Eine Ära der deutschen Humorgeschichte endet: Die letzte Staffel der Serie "Pastewka" startet bei Amazon Prime Video. Wie endet das einzigartige Format, in dem Bastian Pastewka eine nicht immer sympathische Version von sich selbst spielte?

Amazon veröffentlicht keine Nutzungszahlen, verlautbarte immerhin, die 2019 gelaufene neunte "Pastewka"-Staffel sei die meistgesehene Comedyserie des Videodienstes in Deutschland und Österreich gewesen. Dennoch kündigte Macher und Hauptdarsteller Bastian Pastewka an, die am 7. Februar 2020 startenden Folgen der zehnten Staffel seien die letzten. Fans und Fachleute dürften darüber schon ein bisschen traurig sein. Auch wenn es heißt: Alles Gute kommt zu einem Ende. "Pastewka" war ein großer, tragikomischer Reigen aus der Mitte des Lebens. Jenem Tanz des Lebens zwischen Anfang 30 und Mitte, Ende 40. Darüber hinaus war die Sitcom ein humorvolles Epos über deutsche TV-Geschichte, speziell eine über Humor im Fernsehen.

Pastewkas 2005 bei SAT.1 gestartete und ab 2018 bei Amazon fortgesetzte Serie erzählte vom (gefakten) Alltag des Komikers Bastian Pastewka und seiner Familie mit zahlreichen satirischen Exkursen in die Welt des Fernsehens. Unzählige Prominente von Anke Engelke bis hin zu Günther Jauch spielten sich selbst und waren sich wie Bastian Pastewka nicht zu schade dafür, als eitel, narzisstisch, raffgierig oder ethisch fragwürdig rüberzukommen. "Pastewka" zeigte das Schlechte am Menschen und am Fernsehgeschäft. Und trotzdem verstand es die Serie, mit all dem warmherzig die Kurve zu kriegen.

Über 15 Jahre mit zahlreichen Trophäen wie dem Deutschen Fernsehpreis gewürdigt, bot "Pastewka" Humor für ganz unterschiedliche Zielgruppen. Es gab kluge Anspielungen aufs Mediengeschäft, die nur TV-Nerds oder gar Insider der Branche kapierten. Dann wieder ging es um Alltagsärger und Beziehungsstress mit Dauerfreundin Anne (Sonsee Neu), die erst in den Amazon-Folgen zur On-Off-Ex-Freundin mutierte. Eigentlich ein logischer Schritt nach all dem, was Bastian Anne in Sachen Kleinhalten, Heiratsverweigerung und Kinderwunsch so über die Jahre angetan hatte.

Anne und Bastians Geschichte, ja vielleicht die der ganzen Pastewka-Famile, sei ein bisschen auserzählt. So hörte und las man es zwischen den Zeilen, wenn Pastewka über "Pastewka" sprach. Die Abschieds-Staffel, die noch einmal zehn Folgen enthält, setzt mit der Rückkehr Bastians und Annes aus Afrika ein, wo sie gemeinsam in einem Hilfsprojekt tätig waren. Natürlich versucht Bastian mal wieder, seine Ex zurückzugewinnen. Im Flieger wird jedoch klar: Die beiden sind nur noch beste Freunde, womit sich der Comedian aber wohl nicht abfinden will.

Bastian ist zurück aus Afrika

Kaum zurück in Deutschland gibt es schon wieder Ärger mit dem dort herrschenden Ordnungs-System. Um sein Auto am Frankfurter Flughafen aus dem Parkhaus herauszukriegen, soll Pastewka einige Tausend Euro berappen. Der Running-Gag rund um den Versuch, das Gefährt deutlich kostengünstiger loszueisen und nach Köln zurückzubringen, umspannt die gesamte Staffel. Er steht mit den sich kumulierenden Kosten sinnbildlich für Pastewka und seinen Sysyphos-artigen Leidensweg zwischen genialen Ideen und grandiosem Scheitern, zwischen glücklicher Fügung und wiederkehrenden Katastrophen.

Zu Beginn der Staffel scheint das Schicksal ohnehin dunkle Wolken an den Himmel der Pastewka-Familie geblasen zu haben. Bastian muss sich nach Afrika und seiner Wandlung zum engagierten, guten Menschen auf dem Medienmarkt neu positionieren. Managerin Regine (Sabine Vitua) hat bereits Pläne, aber sie passen Bastian nicht wirklich. Gemeinsam mit Halbbruder Hagen (Matthias Matschke) hängt er verdächtig oft im Haus von Vater Volker (Dietrich Hollinderbäumer) ab. Haben die beiden längst erwachsenen Brüder kein Zuhause mehr? Hagen weicht aus, wenn es um seine Frau Svenja (Bettina Lamprecht) und die gemeinsame kleine Tochter Mafalda geht. Sogar Hagens erwachsene Tochter Kim scheint desillusioniert. Sie ist nach abgebrochener Musikkarriere zurück aus Berlin. Und Anne? Sie plant eine große Veränderung – und will sich den Traum vom Kind doch noch erfüllen. Bastian hat eine überraschende Idee dazu ...

Die Idee der Serie, die beim US-amerikanischen Vorbildformat "Curb Your Enthusiasm" mit Larry David geklaut wurde, ist in ihrer deutschen Adaption trotzdem eine nicht zu unterschätzende Glanzleistung. Wie Pastewka über 15 Jahre die Kehrseiten des Medien- und Promigewerbes und vor allem den inneren Schweinehund an sich spielte, war schlichtweg genial. Immer wieder enttarnt die Sitcom (alle Staffeln, auch die älteren SAT.1-Folgen, stehen bei Amazon zum Streamen bereit) das Streben nach Glück als große Tragikomödie. Und erschuf dazu einen humoristischen Spiegel des Fernsehgeschäfts, das sich über anderthalb Dekaden ja nun ebenfalls deutlich gewandelt hat.

Seit die Serie bei Amazon läuft, stand nicht mehr jede Folge für sich alleine. Es wurde horizontal erzählt und sichtbar teurer produziert. Am besten war "Pastewka" aber nach wie vor dann, wenn mal wieder ein TV- oder Promi-Phänomen wunderbar klug aufs Korn genommen wurde oder dem Personal sein Scheitern ein weiteres Mal verziehen wurde. Man wird "Pastewka" vermissen. Wer soll einem in fünf oder zehn Jahren erzählen, wie sich das Fernsehen – sollte es ein solches noch geben – und der Mensch in ihm zueinander verhalten? Und wer bitteschön soll noch dazu dafür sorgen, dass derlei Sozialpsychologie im Sitcom-Format auch noch zum Totlachen ist? Wahrscheinlich wird man erst später kapieren, was man mit "Pastewka" verloren hat.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH