"Die Feuerzangenbowle"

Vielleicht die schönste Erinnerung an Heinz Rühmann

von Tom Ruder

Warum nicht mal ein echter Klassiker an Heiligabend? Die ARD zeigt "Die Feuerzangenbowle" mit einem brillanten Heinz Rühmann.

ARD
Die Feuerzangenbowle
Komödie • 24.12.2020 • 21:45 Uhr

"Ist dieser Film zum Lachen?", soll Adolf Hitler gefragt haben. Und Göring versicherte, dass er selbst mehrmals gelacht habe. "Die Feuerzangenbowle" durfte im Januar 1944 uraufgeführt werden. Dank des Einsatzes von Heinz Rühmann selbst, der mit einer Filmrolle unter dem Arm im Casino des Führerhauptquartiers Wolfsschanze im ostpreußischen Rastenburg auftauchte und dort einem Adjutanten Görings den Film in die Hand drückte. Tags darauf gab's das Einverständnis. So war das damals in Nazi-Deutschland: Während draußen die Bomben fielen, sollte drinnen herzlich gelacht werden.

Der Film ist eine schöne, vielleicht die schönste Erinnerung an Heinz Rühmann. Das Erste zeigt ihn nun am Heiligen Abend. Es war die Mixtur aus Komik und Melancholie, die ihn einzigartig werden ließ. Eine Kunst, die heute so gut wie kein Komiker mehr beherrscht, die aber auch in der Gegenwart kaum gefragt ist. Vordergründige Kalauer sind an die Stelle nachdenklicher Momente getreten. "Laut ist es geworden um uns herum. Man haut auf die Pauke, um das Leere zu vertuschen", hat Rühmann selbst im hohen Alter bedauert. Und er erinnerte "an die Pausen, die herrlichen Pausen, die man in einem Text machen kann".

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Bei Rühmanns letztem TV-Auftritt vor seinem Tod, es war bei "Wetten, dass ..?" im Januar 1994, erhob sich das Saalpublikum geschlossen zum Applaus. So respektvoll die Menschen auch agierten, je älter Rühmann wurde, um so mehr wurde er als Schauspieler unterschätzt. In den ersten Jahren seiner Karriere hatte er ganz sicher den falschen Weg eingeschlagen. "Ich rannte als junger Mann jedem Lacher des Publikums hinterher wie der Teufel der Seele."

"Die Feuerzangenbowle" jedoch, wohl Rühmanns berühmtester Film, ließ seine wahren Fähigkeiten zutage treten. Schon 1934 hatte der deutsche Schauspieler den Roman von Heinrich Spoerl verfilmt. "So ein Flegel" hatte sich noch wesentlich enger am Buch orientiert. Denn erzählt wurden darin auch die Erlebnisse von Pfeiffers Bruder. Rühmann spielte beide – eine Doppelrolle, die ihm sichtbar Vergnügen bereitete. Dr. Hans Pfeiffer, ein erfolgreicher Theaterautor, wird auf der Suche nach seiner verlorenen Jugend noch einmal Oberprimaner, und sein jüngerer Bruder Erich versucht sich als Schriftsteller.

Die zweite Verfilmung (Regie: Helmut Weiß), die zu einem Komödien-Klassiker wurde, konzentriert sich ausschließlich auf den Schüler Pfeiffer ("mit drei 'f'"), der ordentlich Leben in den tristen Schulalltag bringt und so zum Idol seiner Klassenkameraden und zum Schreckgespenst der Professoren wird. Am Ende gönnt sich Rühmann einen der von ihm immer wieder ersehnten ernsthaften Monologe: "Wahr sind die Träume, die wir spinnen und die Sehnsüchte, die uns treiben. Damit wollen wir uns bescheiden ..."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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