"Tatort: Tod im All"

Ein angenehm irrer Retro-"Tatort"

von Eric Leimann

UFOs im "Tatort"? 1997 reichte das für einen kleinen Skandal. Die ARD zeigt den mmit Gaststars wie Nina Hagen, Dietmar Schönherr oder Anke Engelke gespickten Krimi nun erneut.

ARD
Tatort: Tod im All
Kriminalfilm • 20.11.2020 • 22:15 Uhr

Wurde der UFO-gläubige Bestsellerautor Lunik van Deeling (als Gast: Dietmar "Raumpatrouille Orion" Schönherr) ermordet, wie es eine anonyme Telefonstimme den Ludwigshafener Kommissaren Odenthal (Ulrike Folkerts) und Kopper (Andreas Hoppe) steckt? Oder haben tatsächlich Außerirdische den Mann "abgeholt"? Ihren damals elften Fall "Tod im All" (Buch und Regie: Thomas Bohn) bezeichnete Ulrike Folkerts 2019 im Interview mit der Agentur teleschau zu ihrem 30-Jahre-Dienstjubiläum als ihren "am zweitmeisten" angefeindeten Fall – nach der Skandal-Episode "Tod im Häcksler" (1991), in dem ihre Figur die Pfälzer als wütenden Hillbilly-Mob kennenlernte.

Doch warum regten sich die Menschen im Januar 1997 über "Tod im All" auf? Nun, in dem durchaus mit Humor inszenierten Fall spielt Folkerts eigentlich jenen Part, den die Kritiker, Fans konservativer Krimis, einnahmen. Dass in einem deutschen "Tatort" ernsthaft mit der Möglichkeit gespielt wird, dass außerirdisches Leben für das Verschwinden des Ufologen Lunik van Deeling (Schönherr) verantwortlich sein könnte, treibt Odenthal die Wut ins damals noch von einer Kurzhaarfrisur umrandete Gesicht. Andere charismatische Nebenfiguren wie Lenas Kollege Rolf Mirau (der 2006 verstorbene Kultschauspieler Marquard Bohm, Bruder des Regisseurs Hark Bohm) oder der Astro-Wissenschaftler und Leiter des lokalen Planetariums (Adolf Laimböck) wenden hingegen ein, es sei doch eher unwahrscheinlich, dass in der endlosen Weite des Alls keine andere intelligente Lebensform existierte.

Heute dürfte die fast 24 Jahre alte Folge "Tod im All " dem Publikum wohl nur ein sanftes Lächeln aufs Gesicht zaubern, was nicht heißen soll, dass man diesen an sich gut gealterten "Tatort" nur noch unter humoristischen Aspekten betrachten kann. Ein anderer Grund greift jedoch: Heute ist es allzu normal geworden, dass im "Tatort" auch "Übersinnliches" passiert. In den letzten Jahren spielte der Krimi-Klassiker unter anderem mit den Genres Gruselfilm ("Fürchte dich", Frankfurt), Zombies ("Böser Boden", Hamburg) und Vampiren ("Blut", Bremen) . Auch in der am am 15. November ausgestrahlten und von den Genrekino-Fans Sebastian Marka (Regie) und Erol Yesilkaya entwickelten Folge "Parasomnia" geht bei weitem nicht alles mit rechten Dingen zu. 1997 indes war der "Tatort" noch weitgehend konservativ. Da wollte ein Großteil des Publikums nichts von filmischen Kunstformen jenseits des Whudunit-Krimis wissen.

In einer der besten Szenen hat Lena Odenthal schreckliche Albträume. Während eines Gala-Dinners mit dem von ihr gesuchten Ufologen "morpht" dieser in ein klassisches Alien mit Riesenaugen und Insektengesicht. Die von Nina Hagen gespielte Bedienung setzt daraufhin zu seinem spitzen Schrei an. Es ist nicht Hagens einziger Auftritt im "Tatort". Während eines Clubbesuchs von Lena Odenthal mit ihrer damaligen Freundin Johanna (Carol Campbell) spielt Sängerin Hagen, die selbst UFOs gesehen haben will, mit ihrer Band "live". Natürlich handelt es sich um ein Alien-Stück.

"Alles, was meine Frau Kommissarin nicht verhaften kann, kann auch nicht existieren", verspottet Johanna ihre Gefährtin, die sich genervt von Hagens gesanglichen Erkenntnissen ab- und ihrem Bier zuwendet. Auch das hat durchaus Humor – ebenso wie die Tatsache, dass die ehemaligen SWF-Radiomoderatoren Anke Engelke, Ingolf Lück und die 2018 verstorbene Stefanie Tücking sich selbst spielen. Alles in allem ein toller, angenehm irrer Retro-"Tatort", der zu den absoluten Klassikern der 31-jährigen Odenthal-Geschichte zählt.

Tatort: Tod im All – Fr. 20.11. – ARD: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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