Romanverfilmung mit Sandra Hüller

Ryan Gosling im Weltall – Filmkritik zu „Der Astronaut – Project Hail Mary“

20.03.2026, 09.35 Uhr
Nach „Barbie“ (2023) und „The Fall Guy“ (2024) zieht es Ryan Gosling in die Tiefen des Weltraums. „Der Astronaut“ ist ein mitreißendes Erlebnis – auch wenn Buchleser ein Auge zudrücken müssen.
Ryan Gosling als Astronaut
„Der Astronaut – Project Hail Mary“ läuft seit dem 19. März in den deutschen Kinos.  Fotoquelle: picture alliance / Everett Collection | ©MGM/Courtesy Everett Collection

Wo bin ich, was mache ich hier – und wer bin ich eigentlich? Es sind die grundlegenden Fragen, die sich der Naturkundelehrer Ryland Grace (Ryan Gosling) stellt. Fragen, die jedem bestens vertraut sein dürften, der tagsüber schonmal aus einem überlangen Nickerchen erwacht ist. Bald stellt er fest: Er ist auf einem Raumschiff unterwegs, weit weg von der Erde und mutterseelenallein – wenn man von den beiden Toten absieht, die in den anderen Betten liegen. Die Gründe für all das kennt er nicht.

Ryan Gosling: „Der Astronaut“ oder „Dödel im All“?

Wir als Publikum begleiten Ryland Grace auf eine Reise, die nicht nur durch die Tiefen des Weltalls führt, sondern auch durch seine nach und nach zurückkehrenden Erinnerungen. Dabei fällt es Romanlesern nicht immer leicht, Ryan Gosling als Ryland Grace zu sehen und nicht als ihn selbst. Der Ryland Grace in der Buchvorlage des US-Autors Andy Weir ist witzig, oft ironisch, aber eben auch Wissenschaftler durch und durch. Letzteres lässt sein filmisches Abbild vor allem zu Beginn vermissen.

So ist „Nichts wie weg!“ frei nacherzählt der erste Gedanke Rylands in einer scheinbar brenzligen Situation, die im Buch eigentlich Neugier und Begeisterung in ihm weckt. Ryan Gosling verkörpert den Naturkundelehrer mit viel Witz und Charme. Mit seiner Mischung aus Unbeholfenheit und Überforderung sorgt er in besagter Szene garantiert für einige Lacher, handelt aber komplett gegenteilig zur Romanfigur. Er wirkt weniger wie ein Wissenschaftler, sondern eher wie ein Dödel im All: Liebenswert, nahbar, zuweilen chaotisch, aber eben nicht wissenschaftlich denkend und handelnd.

Von „Spiderman“ zu „Der Astronaut“

Das ist natürlich gewollt und kaum verwunderlich, wenn man einen Blick auf die Verantwortlichen hinter der Kamera wirft. Regie führte das Duo Chris Miller und Phil Lord, das unter anderem zusammen für das Drehbuch des rasant-witzigen „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ (2023) verantwortlich war. Das Drehbuch steuerte Drew Goddard bei, der beispielsweise als Regisseur und Autor der Horrorkomödie „The Cabin in the Woods“ (2012) seinen grandiosen Humor unter Beweis stellte.

Darüber hinaus schrieb Goddard schon das Drehbuch zum gefeierten Science-Fiction-Film „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (2015), dessen Romanvorlage ebenfalls von Andy Weir stammt. Das alles klingt vielversprechend und hat sich letztendlich auch bewährt. Dem Film selbst schaden die meisten Änderungen, die im Vergleich zum Buch vorgenommen wurden, nämlich überhaupt nicht. „Der Astronaut“ ist mitreißend, witzig und immer wieder auch gefühlvoll.

Trotz Schwerelosigkeit am Boden geblieben: „Der Astronaut“

Zu verdanken ist das auch Ryan Gosling und seinem Talent als Entertainer. Er verkörpert seine Rolle mit dem ihm so eigenen Charme und setzt damit einen anderen Schwerpunkt als im Roman. Ryland Grace wirkt noch mehr wie der normale Typ von der Straße, der gefühlt rein zufällig auch ein kluger Kopf und Ex-Wissenschaftler ist. Als Astronaut ist er jedoch unerfahren, was ihn von den Vollprofis in Weltraumfilmen wie „Gravity“ (2013), „Interstellar“ (2014) oder eben „Der Marsianer“ unterscheidet.

Der Film punktet damit nicht nur mit der ohnehin schon spannenden und zumindest anfangs beängstigenden Situation, in die Ryland Grace geworfen wird, sondern auch mit einem Hauptcharakter, mit dem man sich noch besser identifizieren kann. Seine Trotteligkeit, die ihm im Buch fehlt, lässt ihn menschlicher erscheinen. Dieser Eindruck, es mit einem Normalo zu tun zu haben, gelingt erstaunlicherweise sogar mit Ryan Gosling, einem der aktuell größten Hollywood-Stars.

Sandra Hüller auf dem Weg nach Hollywood

Es ist jedoch nicht so, dass Gosling hinter seiner Rolle verschwinden würde. Der Gedanke liegt deshalb nah, dass ein weniger bekanntes Gesicht einen Normalo wie Ryland Grace authentischer hätten spielen können – allein schon, um beim Publikum die Illusion aufrechtzuerhalten. Dahinter stecken selbstverständlich wirtschaftliche Erwägungen und Erfahrungen: Einen unbekannteren Darsteller zu casten, wäre vielleicht konsequenter gewesen, hätte es jedoch auch schwerer gemacht, den Film zu vermarkten.

Für Stars wie Ryan Gosling verlassen auch unregelmäßige Kinogänger tendenziell eher das heimische Sofa. Immer häufiger tun sie das mittlerweile auch für Sandra Hüller. Die deutsche Schauspielerin scheint unter anderem nach ihrer Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin für „Anatomie eines Falls“ (2023/24) nun auch in Hollywood angekommen zu sein. In „Der Astronaut“ spielt sie die ehemalige ESA-Direktorin Eva Stratt, die im Auftrag der Vereinten Nationen die Mission leitet, mit der die Sonne und folglich auch die Erde gerettet werden sollen.

Wer der eigentliche Star in „Der Astronaut“ ist

Sandra Hüller meistert ihre Rolle perfekt und spielt Eva Stratt ähnlich ernst, humorlos und autoritär wie im Roman. Aber auch sie wird in der Verfilmung menschlicher dargestellt; ihre Verbindung zu Ryland Grace wird etwas weiter vertieft. Der eigentliche Star des Films ist jedoch Rocky, ein krabbenartiges (im Buch spinnenartig) Alien, das nicht liebenswürdiger sein könnte. Rocky und Ryland haben beide die Mission, ihren jeweiligen Heimatplaneten zu retten und schließen sich zusammen. Dabei entwickelt sich eine interstellare Freundschaft, die für Lacher sorgt, aber teils auch zu Tränen rührt.

Auch abseits seiner Darsteller ist „Der Astronaut“ schön anzusehen, was nicht zuletzt am gebauten Set des Raumschiffs Hail Mary liegt. Eine Szene, in der sich der Weltraum von seiner farbenfrohen Seite zeigt, ist visuell regelrecht atemberaubend – vor allem auf der großen Leinwand. Ja, das Science-Fiction-Abenteuer ist teils inhaltlich überfrachtet und Romanleser müssen sich mit mehreren Änderungen abfinden, die zwar häufig, aber nicht immer sinnvoll erscheinen.

Vordergründig ist „Der Astronaut“ jedoch eine ebenso spaßige wie rührende Abenteuerkomödie mit starken Darstellerleistungen, jede Menge Charme und Themen/Fragen, die nachdenklich stimmen. Er ist ein Film, der Freundschaft und Verständigung feiert – Ideale von unschätzbarem Wert, ganz gleich in welchem Sonnensystem.

„Der Astronaut – Project Hail Mary“ mit Sandra Hüller und Ryan Gosling läuft seit dem 19. März 2026 in den deutschen Kinos.

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