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"Louis van Beethoven": Genie, Revoluzzer und Rockstar

von Christopher Schmitt

Seine Musik ist weltberühmt, doch in Ludwig van Beethoven schlummerte immer auch ein Revolutionär. "Louis van Beethoven" zeigt das Leben des Komponisten in drei Abschnitten.

ARD
Louis van Beethoven
Biopic • 25.12.2020 • 20:15 Uhr

Da sitzt es nun das Wunderkind, hat eine schneeweiße Perücke auf und haut in die Tasten. Die gehobene Gesellschaft, die in der Loge Platz genommen hat, gerät zunächst ins Tuscheln, um sich dann ungeniert zu unterhalten. Plötzlich Stille – ein Affront. Warum spielt der kleine Louis nicht weiter? Weil einer der größten Komponisten, die Deutschland je hervorgebracht hat, bereits in jungen Jahren Respekt einforderte und nicht einsehen wollte, das manche Menschen anderen aufgrund ihres vermeintlichen Standes höhergestellt werden sollten. Im sehenswerten Historiendrama "Louis van Beethoven", welches das Erste anlässlich dessen 250. Geburtstags zeigt, zieht sich der revolutionäre Geist wie ein roter Faden durch das Leben des Musikgenies. Ludwig van Beethoven – als Kind Louis genannt – wird nicht nur als Ausnahmepianist, sondern als Rockstar seiner Zeit gezeichnet.

Alkohol, Drogeneskapaden und Frauengeschichten? Ende des 18. Jahrhunderts braucht es für einen Tabubruch keinen ausschweifenden Lebensstil. Es genügt, bestehende Konventionen zu hinterfragen. Sowohl in der Musik, als auch in der Gesellschaft. Der achtjährige Louis (Colin Pütz), der in Bonn bei Hofe mit außergewöhnlichem Talent am Klavier von sich reden macht, wird von einem echten Freigeist, dem Schauspieler Pfeiffer (Sabin Tambrea), dazu ermutigt, sich seine eigene Freiheit zu erkämpfen. Sein Vater Jean (Ronald Kukulies) hingegen fordert mit strenger Härte ein, dass sein Sprössling durch Fleiß das Beste aus seiner Veranlagung macht. Schließlich wird Christian Gottlob Neefe (Ulrich Noethen) zu seinem Lehrer und Förderer.

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Soweit zur ersten der insgesamt drei Zeitachsen, die jeweils einen Lebensabschnitt aus Beethovens Biografie fiktional widerspiegeln. Im zweiten wird der Komponist glaubhaft von Anselm Bresgott verkörpert, der Beethoven als Kind der Aufklärung spielt, das von den gesellschaftlichen Umwälzungen der Französischen Revolution geprägt ist. Und mit breitem rheinischen Dialekt. Hier findet sich Platz für eine tragische Romanze zwischen Ludwig und seiner geliebten Eleonore von Breuning (Caroline Hellwig). Dabei steht seinem Glück sowohl die eigene Karriere im Weg, die seine Werke schließlich zum Kulturgut werden ließen, als auch die gesellschaftliche Ordnung, die zwei Liebende unterschiedlichen Standes nicht duldet.

Mit 16 zieht es Ludwig schließlich nach Wien, wo er von keinem Geringeren als Wolfgang Amadeus Mozart (Manuel Rubey), der sich ebenfalls durch seinen starken Freiheitsdrang auszeichnet, lernen soll. Inzwischen ist "Wolfi", wie ihn die örtliche Damenwelt nennt, aber verarmt. Bereits in jungen Jahren wurde Ludwig mit Ausnahmekönner Mozart verglichen, zu dieser Zeit eine Art lebende Legende. Dabei teilen der Rheinländer und der Österreicher wohl nicht nur das Talent, das sie unsterblich werden ließ, sondern auch viele Ansichten. Auch bei Ludwigs Abstecher nach Wien verwendet Autor und Regisseur Niki Stein – der ironischerweise selbst aus einer polnisch-preußischen Adelsfamilie stammt – also wieder das Narrativ des Widerstands gegen die Obrigkeit.

Der dritte dargestellte Lebensabschnitt, der zeitgleich die Rahmenhandlung bildet, zeigt Beethoven (Tobias Moretti) als alten vereinsamten Mann. Nicht nur die allseits bekannte Taubheit, die es ihm erschwert, seine musikalische Genialität, welche ohnehin nicht mehr ganz den Zeitgeist trifft, auszuleben, macht ihm zu schaffen. Auch ein Brief von Eleonore, der ihn nach all der Zeit erreicht, wühlt ihn auf.

"Die Welt hat ein Recht darauf, deine Musik zu hören Ludwig", sagt Mentor Neefe einmal zum jugendlichen Revoluzzer. Für Ludwig van Beethoven selbst war die Entscheidung mit großen Opfern verbunden und ein zweischneidiges Schwert, für die Nachwelt ein Glück. Für Freunde der Klassik wird die – rein fiktive – Entstehungsgeschichte der Ode "An die Freude" erzählt, welche später zur Hymne der Europäischen Union werden sollte.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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