23.04.2020 Claudia Obert ging freiwillig

Mobbing bei "Promis unter Palmen": SAT.1 reagiert auf Vorwürfe

von Antje Rehse

Die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten, gehört beim Trash-TV zum Konzept dazu. Doch in der fünften Folge von "Promis unter Palmen" wurde Claudia Obert von ihren Mistreitern derart schlecht behandelt, dass sie freiwillig auszog. Dieses Mobbing habe mit Unterhaltung nichts mehr zu tun, meinten viele Zuschauer und erhoben auch Vorwürfe gegen SAT.1. Der Sender bezog nun Stellung.

Die Society-Lady wurde als "Vieh" und "schizo" bezeichnet, mit dem Eiter eines Pickels verglichen und systematisch fertig gemacht. Für viele Zuschauer war da das Fass voll. Kritisiert wurden neben den "Übeltätern" Bastian Yotta, Matthias Mangiapane und Carina Spack auch SAT.1. Der Sender hätte einschreiten müssen oder diese Art von Mobbing zumindest nicht im Fernsehen zeigen dürfen. 

HALLO WOCHENENDE!
Interviews, TV-Tipps und vieles mehr: Zum Start ins Wochenende schicken wir Ihnen jeden Freitag unseren Newsletter aus der Redaktion.
— SAT.1 (@sat1) April 23, 2020

"Während der gesamten Produktion in Thailand waren betreuer und Psychologen vor Ort, die zu jeder Zeit von den Protagonisten kontaktiert werden konnten", schrieb der Sender. "Bei der Reality-Show "Promis unter Palmen" handelt es sich - wie der Name schon sagt - um eine Show mit Reality-erfahrenen Profis, die ihre Sendezeit daher sehr genau zu nutzen wissen und sich sehr bewusst sind, dass die Kamera permanent läuft. Wir schreiben den Promis nicht vor, wie sich als erwachsenen Menschen zu verhalten haben." Niemand sei zu Schaden gekommen.

Wenn man ehrlich ist, war dies beleibe nicht das erste Beispiel von Mobbing im deutschen Reality-TV. Man erinnere sich an die "Dschungelcamp"-Staffel mit Larissa Marolt, in der die Österreicherin zwischenzeitlich alleine auf weiter Flur stand und von der Gruppe ausgegrenzt wurde. Oder an diverse "Germany's next Topmodel"-Staffeln, in denen das Prinzip eine gegen alle zu heißen schien. In einer derart menschenverachtenden Form wie bei "Promis unter Palmen" allerdings hat man es wohl noch nie in einer Unterhaltungssendung gesehen.

Der Fall zeigt, wie schmal der Grat ist. Lästereien und Zoff gehören beim Trash-TV nicht nur dazu, sie sind unbedingt erwünscht - auch von den Zuschauern. Der Großteil der Promi-Kandidaten spielt in solchen Formaten ohnehin nur eine Rolle. Die Szenen werden verkürzt dargestellt, teilweise vermittelt der Schnitt ein völlig verzerrtes Bild. Immer wieder beschweren sich Reality-TV-Teilnehmer, dass ihr Verhalten verfälscht dargestellt worden sei. Die Trash-Profis bei "Promis unter Palmen" dürften aber allesamt gewusst haben, worauf sie sich bei einer Sendung, die den Untertitel "Für Geld mache ich alles" trägt, eingelassen haben. Auch Claudia Obert.

"Zwischen mir und Claudia ist wieder alles gut", sagte Carina Spack in einer Instagram-Story. Es sei eine Extremsituation und da kochten die Emotionen manchmal über. "Ihr habt ja auch nicht alles gesehen, was Claudia mit uns gemacht hat." "Promis unter Palmen" sei eine Unterhaltungsshow, niemand wolle sehen, wie die Leute fröhlich am Tisch sitzen und UNO spielen. 

Ein Vorwurf, den man SAT.1 aber machen muss, ist, dass die Problematik des transportieren Bildes den Verantwortlichen offenbar nicht bewusst gewesen ist. In den ersten Folgen wurde das Format noch von Trash-Fans gefeiert, als Désirée Nick und Claudia Obert aufeinander losgingen. Da war die Gruppendynamik aber noch eine andere. "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich", wie "La Nick" es ausdrückte.

In der fünften Folge vermittelte das gezeigte Material dann aber das Bild, dass eine vielleicht etwas anstrengende, aber keineswegs bösartige Frau von der Gruppe gezielt aus dem Haus gemobbt wurde. Kommentiert wurde das Ganze nach Trash-TV-Art eher süffisant denn kritisch. Die nun veröffentlichte Stellungnahme finden viele Zuschauer deshalb enttäuschend.

"Täglich leiden Millionen Menschen unter Mobbing, werden gequält und verletzt. Das im TV einfach so als 'Unterhaltung' zu verkaufen ist ein Fehler. Das war KEINE Unterhaltung", schrieb eine Twitter-Nutzerin beispielhaft für viele.

Das könnte Sie auch interessieren