37°-Reportage im ZDF

"Zum Glück gab’s diese Kuh": Wie ein Zufall im Holocaust ein Leben rettete

von Andreas Schoettl

Als junges Mädchen erlebte Eva Erben das KZ Auschwitz. Dass sie auch den Todesmarsch überlebte, verdankt sie einem Zufall. Im Rahmen der Reihe "37°" zeigt das ZDF ein Porträt über die mittlerweile 89 Jahre alte Zeitzeugin.

ZDF
37°: Zum Glück gab’s diese Kuh
Dokumentation • 28.04.2020 • 22:15 Uhr

Die Zeitzeugin Eva Erben ist 89 Jahre alt. Dass die 1930 in Prag in der ehemaligen Tschechoslowakei geborene Frau nun in dem ausführlichen Porträt von Anabel Münstermann gewürdigt wird, grenzt an ein Wunder. Oder: "Zum Glück gab's diese Kuh", wie der Film etwas rätselhaft benannt ist. Im Rahmen der ZDF-Reihe "37°" ist der Film von Anabel Münstermann nun zu sehen.

Das Kind jüdischer Eltern war elf Jahre, als es 1941 mit Vater und Mutter in die ehemalige Garnisonsstadt und in ein Konzentrationslager umfunktioniertes Theresienstadt deportiert wurde. Ab 1944 überlebte Eva Erben das Grauen von Auschwitz. Ihr Vater hingegen wurde getötet. Das Mädchen wurde von Mithäftlingen aufgeklärt: "Der einzige Weg aus Auschwitz raus geht durch den Kamin."

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Auschwitz habe sie überstanden, da ihr ihre Mutter immer wieder durch Erzählungen und Geschichten eine Fantasie-Gegenwelt erschaffen habe, erinnert sich Erben. Als das Konzentrationslager am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreit wurde, befand sie sich schon nicht mehr dort. Sie wurde auf einen Todesmarsch geschickt – gemeinsam mit ihrer Mutter. Aufgrund unmenschlicher Kälte und totaler Erschöpfung verstarb die Mutter. Eva Erben selbst wog als damals 14-Jährige nur noch 22 Kilogramm.

Es mag womöglich an ihrem dramatischen körperlichen Zustand gelegen haben. Eine Nacht sollten die Häftlinge in einem Stall verbringen. Eva suchte sich ein Versteck an der Seite der einzigen Kuh. Weil es neben dem Tier eben warm war. Den Gestank nahm sie dafür in Kauf. Am nächsten Morgen wachte Eva allein neben der Kuh auf, die anderen waren bereits weitergezogen. Die Hunde der Aufseher hatten das Mädchen in dem stinkenden Kuhmist nicht aufspüren können. Bauern fanden schließlich das erschöpfte Mädchen und versteckten es in den letzten Kriegswochen.

Die Zeitzeugin, die so Schreckliches erleben musste, wanderte 1949 nach Israel aus. Beeindruckend ist, dass sie mit der Vergangenheit nicht hadert. Im Gegenteil: Sie bezeichnet sich selbst als glücklich, da sie sich immer geliebt gefühlt habe. Erst von ihren Eltern, später von ihrem Mann Peter.

37°: Zum Glück gab’s diese Kuh – Di. 28.04. – ZDF: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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