Vierte Folge "Andreas"

"Väter allein zu Haus": zwei Papas und ihr Sonnenschein

von Hans Czerny

Andreas hat sich in den vergangenen Jahren komplett um seine Adoptivtochter gekümmert. Nun braucht er einen Job, doch ohne Berufserfahrung ist das gar nicht so leicht.

ARD
Väter allein zu Haus: Andreas
Komödie • 26.02.2021 • 20:15 Uhr

Andreas (Tobias van Dieken), der vierte im Bunde der Männer, die in diesem ARD-Freitagsfilm "allein zu Hause" sind, hat sieben Jahre lang die kleine Stella erzogen, gemeinsam mit Christian (Steve Windolf), seinem Mann. Vater sein, das war sein Beruf. Obwohl studierter Ingenieur, ist er ganz in diesem Dasein aufgegangen. Jetzt ist Stella sieben, und "Frau Müller", die Lehrerin, hat nicht nur gesagt, dass Fische weinen können, sondern auch, dass man mit sieben auch in Wuppertal schon alleine zur Schule gehen kann – die berühmte Schwebebahn wird ja nicht gleich wieder herunterfallen, wie damals vor 50 Jahren der berühmte Zirkuselefant. Stella (Sophia Heinzmann) ist also flügge geworden, und Andreas sieht sich genötigt, sich nach neuen Aufgaben umzusehen, was natürlich nicht klappt.

Jedes Vorstellungsgespräch geht dann abrupt zu Ende, wenn ein Arbeitgeber in spe nach Andreas' bisheriger Berufserfahrung fragt und Andreas dann "Vater" sagt. Stella hat er aber ziemlich gut erzogen. Das schwarze Mädchen ist ein aufgewecktes Kind. Sie ist, um das gleich mal klarzustellen, der Sonnenschein in einem ansonsten doch etwas verquält mutmacherischen Freitagsfilm. Man glaubt den bislang vier Teilen anzumerken, dass sie dem angelsächsischen Vorbild, einer 58-teiligen australischen Erfolgsserie ("House Husbands"), nicht recht gewachsen sind. Sie haben so was Eingestampftes.

Auch Andreas ist keineswegs "allein zu Hause", wie es der Reihen-Titel verspricht. Gleich drei Parallelfamilien und deren Nöte werden vorgeführt. Andreas und Christian beispielsweise werden von Andreas' betagtem Vater behelligt, den dessen Frau an die frische Luft gesetzt hat, weil er im Lauf der Jahre ein ziemlicher Kotzbrocken geworden ist. Die Regie (Esther Gronenborn) lässt keinerlei Zweifel an der Richtigkeit dieses Tuns, vielleicht nimmt die Übertreibung aber auch zu wenig von der theatralischen Unbefangenheit des Drehbuchs (Kirsten Peters) weg. Wie aus dem Lehrbuch des Chauvinismus lehnt jedenfalls der miesepetrige Alte die Enkelin ab, weil er ja schließlich nicht der leibliche Großvater sei, und dem Sohn rät er unentwegt an, endlich einen richtigen Beruf zu ergreifen. Als Vorbild hält er ihm ständig dessen Schwester Judith (Felicitas Woll), eine honorige Krankenhausärztin, unter die Nase.

Darum, seine schwarze Enkelin wie alle anderen ins Herz zu schließen, kommt der Alte natürlich irgendwann nicht herum. Dazu hätte es allerdings des Gehirntumors, den man irgendwann bei Stella findet, gar nicht bedurft. Stella, von Sophia Heinzmann gespielt, ist einfach großartig. Wenn sie einmal von der Mauer hüpft, ist das lustiger als jeder Männerdialog, und wenn sie ganz selbstverständlich ihren bis dato nie gesehenen leiblichen Vater (Jerry Kwarteng) voller Freude zwischen Tür und Angel begrüßt, kann sich ihrem kindlichen Charme kein Mensch entziehen. Stella kocht sie mit ihrem Lächeln alle weich, die echten und die unechten Väter, die sich plötzlich ums Sorgerecht streiten. Selbst der komische Großvater kommt zum fälligen Happyend mit einem Stofftier ans Krankenbett. Politisch sehr korrekt ist das alles auf jeden Fall.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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