Wenn sogar der "Tatort" ausfällt, dann muss etwas wirklich Wichtiges geschehen. Ob das "TV-Duell" der Kanzlerkandidaten diesen Anspruch erfüllt?

Es gibt Momente in diesem Bundestagswahlkampf, da denkt man fast wehmütig zurück an Peer Steinbrücks Stinkefinger. Hatte doch der SPD-Kandidat von 2013 mit seinem unglücklichen Titelbild im "SZ Magazin" seinerzeit wenigstens für ein wenig Aufregung gesorgt im Rennen ums Bundeskanzleramt. Dieses Jahr, da beide Kandidaten fast nur äußerlich voneinander zu unterscheiden sind, beschleicht einen hingegen mitunter das Gefühl, zwei Sozialpädagogen zuzuhören, wenn Schulz über Merkel spricht und umgekehrt: Nur kein böses Wort, scheint die Devise zu lauten, Kommunikation wie aus dem Lehrbuch. Erster Höhepunkt dieses Nicht-Wahlkampfs dürfte das "TV-Duell" werden, das ARD, ZDF, RTL und SAT.1 am Sonntag, 3. September, 20.15 Uhr, übertragen. Vorausgesetzt, einer der Kontrahenten wagt sich tatsächlich aus der Defensive.

Spontaneität ist offenbar nicht Merkels Ding

Im Vorfeld des Duells bestätigte sich einmal mehr jene Gewissheit, die man in den vergangenen zwölf Jahren gewinnen konnte: Wenn sich Angela Merkel etwas in den Kopf setzt, dann bekommt sie es auch. Ursprünglich hatten die vier beteiligten Sender geplant, das "TV-Duell" neu zu gestalten. Zwei Moderatorenpaare sollten jeweils 45 Minuten lang mit Merkel und Schulz verschiedene Themenblöcke bearbeiten. Eine "klarere Struktur und mehr Raum zu Spontaneität und Vertiefung" hatten sich die Sender erhofft. Da aber Spontaneität offenbar nicht Merkels Ding ist, wurde das Konzept vom Kanzleramt abgelehnt.

Nun also alles wie vor vier Jahren, nur der SPD-Kandidat ist ein anderer. Heißt konkret: Die Moderatorenpaare – Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL) sowie Sandra Maischberger (ARD) und Claus Strunz (ProSiebenSat.1) – werden sich mit ihren Fragen wie schon 2013 häufiger abwechseln. Genau wegen diesem Hin und Her war das "TV Duell" 2013 noch kritisiert worden – eben weil so nur wenig Platz war, um wichtige Themen zu vertiefen.

Auch andere Wünsche waren im Vorfeld laut geworden. So hatten sich die Verantwortlichen von RTL und SAT.1 ein eigenes TV-Duell gewünscht – ein Vorschlag, der ebenfalls schnell wieder vom Tisch war.

Kleine Parteien außen vor

Dass es am 24. September um mehr geht als um Merkel oder Schulz, gerät bei all dem Bohei um die Spitzenkandidaten schnell in Vergessenheit. Insgesamt 48 Parteien stellen sich zur Wahl. Wie schon in den Jahren zuvor, werden auch diesmal die Spitzenkandidaten der kleinen Bundestagsparteien sowie von FDP und AfD bei einem eigenen Duell aufeinandertreffen – am Tisch der Großen dürfen sie erneut nicht mitreden. Dass hier in der zweiten Reihe gestritten wird, macht schon der Titel deutlich: Die Sendung, die das Erste am Montag, 4. September, 20.15 Uhr, überträgt, hört auf den Namen "Der Fünfkampf nach dem TV-Duell".

Vor vier Jahren erreichte das Aufeinandertreffen von Merkel und ihrem damaligen Herausforderer Steinbrück mehr als 17 Millionen Zuschauer. Nach einer Umfrage des Instituts infratest dimap für die ARD empfanden 49 Prozent Steinbrück nach Ende des TV-Duells als Sieger, 44 Prozent sahen Merkel vorn. Repräsentativ für den Wahlabend war das nicht: Am Ende kam die Union auf 41,5 Prozent der Stimmen, die SPD auf lediglich 25,7 Prozent.

TV-Wahlkampf geht weiter

Auch nach dem 3. September ist der Fernseh-Wahlkampf noch nicht beendet. So debattieren am Montag, 4. September, 19.25 Uhr, die Vertreter von Linken, Grünen und CSU im ZDF. "Klartext, Herr Schulz" heißt es bei dem Mainzer Sender am Dienstag, 12. September, 20.15 Uhr, "Klartext, Frau Merkel" zwei Tage später zur selben Uhrzeit. Für ProSieben fühlt Klaas Heufer-Umlauf im neuen, zweiteiligen Format "Ein Mann, eine Wahl" den Politikern auf den Zahn (ab 11. September, montags, 22.05 Uhr). Kurz vor der Wahl lädt das Erste dann zur "Schlussrunde der Spitzenkandidaten" (Donnerstag, 21. September, 22 Uhr) mit den Vertretern aller wichtigen Parteien.

Auch im Internet wird derweil um Wählerstimmen gebuhlt. Mitte August ließ sich Angela Merkel von vier YouTube-Stars ausführlich befragen, Martin Schulz wird wohl noch folgen. Wichtigste Erkenntnis des Kanzlerinnen-Interviews: Merkels Lieblingssmiley ist der mit dem grinsenden Gesicht. Dem wird Martin Schulz wohl kaum widersprechen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst