02.04.2020 SAT.1-Show

"Promis unter Palmen": Die Lust auf Trash-TV in der Corona-Krise

von Antje Rehse

Zum zweiten Mal in Folge beschert "Promis unter Palmen" SAT.1 hervorragende Einschaltquoten. Niveau sucht man auch in der zweiten Folge vergebens, doch genau dafür sind viele Zuschauer derzeit offenbar dankbar.

SAT.1 jubelt nach der zweiten Folge von "Promis unter Palmen" über den Primetime-Sieg. 17,5 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen bedeutet im Vergleich zur Vorwoche (15,9 Prozent) noch einmal einen Steigerung. Insgesamt schalteten 7,05 Millionen Zuschauer ein, um zu sehen, wie sich Désirée Nick und Claudia Obert fast an die Gurgel gingen und Bastian Yotta den drei jüngeren Frauen in der Villa - Carina Spack, Eva Benetatou und Janine Pink - erst sein bestes Stück präsentierte und sich dann von einer der Damen einen Pickel ausdrücken ließ. Igitt! 

Selbst für ein Trash-TV-Format ist das Niveau der SAT.1-Show als niedrig einzustufen. Genau dafür wurden die Promis gecastet. Désirée Nick liefert als Läster-Furie ("Nimm deine Fresse aus der Kamera!") genauso ab wie die dauer-besäuselte Claudia Obert ("Heiliger Gott, ist die voll"). "Hot oder Schrott"-Allestester Matthias Mangiapane geriert sich als schandmäuliger Stratege und Tobias Wegener, der bislang vor allem im Influencer-Reality-TV tätig war, ist ob der Boshaftigkeit einiger seiner Mitbewohner offenbar so schockiert, dass er bei den Teamspielen regelmäßig zusammenbricht. Schockiert sind auch die Zuschauer, aber eben auch gleichzeitig fasziniert und belustigt - so wie im übrigen auch Roland Schill, der dauergrinsend den Streit seiner Mitbewohner beäugt.

Ob das Format trotz des Casts aus der Trash-TV-Hölle ohne Corona-Krise gensauso erfolgreich gewesen wäre, ist zumindest fraglich. Doch in Zeiten, in denen es in Talkshows kein anderes Thema als Corona gibt, deutlich mehr Nachrichten- und Reportageformate als üblich laufen und Unterhaltungsshows wie "Let's Dance" und "The Masked Singer" ohne Publikum stattfinden, gibt die Reality-TV-Show den Zuschauern offenbar ein Stück Normalität zurück, die sie in diesen Zeiten so nötig haben.

Nicht, dass SAT.1 die Show mit solchen Hintergedanken ins Rennen geschickt hätte. Die Dreharbeiten in Thailand liegen mehrere Monate zurück, der Starttermin stand schon länger fest. Das Konzept von SAT.1 fußte vor allem auf einem Signalwort: Krawall. Nun gibt es solche Shows bereits zuhauf: Das RTL-"Dschungelcamp", "Das Sommerhaus der Stars" oder auch "Promi Big Brother".

Doch in der Corona-Krise bietet die Unterhaltung auf Tiefflieger-Niveau den Zuschauern offenbar eine willkommene Abwechslung. Das beweisen nicht nur die hervorragenden Einschaltquoten, sondern auch viele Tweets zum Thema:

"Ich hab gerade für zwei Stunden vergessen, dass es Corona gibt", oder "Petition, dass #PromisunterPalmen jeden Tag läuft. Bis Corona vorbei ist" - diese zwei Tweets stehen beispielhaft für viele im sozialen Netzwerk.

Für Menschen, die sich über diese Lust nach niveauloser Unterhaltung in der Corona-Krise erschrecken, sei als Trost gesagt: Mit den Einschaltquoten der "Tagesschau" in diesen Tagen kann auch "Promis unter Palmen" nicht ansatzweise mithalten. 

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