Jährige überraschend. Der Dreh wurde umgehend abgebrochen, Gätjen und seine Protagonisten kehrten nach Deutschland zurück.

Eine Weile blieb offen, ob "Mit 80 Jahren um die Welt" gesendet werden soll. In Absprache mit den Hinterbliebenen des Verstorbenen und den übrigen Protagonisten entschied man, die sechs Folgen à 45 Minuten doch zu Ende zu produzieren. Die ausgefallene letzte Station Australien wird durch einen abschließenden Trip nach Schweden ersetzt, der die verbliebenen fünf Reisenden noch einmal zusammenbringt. So wird ein ZDF-Unterhaltungsformat, das Protokoll einer letzten Reise, auch zu einer Art Vermächtnis für Lothar – und ein ethisch durchaus anspruchsvoller Job für die Macher. Einerseits darf der Tod des "Kandidaten" nicht emotional ausgeschlachtet werden, dessen emotionale Wucht für die Reisegruppe aber auch nicht verschwiegen werden. Auch die leichte Dramaturgie des Formats mit exotischen Reisebildern, lachenden bis gerührten Senioren und unterlegter Popmusik sollte erhalten bleiben. Schließlich gehört das aus unverständlichen Gründen am späten Abend gesendete Format der Kategorie "Mutmacher" an. Nach dem Motto: "Guck mal Kurt, was die anderen Alten sich noch trauen."

Im Schnitt der ersten beiden von sechs Folgen entschied man sich, den Tod Lothars zu Beginn zu thematisieren – und ihn danach bis zur Zuspitzung in Folge fünf ruhen zu lassen. Eine gute Entscheidung, schließlich lief auf der Traumreise bis dahin alles nach Plan. Und wer weiß, was andere Sender an dräuendem Unheil und überemotionalsiertem Soundtrack aus den letzten Erlebnissen Lothars gemacht hätten.

Das Unterhaltende steht im Vordergrund

"Mit 80 Jahren um die Welt" schürft nicht wirklich tief in den Biografien und der Psyche der Teilnehmer. Das Unterhaltende steht im Vordergrund, hier und da wurde vielleicht eine Chance zu mehr Substanz verschenkt. Relevanz wurde dem Sechsteiler ungewollt durch ein tragisches Ereignis zuteil. Der Umgang damit gelang dem Mainzer Sender seriös, verantwortungsvoll. Dass der Tod – gerade für eine Klientel um die 80 – zum Leben dazu gehört, ist eigentlich selbstverständlich. Dass man gerade in einem Unterhaltungsformat daran erinnert wird, war trotzdem nicht eingeplant.

"Mit 80 Jahren um die Welt" läuft innerhalb von zehn Tagen am späten Abend im ZDF-Programm. Nach dem Auftakt am Dienstag, 24.7., 22.45 Uhr, geht es am Mittwoch, 25.7., 23.15 Uhr, Donnerstag, 26.07., 23 Uhr, Dienstag, 31.07., 22.45 Uhr, Mittwoch, 1.8., 23.15 Uhr, und Donnerstag, 2.8., 23 Uhr, weiter.

In Holland holte die Vorlage "De wereld rond met 80-jarigen" interessanterweise auch gute Quoten bei jüngeren Zuschauern. Dass Senioren auch im hiesigen Unterhaltungsfernsehen neuen Formaten zugeführt werden, dürfte aufgrund einer alternden Gesellschaft zum Trend werden. Ein anderer Versuch im Frühjahr 2018, die SAT.1-Kuppel-Show "Hotel Herzklopfen", scheiterte an schwachen Quoten. Offenbar fremdelt der deutsche Zuschauer noch etwas mit Alten, die es – auf leichte Art – noch mal wissen wollen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst