Jetzt geht also im Bluebird Cafe zu Nashville doch noch das Licht aus. Zumindest sind die Scheinwerfer der Seriencrew erloschen, die im legendären Musik-Club seit 2011 regelmäßig gedreht hat. Nach 123 Episoden, einem Beinahe-Aus und einem Senderwechsel infolge einer Fan-Petition endete beim amerikanischen Spartenkanal CMT in diesem Sommer die Country-Music-Soap "Nashville". Ab 31. Juli 2018 sind (dienstags, 21 Uhr, FOX) die 16 Folgen der sechsten und finalen Staffel auch im deutschen Pay-TV zu sehen, jeweils in Doppelprogrammierung. Sie tragen sich mit der Last einer klaffenden Leerstelle. Denn das Herz dieser heiß verehrten Dramaserie wurde zur Hälfte der fünften Staffel gleichsam bei lebendigem Leib herausoperiert.

Dabei hatte Autorin und Oscar-Preisträgerin Callie Khouri (1992, für das Drehbuch zu "Thelma & Louise") einst bekräftigt: Ohne die Zusage von Connie Britton hätte sie die Idee einer Serie aus dem Country-Mekka der USA überhaupt nicht umgesetzt. Als das Fernsehnetzwerk ABC "Nashville" nach der vierten Staffel an den Spartenkanal CMT weiterreichte, war in der Hauptdarstellerin aber ein Entschluss gereift. Connie Britton stieg aus nicht näher definierten persönlichen und beruflichen Gründen aus. Der über zwei Episoden zelebrierte Unfalltod der von ihr verkörperten Country-Ikone Rayna James gehört wohl zum tränenziehendsten, das es im Serienfernsehen in den letzten Jahren zu sehen gab.

Der Schatten dieser semisakralen Sängerin, Label-Chefin und Mutter lastet spürbar auf dem verbliebenen Personal der sechsten Staffel. Eine amerikanische Kritikerin monierte, es müsse aufhören, dass der Tod einer Figur den Fortgang der ganzen Serie diktiert. Die Charaktere hätten ein Recht darauf, glücklich zu sein. Tatsächlich aber trägt Raynas Lebensmensch Deacon Claybourne (Charles Esten) noch immer schwer an der Trauer und an der Frage, ob es legitim für ihn sei, sich neu zu verlieben. Wird die begabte Maddie (Lennon Stella) in die Fußstapfen ihrer verstorbenen Mutter treten? Wird die Pop-Autokratin Juliette Barnes (Hayden Panettiere) ihren 19. Nervenzusammenbruch überwinden? Werden Gunnar Scott (Sam Palladio) und Scarlett O'Connor (Clare Bowen) ihre On-Off-Dramödie bis zum Serienende ausreizen?

Gemessen an den knapp neun Millionen Zuschauern, die den Start von "Nashville" 2012 verfolgten, war der Schlussakkord im Nischenprogramm eine recht einsame Angelegenheit. Zusammengerechnet wurden beim Country-Sender CMT und der VoD-Plattform Hulu nur gut 1,5 Millionen Zuschauer im Staffelschnitt gezählt. Die Verdienste dieser mit Herzblut durchfluteten Produktion schmälert das nicht.

Zwischen Grand Ole Opry und After-Show-Party wurden stets auf ausnehmend differenzierte Weise die großen sozialen Fragen Amerikas aufgeworfen. Bei "Nashville" ging es um Rassismus und die Homophobie der Country-Szene. Es ging um Stalking, Postpartale Depressionen, Alkohol- und Gefallsucht, auch um geduldeten Missbrauch im Showbiz – wohlgemerkt Jahre vor dem Aufkommen der "MeToo"-Debatte. Es ging um Kunst und Geschäft und den Widerspruch dazwischen. Es ging um Youtube-Phänomene und um das heilige Erbe von Merle Haggard, Tammy Wynette und Johnny Cash. Könner wie Gillian Welch, Lucinda Williams und Elvis Costello schrieben die Songs der Serie, die gesungen wurden von den Darstellern selbst.

Dass es dazwischen ein bisschen häufiger als statistisch nachvollziehbar zu Autounfällen, Flugzeugabstürzen, Krebserkrankungen, Alkoholrückfällen und ungeklärten Vaterschaften kam – geschenkt! Der Form nach war "Nashville" natürlich nichts weiter als eine Fernsehseifenoper. In ihren guten Tagen allerdings eine von Weltklasseformat.


Quelle: teleschau – der Mediendienst