Es war ein Paukenschlag: Im November 2017 urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass es ein drittes Geschlecht gibt. Neben männlich und weiblich, so Karlsruhe, muss der Gesetzgeber im Geburtenregister auch eine Kategorie für Menschen schaffen, die sich nicht einem dieser Geschlechter zuordnen. Gemeint sind damit Intersexuelle, also Menschen, die weder eindeutig männlich noch eindeutig weiblich sind. Seitdem streitet die Regierung: Wie soll das dritte Geschlecht bezeichnet werden? "Inter", "divers" oder "anders"? Oder sollte die Geschlechtsbezeichnung einfach weggelassen werden – bei jedem Deutschen?

Unter dem durchaus provokanten Titel "Die Abschaffung der Geschlechter" gibt eine Dokumentation von Constanze Grießler und Franziska Mayr-Keber nun Einblick in die kompliziert anmutende Materie. Provokant, weil eben nichts Bestehendes abgeschafft wird, wenn etwas Neues hinzukommt.

Der Film zeigt auch, dass die Industrie noch immer überholten Geschlechterstereotypen hinterherläuft. "Gendermarketing verstärkt alte Rollenbilder", sagt Stevie Schmiedel, Gründerin der Initiative "Pinkstinks Germany". Sie kritisiert, dass Produkte für Mädchen meist rosa sind, während Jungs in der Regel mit blauem Spielzeug spielen.

Freiheiten für andere rufen immer Gegner auf den Plan, die um ihre Privilegien fürchten. Die Dokumentation lässt unter anderem den "Zeit"-Kolumnisten Harald Martenstein zu Wort kommen, der sich auf eine Diskussion mit Eva Blimlinger einlässt, der Rektorin der Akademie der Bildenden Künste Wien.


Quelle: teleschau – der Mediendienst