14 Jahre bevor sich Guy Ritchie 2017 an seine überzeugende Version des "King Arthur" wagte, zeigten Produzent Jerry Bruckheimer ("Fluch der Karibik") und seine Lakaien – Regisseur Antoine Fuqua und Drehbuchautor David Franzoni – dem Kinopublikum ihre Interpretation von Europas populärstem Mythos. Leider. Denn in ihrem opulent inszenierten Popcorn-Movie "King Arthur", das ProSieben nun wiederholt, verkommt die Artus-Sage unter dem Deckmantel vermeintlich historischer Fakten zu einem stupiden Schlachtengemälde, das einzig von seiner Bildgewalt lebt. Typisch Hollywood, möchte man meinen. Doch King Jerry hatte Komplizen – aus England, Skandinavien und Deutschland.

Viel ließ Franzonis Script von der Legende nicht übrig, das dem jungen Zielpublikum die "wahre" Version der Geschichte schmackhaft machen sollte. Aus dem Sagenkönig wurde kurzerhand der römisch-britische Feldherr Lucius Artorius Castus (Clive Owen), der die nebelverhangene Insel am liebsten gestern schon verlassen hätte. Die treuen Ritter der Tafelrunde mutierten hier zu einer Truppe ehrloser und kriegsmüder Sarmaten-Reiter aus den Steppen Russlands, die Rom einst die Treue schworen. Lancelot (Ioan Gruffudd), Galahad (Hugh Dancy) und Co. sind eine Art "Special-Forces-Einheit" – "die härtesten Typen, die es jemals gab". So viel zur historischen Korrektheit.

Der holden Guinevere (mal lieblich, mal tough: Keira Knightley) und Merlin erging es nach der Hollywood-Kur nicht besser: Aus dem blaublütigen Burgfräulein wurde eine blau bemalte Amazone. Und der mächtige Magier Merlin (Stephen Dillane) verlotterte zum wilden Schamanen, der allenfalls noch mystisch mit den Augen zu rollen vermag. Camelot? Gibt's nicht. Dafür einen runden Tisch, an dem mehr geschwafelt wird denn höhere Ziele diskutiert werden.

Man schreibt im Übrigen das siebte Jahrhundert nach Christus. Das dunkle Mittelalter dämmert, dem römischen Reich droht der Kollaps, und die Geschichte will es so, dass der Lieblingsneffe des Papstes auf einem Landgut außerhalb des Hadrian-Schutzwalls lebt, der die Grenzen des Imperiums absteckt. Arthur und seine Mannen sollen Rom ein letztes Mal einen Dienst erweisen und die Adelsfamilie vor den anrückenden Sachsen-Horden in Sicherheit bringen. Danach winkt der Multi-Kulti-Killer-Truppe die Freiheit.

Eine gute Stunde dauert es, ehe "King Arthur" an Fahrt gewinnt. Dann schlägt der Film mit allem los, was Hollywood zu bieten hatten: furiose Stunts, klirrende Schwerter, knackendes Eis und zünftige Massenkeilereien. Die Dreiecksgeschichte zwischen Arthur, Guinevere und Lancelot reduziert Fuqua auf ein paar scheue Blicke und ein zweisames Happy End.

Dass es dazu überhaupt kommt, ist einem Mann zu verdanken: Til Schweiger. Abermals kommt dem Deutschen nur die Rolle des tumben Lakaien zu, der dank Glatze und Kinnzöpfchen auch noch die (unfreiwilligen) Lacher auf seiner Seite weiß.

Wer im Gegensatz dazu lieber ein überzeugenderes Historienepos mit ansehnlichen Menschen sehen will, dem sei "Königreich der Himmel" ans Herz gelegt, das ProSieben im Anschluss ab 22.50 Uhr zeigt. Ridley Scotts filmische Interpretation der Kreuzzüge ist eine Huldigung an die schiere Machbarkeit der Bilder und den schönen Orlando Bloom.


Quelle: teleschau – der Mediendienst