2019 wird die Bauhaus-Bewegung 100 Jahre alt. Das Erste rauscht mit einer fiktiven Heldin ("Charité"-Star Alicia von Rittberg) durch die deutsche Kunst- und Gesellschaftsgeschichte der Jahre 1919 bis 1933.

Im Weimar des Jahre 1921 zeigt sich die künstlerisch hochtalentierte Tischlertochter Lotte Brendel (Alicia von Rittberg) fasziniert von der ortsansässigen Kunsthochschule Bauhaus. Unter Direktor Walter Gropius ("Tatort"-Kommissar Jörg Hartmann) herrschen dort geradezu revolutionäre Zustände. Am 1919 gegründeten, staatliche Institut studieren zu 50 Prozent Frauen. Man arbeitet am klaren, funktionalen Design. Und es herrscht ein Geist von Freiheit, Mut und Abenteuer. Lotte muss mit ihrem strengen Vater und der Familie brechen, um bei den "Bauhäuslern" mitmachen zu dürfen. Als Studentin lernt sie ihren Kommilitonen Paul Seligmann (Noah Saavedra) kennen und lieben. Das historische Melodram "Lotte am Bauhaus" stellt eine Liebes- und Beziehungsgeschichte in den Mittelpunkt seiner Bauhaus-Chronologie von der Entstehung der Schule 1919 bis zu ihrer Schließung durch die Nazis 1933.

Die Erfindung von Bauhaus, einer umfassenden Denk- und Kunstbetrachtungsweise, von der heute vor allem Architektur und Möbeldesign übrig geblieben sind, gehört zu den großen kulturellen Errungenschaften der Deutschen. Überall im Ausland – und gerade in den USA – bringt der Begriff immer noch vieler Menschen Augen zum Leuchten. In der Retrospektive versteht man, warum. Bauhaus stand nicht nur für die offene Lebensform seiner Studenten, sondern auch für revolutionäre Designideen: Häuser, Möbel und andere Gebrauchsgegenstände sollten von schlichter Schönheit und Funktionalität geprägt sein, weniger von Ornament und sinnloser Opulenz. Bauhaus wollte "Geräte" erfinden, die dem Mensch dienen – und ihn nicht dominieren oder im übertragenen Sinne "erschlagen".

Die wahren Bauhaus-Heldinnen

Jene Lotte, deren Lebensweg man im Film vielleicht eine Spur zu melodramatisch verfolgt, gab es in Wirklichkeit nicht. Drehbuchautor Jan Braren (Grimmepreis 2012 für "Homevideo) orientiert sich mit seiner Figur allerdings an wahren Bauhaus-Heldinnen wie Friedl Dicker oder Alma Siedhoff-Buscher. Buschers Kinderzimmer von 1923, das die talentierte Tischlerin und Möbeldesignerin erdachte, gilt noch heute als großer Wurf und wird gerne von Eltern mit gehobenen ästhetischen Ansprüchen in die Lebenswelt ihrer Kleinen integriert.

Der 105 Minuten langen Fernsehfilm unter der Regie Gregor Schnitzlers ("Die Wolke") nimmt sich anfangs arg viel Zeit, um die Romanze und das Ankommen der jungen staunenden Lotte im Weimarer Studienbetrieb zu zeigen. In Hälfte zwei, als Lottes idealisierte Beziehung zu Paul – die beiden haben mittlerweile ein Kind – an den Realitäten und  dem Machismo der Lebenswirklichkeit zu zerbrechen droht, wirkt der Film in seiner Darstellung politisch-gesellschaftlicher Veränderungen dann fast ein bisschen gehetzt.

Mehr Zeit lässt sich eine vom ZDF produzierte Serie zum Bauhaus-Jubiläum, die im Herbst 2019 ausgestrahlt werden soll. "Die neue Zeit" unter der Regie Lars Kraumes – unter anderem mit August Diehl als Walter Gropius – wird einen etwas anderen Erzählfokus einnehmen. Im Mittelpunkt des öffentlich-rechtlichen Konkurrenzproduktes steht die umstrittene Liaison zwischen Gropius und seiner Studentin Dörte Helm (Anna Maria Mühe). Ohne Liebe geht es eben auch beim kühlen, kühnen Bauhaus nicht.

Das Erste lässt seinem TV-Film "Lotte am Bauhaus" um 22 Uhr die halbstündige Dokumentation "Bauhausfrauen" von Susanne Radelhof folgen. Eigenwillige, visionäre Künstlerinnen wie die Textildesignerin Gunta Stölzl oder die bereits im Film verarbeiteten Friedl Dicker und Alma Buscher werden in dem Beitrag noch einmal gewürdigt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst