Weil Toni (Carolin Kebekus) und ihr Ex-Mann (Maxim Mehmet) nach der Scheidung im Ausland arbeiten wollen, versuchen sie, ihre Kinder in die Arme des anderen zu treiben. Freche Komödie, in der allerdings nicht jeder Gag zündet.

Vielleicht ein wenig verrückt, aber immerhin leidenschaftlich war die Beziehung der Studenten Toni (Carolin Kebekus) und Marc (Maxim Mehmet) einmal. Doch 15 Jahre später ist die Flamme der Leidenschaft endgültig erloschen. Sie beschließen, sich zu trennen, im Guten natürlich. Dass das Konzept "Trennung in Freundschaft" nicht aufgeht, wird klar, als beide unabhängig voneinander lukrative Job-Angebote im Ausland erhalten. Denn: Einer muss zurückstecken und sich um die Kinder kümmern. Ein Sorgerechtsstreit der etwas anderen Art entbrennt in der Komödie "Schatz, nimm du sie!". Das ZDF zeigt den Film aus dem Jahr 2016 nun erstmals im Free-TV.

Mama oder Papa? Der pubertierende Smartphone-Junkie Emma (Arina Prokofyeva) und der kontaktscheue Veganer Tobias (Arsseni Bultmann) sollen selbst entscheiden, bei wem sie in Zukunft leben wollen. Und das wissen die unwilligen Elternteile auszunutzen: Toni und Marc benehmen sich ordentlich daneben, um Sohn und Tochter in die Arme des anderen zu treiben – und ihre eigenen Karriereziele im fernen Süden verwirklichen zu können.

Diese originelle Story bietet natürlich Stoff für jede Menge aberwitzige Situationen: So führt Marc seine Teenie-Tochter beispielsweise wie eine Erstklässlerin ins Klassenzimmer und drückt ihr zum Abschied vor den Augen ihrer Mitschüler einen dicken Schmatzer auf, während Toni als "Schach-Ultra" mit Vuvuzela bewaffnet bei einem Brettspiel-Turnier des kleinen Tobias auftaucht. Der Humor ist meist slapstickhaft und klamaukig, bissige Wortgefechte zwischen den zerstrittenen Eheleuten sind die Ausnahme. Die Handschrift des Blödel-Experten Sven Unterwaldt Jr. ist deutlich erkennbar, er hat bereits Atze Schröder und Otto Waalkes in eher platten Komödien wie "U-900" und "7 Zwerge – Männer allein im Wald" inszeniert.

Nicht jede Pointe zündet: Wie Fremdkörper wirken die vielen abgenudelten Gags, die aus zahllosen mittelmäßigen Hollywood-Komödien bekannt sind – mal wird der Familienhamster bäuchlings gegen das Fenster geklatscht, mal knickt die Regenrinne beim Raufklettern ab. Es bleibt zudem ein Rätsel, warum der Regisseur die Vorlage des Films, die erfolgreiche französische Komödie "Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt", einer auffälligen Amerikanisierung unterzogen hat – vom Rückblick auf die Unizeit, die die Hauptfiguren vorwiegend in amerikanisch anmutenden Studentenwohnheimen verbrachten, bis zum traditionellen englischen Neujahrsgesang "Auld Lang Syne". Nötig wäre der Neuanstrich nicht gewesen, das Schauspiel-Ensemble harmoniert nämlich erstaunlich gut: Komikerin Carolin Kebekus ("PussyTerror TV") überzeugt in ihrer ersten Kinohauptrolle, und auch die beiden Kinderdarsteller liefern tolle Leistungen ab.

Selbst die Nebenrollen sind mit Axel Stein und Ludger Pistor prominent besetzt, und die Comedy-Stars Annette Frier und Serdar Somuncu sorgen mit ihren Kurzauftritten für Stimmung. Unterm Strich punktet "Schatz, nimm du sie!" mit einer frechen Story, die vor allem gegen Ende des Films in Richtung Satire abdriftet.


Quelle: teleschau – der Mediendienst