24.03.2021 Sängerin im Interview

Suzi Quatro: Süchtig nach Arbeit

von Marcus Italiani
Suzi Quatro
Suzi Quatro  Fotoquelle: Paul Bossenmeier

Mit "The Devil In Me" holt Suzi Quatro (70) zum großen Schlag im Herbst ihrer Karriere aus. So frisch, enthusiastisch und abwechslungsreich klangen ihre Songs schon lange nicht mehr.

Frau Quatro, Sie haben bereits Ihr zweites Album innerhalb von zwei Jahren aufgenommen. Warum die Eile?

Ich produziere meine Musik ja gemeinsam mit meinem Sohn. Während wir noch im Promo-Zyklus für das letzte Album waren, kam der Lockdown. Die Plattenfirma hatte die Option auf ein weiteres Album. Also setzten wir und hin und schrieben neues Material. Und - mein Gott - es gab wirklich so viel, über das man schreiben konnte. Es floss nur so aus unseren Köpfen heraus. Das liegt in meiner Natur, ich kann einfach nie ruhig bleiben, sondern muss immer etwas tun.

Man hat ja immer dieses Bild im Kopf, wenn man mit einer Ikone wie Ihnen spricht: Lederanzug, riesiger Bass, viele Amps, Rock‘n Roll bis zum Anschlag. Auf "The Devil In Me" schlagen Sie auch ungewohnt ruhige Töne an. Wie kommt's?

Das Piano war ja mein allererstes Instrument. Ich schreibe viel Musik am Klavier, weil ich einfach keine sehr gute Gitarristin bin. Auf dem neuen Album waren einige dieser Nummern, die diese Piano-Vibes brauchten, um die benötigte Stimmung einzufangen. Ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis.

Apropos Glück: Können Sie eigentlich das von den Radiostationen nahezu totgespielte "Stumblin In" von 1978 noch hören oder geht Ihnen der Song mittlerweile auf die Nerven?

Warum sollte er? Es ist ein großartiges Lied, und ich bin so dankbar für alles, was Chris Norman und ich damit erreicht haben. Ganz ehrlich: Ich kann Künstler nicht verstehen, die von ihren größten Hits genervt sind. Lieder wie "Stumblin In" haben so viele Leute glücklich gemacht, dass sie schon deshalb immer ihre Berechtigung haben werden.

Gab es aufgrund dieses speziellen Jahres auch eine spezielle Herangehensweise ans Songwriting?

Ich bin sowieso immer ziemlich emotional. Aber durch dieses Jahr hatte ich mehr Zeit, um zu reflektieren. Was ist wichtig? Wer ist wichtig? Und das floss auch in das Songwriting ein.

Eins ihrer bekanntesten Statements lautet: "I don't do gender". Das ist erstens bemerkenswert in der heutigen Zeit und zweitens schon beinahe gewagt im sehr männlich geprägten Rock Biz.

Ich habe darüber einfach nie anders gedacht. Ich habe nie erfahren, dass sich Türen geöffnet oder geschlossen haben, weil ich eine Frau bin. Ich habe immer nur gesagt, dass ich Musik mache, und ich war und bin verantwortlich für mein eigenes Schicksal. Welches Geschlecht sich hinter einer Person verbirgt, die etwas erschafft oder tut, spielt für mich einfach keine Rolle. Das kam mir nie in den Sinn, verstehen Sie?

Ja, tue ich. Aber was ist mit Gleichstellung, gleicher Bezahlung, gleichem Respekt für die gleichen Dinge, die man tut. Sind Ihnen Frauenrechte nicht wichtig?

Mir sind Menschenrechte wichtig. Ich möchte weder, dass eine Frau missbraucht wird, noch möchte ich, dass ein Mann missbraucht wird. Jeder auf dieser Welt sollte gleich und gerecht behandelt werden, nicht nur Frauen. Und daher möchte ich nicht in die Feministinnen-Ecke gedrängt werden, denn das ist nicht das, was ich fühle und nicht das, was ich seit Jahren tue.

Neues Album "The Devil In Me" (V.Ö. 26.03.)

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