"Borchert und die tödliche Falle"

"Der Zürich-Krimi": Im Gerichtssaal fliegen die Kugeln

von Hans Czerny

In seinem siebten Fall muss Borchert, der Zürcher "Anwalt ohne Lizenz", mit ansehen, wie Dominique Kuster, als Geisel genommen wird.

ARD
Der Zürich-Krimi: Borchert und die tödliche Falle
Krimi • 23.04.2020 • 20:30 Uhr

"Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern", möchte man mit Goethes Mephisto sagen, wenn man Christian Kohlund, dem Mann mit dem erwärmenden Bariton als Anwalt Borchert so zusieht, wie er fast wie Humphrey Bogart im "Maltheser Falken" durch seine Zürcher Fälle geht. "Der Zürich-Krimi: Borchert und die tödliche Falle", sein siebter immerhin schon – wer hätte das beim Start 2016 gedacht ob der skurrilen Erfindung seiner Figur -, lehnt sich nun ganz weit in die Gentrifizierung dieser Welt hinaus. Es geht um eine Schweizer Firmenübernahme in Amerika; die Rede ist von einer Milliarde, die der Schweizer Partner "drauflegen" muss: "Dann gehört das Werk Ihnen!"

Derweil schläft Borchert, glücklicherweise mit keinerlei Rechtsanwaltslizenz ausgestattet, noch immer in seinem futuristischen Blechwohnwagen. Am Abend zuvor hatte er seine Subchefin, Dominique Kuster (Ina Paule Klink), und deren Vater, den Staranwalt Reto Zanger (Robert Hunger-Bühler) zum Boeuf Stroganoff mit reichlich Rotwein eingeladen. Verquält schält sich Borchert, mit Schildmütze und Sonnenbrille angetan, aus dem Bett, um jäh die Freundin auf Zeit zu verlassen.

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Auch Reto hatte am Abend zuvor recht unvermittelt das Weite gesucht, ein wichtiger Anruf bestellte ihn zu einem Geschäftstermin an den Genfer See – eben in diese verwegene Kapitalistenrunde, von der soeben die Rede war. Unter Retos Ägide sollte ein Milliardenschnäppchen in Ohio unter Wert verscherbelt werden. Im Gerichtshof werden derweil die Dienste von Retos Tochter Dominique verlangt. Sie soll die frühe Freilassung eines Raubmörders erwirken, Reto hatte für die Freilassung nach fünf von zehn Jahren plädiert – warum denn auch nicht.

Dass Dominique da ein sehr heißes Eisen anfassen muss, stellt sich auf schmerzlichste Weise heraus, als ihr Mandant – Golo Euler performt ihn mit schriller Schreistimme und Pokerface – eine unter seinem Sitz verborgene Pistole hervorzieht und den gesamten Gerichtssaal als Geisel nimmt. Zwei Millionen US-Dollar und einen Helikopter fordert er. Daraus folgt nun eine von Roland Suso Richter durchaus opulent inszenierte Geiseloper, mit viel Pistolengefuchtel und krachender Schlägerei. Auch fehlt es nicht an Befreiungsversuchen, die Richterin ("Ich muss mal") inszeniert gleich den allerersten. Man möchte da nicht der Mann mit der Steadykamera gewesen sein. Förmlich kriecht er in die Personen hinein, von steter Unruhe getrieben wackelt er sich durchs graublaue Bild. Gegenlichtbalken stören ihn nicht ohne Absicht dabei.

Frage man nicht, wie nun die Geiselnahme im Gerichtssaal und die kapitalistischen Machenschaften zusammenhängen. Auch Borchert hat seine Mühe, Ursache und Wirkung zusammenzukriegen. Geschickt zieht er sich in den Hintergrund eines vertrackten film noir zurück. Bis er sich am Ende, um dessen Aufgabe flehend, vor den fies ferngesteuerten Geiselnehmer werfen darf, vergeht immer langsamer die Zeit. Die beste Action kann eine wenig schlüssige Handlung eben doch nicht ersetzen. Zum Trost: Vier weitere Folgen sind teils abgedreht, teils noch in der Mache.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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