Durch das Internet hat sich die Pornografie massiv gewandelt. Selbst die härtesten Sex-Szenen sind frei verfügbar und oftmals nur wenige Klicks entfernt. Eine neue ZDFinfo-Doku zeigt die mitunter dramatischen Folgen übermäßigen Porno-Konsums.

Dass Deutsche im weltweiten Vergleich zu den eifrigsten Porno-Konsumenten zählen, mag zunächst nicht erschüttern. Dass nicht wenige Zuschauer von Hardcore-Filmen allerdings noch eindeutig minderjährig sind, hingegen schon. In dem Film "Milliardengeschäft Porno – Gefahr aus dem Internet", der am Samstag, 9. März, 22 Uhr, bei ZDFinfo zu sehen ist, belegt der Autor Christian Stracke anhand aktueller Studien, dass ein Erstkontakt mit den durchaus widerwärtigsten Pornofilmen oftmals bereits im Alter von nur zwölf Jahren passiert. Nachgewiesen ist zudem, dass heute sagenhafte 50 Prozent der Jugendlichen schon "Hardcore-Poronografie" gesehen haben.

Wohlgemerkt: Es geht hier längst mehr nicht allein um die explizite oder auch härtere Darstellung von Erotik, sondern um besorgniserregende Auswüchse, bis hin zur Erniedrigung der Frau oder angedeuteten Vergewaltigungen – Szenen, die sich jeder jederzeit ansehen kann: Das Internet ist voll mit Absonderlichkeiten der Sexualität. In einer nicht mehr zählbaren Anzahl von Porno-Clips werden sie festgehalten, angeboten und abgerufen.

Die Folgen sind mitunter fatal. So soll es laut aktuellen Studien rund 500.000 Pornosüchtige in Deutschland geben. Einer von ihnen ist der 21-jährige Rocco. In Strackes Dokumentation schildert er, wie er als Teenager auf die einschlägigen Seiten gekommen war: "Die 'Frage' nach der Volljährigkeit habe ich einfach mit 'Ja' beantwortet. Daraufhin konnte ich alles angucken, was ich wollte." Zwei bis drei Stunden täglich verbrachte er nach eigener Aussage fortan mit Gruppensex und härtesten Fesselmethoden. "Pornos zerstören dein Leben", weiß Rocco heute. "Manche Suchtforscher vergleichen die Pornosucht mir der Abhängigkeit von Kokain", erklärt dazu die Psychologin Tabea Freitag von der Fachstelle Mediensucht Hannover.

Welche Gefahren der ungehemmte Pornokonsum nicht nur für den einzelnen Konsumenten, sondern für die gesamte Gesellschaft mit sich bringt, verdeutlichen weitere Zahlen. Eine Erziehungswissenschaftlerin der Universität Marburg hat fast 3.000 Schüler befragt und vermeldet in dem Beitrag alarmierende Ergebnisse: Sexuelle Gewalt ist Alltag für Jugendliche. "Der häufige Konsum von Pornografie erhöht die Wahrscheinlichkeit für sexuelle Übergriffe", heißt es seitens ZDFinfo. Außerdem wird darauf verwiesen, dass Pornografie allzu oft der Einstieg in die Prostitution sei – und umgekehrt.

Im Film werden auch Protagonisten der Szene vorgestellt. Dazu gehört Fiona Fuchs – so lautet zumindest der Name, den sie sich im Internet gegeben hat. Die blonde Frau will Pornodarstellerin werden. Die angeblich 21-Jährige steht kurz vor dem Einstieg. Zweifel hat sie keine, denn Pornografie sei längst Teil unserer modernen Gesellschaft, meint sie. In der Tat steht die Frage im Raum, ob man die ganze Branche verteufeln muss. Viele empfinden Pornografie als einen legitimen Teil einer liberalen Gesellschaft.

Filmemacher Christian Stracke stellt unter anderem eine andere provokante Frage. Er fragt, was denn Priorität genieße: der deutsche Jugendschutz oder die Interessen der Pornoindustrie? Ein Problem sei jedenfalls, dass es kaum gesetzliche Regelungen für ausländische Anbieter gäbe. Stattdessen klafften viele Gesetzeslücken. Wie diese zu schließen sind, das bleibt offen. Hierzu wurde auch das deutsche Justizministerium befragt. Doch die Behörde blieb eine Stellungnahme zum kinderleichten Zugriff auf die zahlreichen Pornoseiten über Server im Ausland schuldig.


Quelle: teleschau – der Mediendienst