Doku im BR

"KL Dachau – Das System": Deutschlands erstes Konzentrationslager

von Wilfried Geldner

Der BR setzt sich in einem Themenabend mit dem Konzentrationslager in Dachau auseinander, das auf grausame Weise im Dritten Reich Schule machte: Es war das erste seiner Art in Deutschland. Vor genau 75 Jahren befreiten amerikanische Soldaten das KZ.

BR
KL Dachau – Das System
Dokumentation • 29.04.2020 • 22:00 Uhr

Das Unbegreifliche begreifbar machen – unter dieses Motto könnte man die zweiteilige BR-Dokumentation "KL Dachau" stellen, die sich ausführlich mit der Entstehung und Entwicklung des Konzentrationslagers Dachau durch die SS auseinandersetzt. Dachau war das erste deutsche Konzentrationslager und somit Modelllager für alle weiteren KZs der Nationalsozialisten. "KL" stand für das Amtskürzel, das die bis ins Kleinste durchorganisierte Kalkulation der SS gebrauchte. Die Geschichte reicht von der anfänglichen Internierung politischer Gefangener zur angeblichen Abwehr "kommunistischer Gewaltakte" nach der Reichstagsbrandverordnung bis zur massenhaften Internierung von Gefangenen aus dem Osten, aber auch der eigenen jüdischen Bevölkerung.

Wer die Bedeutung dieses Konzentrationslagers bisher immer noch unterschätzte, wird es nach dieser ausführlichen Geschichtslektion nicht mehr tun. Im Sinne einer digitalen Ausstellung, mit Expertisen von Zeitgeschichtlern, illustrierenden Skizzen und Schriftdokumenten wird die Bürokratie der Unmenschlichkeit nahegebracht und belegt.

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Der Appell am Morgen des 29. April 1945 war der letzte auf dem Appellplatz des Konzentrationslagers, über 27.000 Gefangene wurden gezählt, bevor zehn Stunden später zwei US-Brigaden das Konzentrationslager befreiten. Es war das Ende eines Schreckens, der im März 1933 seinen Anfang nahm mit dem Beschluss des Münchner Polizeipräsidenten und SS-Reichsführers Heinrich Himmler, eine aufgelassene Pulverfabrik in Dachau zum Konzentrationslager umzufunktionieren. Nachdem anfänglich 5.000 politische Gefangene interniert und gefoltert wurden, wurde die Organisationsstruktur des Lagers mit seiner Gefangenenhierarchie immer perfider. Ermittelten anfänglich noch Staatsanwälte nach Gewalttaten und Morden, war mit dem Erlass neuer Verordnungen Gewalt bis zur Tötung an der Tagesordnung.

In Dachau wurden die Lagerkommandanten weiterer KZs ausgebildet, die "Dachauer Schule", wie das im Film einer der zahlreichen Historiker nennt, übertrug sich auf andere KZs durch Personal. Der Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß begann seine Karriere der Gewalt in Dachau 1934. Auch dort standen für die SS von Anfang an Terror und Schikane im Vordergrund. 1937 mussten die Insassen ein neues Lager bauen. Die SS wollte Unternehmungen, die sich wirtschaftlich rentierten, Himmler hatte ebenso aberwitzige wie kostspielige Projekte im Osten im Kopf. Im September 1939 wurde das Lager Dachau offiziell zur Exekutionsstätte erklärt, viele Gefangene starben in den neu gegründeten Außenlagern für Rüstungsbetriebe.

Dachau wurde zur Drehscheibe für die neu gegründeten Lager. Ein "höchst mobiles System", wie es ein Historiker beschreibt. Auch in Dachau wurden alte, schwache und kranke Häftlinge selektiert und hingerichtet oder vergast, zudem etwa 4.000 gefangene sowjetische Soldaten. Insgesamt starben in Dachau über 40.000 Menschen.

Während im ersten Teil, "Das System", die Geschichte des Lagers und seiner perfiden Organisation in geradezu schulmäßiger Ausführlichkeit dargestellt wird, kommen im zweiten Teil, "Im Lager" (22.45 Uhr), die Opfer selbst zu Wort. Sechs Gefangene von insgesamt über 200.000 Internierten berichten in Tagebuchaufzeichnungen über die Qualen, aber auch über den Mut und die Solidarität, die es im Lager gab.

KL Dachau – Das System – Mi. 29.04. – BR: 22.00 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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