Sönke Wortmanns aufwendige Miniserie über eine junge Medizinbegeisterte im Berlin des Jahres 1888 reißt mit – im Sinne einer spannenden Geschichtsstunde.

Berlin, 1888: Mit Robert Koch (Justus von Dohnányi), Paul Ehrlich (Christoph Bach) und Emil Behring (Matthias Koeberlin) arbeiteten drei spätere Nobelpreisträger am Armenkrankenhaus Charité. Behring rettet der mit starken Bauchschmerzen eingelieferten Ida (Alicia von Rittberg) das Leben, indem er der jungen Frau – als Anschauungsobjekt für Studenten – den Blinddarm entfernt. Weil Ida ihre Krankenhauskosten nicht tragen kann, wird sie als Krankenhaushelferin eingestellt. Als Anker der Miniserie "Charité" kreierten die Autorinnen Dorothee Schön ("Der Minister", "Wunschkinder") und Sabine Thor-Wiedemann, eine studierte Medizinerin, das Berliner Kindermädchen Ida Lenze. Das Erste wiederholt Sönke Wortmanns sechsteiligen Quotenhit vom Frühjahr 2017 an den kommenden Dienstagen.

Siebeneinhalb Millionen Zuschauer verfolgten die erste Staffel "Charité", einer Mischung aus gut recherchiertem Historien-TV mit einem Hauch von Soap. Dabei wurde das Jahr 1888 nicht ganz zufällig als Handlungs-Setting gewählt. Nach dem Tod des greisen Kaisers Wilhelm I. erfreute sich dessen an Kehlkopfkrebs erkrankter Sohn Friedrich III. nur 99 Tage des Throns, ehe auch er verstarb und seinem Sohn Wilhelm II. Platz machen musste. Der führte Deutschland später in den Ersten Weltkrieg. Im Vorfeld der Charité-Ausstrahlung wurden Bezüge zu Steven Soderberghs "The Knick" hergestellt, jener HBO-Serie, die an einem New Yorker Krankenhaus des Jahres 1900 spielt. Die Vergleiche laufen jedoch ins Leere.

Fein besetzt und ausgestattet

Wo im US-Werk ein kaputter Mediziner auf Drogen (Clive Owen) und drastische Bilder von medizinischen Eingriffen im Vordergrund stehen, kommt das ARD-Primetime-Produkt eher staatstragend daher. "Charité" erzählt mehr Geschichte, als dass Blut und anderen Innereien explizit zur Schau gestellt würden. Dennoch lohnt die im guten Sinne konservative Serie das Einschalten: fein besetzt und ausgestattet, medizinhistorisch kompetent beraten und von Klasse-Kameramann Holly Fink in feine Bilder gegossen.

Im März 2018 wurden die Dreharbeiten zur zweiten Staffel beendet, deren Ausstrahlungstermin noch nicht feststeht. Das Figuren-Ensemble der ersten sechs Folgen wird darin allerdings nicht auftauchen. Die Kreativen entschieden sich zu einem Handlungssprung in die Zeit des "Dritten Reichs".


Quelle: teleschau – der Mediendienst