"Valerian – Die Stadt der tausend Planeten"

"Valerian": liebevolle Hauptdarsteller im Referenzen-Dschungel

von Maximilian Haase

Mt der Comic-Umsetzung "Valerian – Die Stadt der tausend Planeten" vollendete Star-Regisseur Luc Besson ein filmisches Herzensprojekt, wie es bunter und spektakulärer kaum sein könnte.

RTL
Valerian – Die Stadt der tausend Planeten
Science Fiction • 07.02.2021 • 20:15 Uhr

Ein Weltraum-Märchen mit kühnen Helden und fantasievollen Aliens? Eine Space-Opera voller Bombast, Action und Emotionen? Wer auch immer ein derartiges Projekt angeht, scheint angesichts der Übermacht von "Star Wars" zum Scheitern verurteilt. Dies gilt nicht, sofern es sich dabei um Starregisseur Luc Besson handelt, der seinen Lebenstraum verwirklicht. Mit "Valerian – Die Stadt der tausend Planeten" verfilmte der Schöpfer ikonischer SciFi-Werke wie "Das 5. Element" 2017 jene französische 60er-Comicreihe, aus der sich George Lucas für "Star Wars" großzügig bediente. Herausgekommen ist ein betäubend buntes, charmantes und schrilles Abenteuer ohne sinnvolle Story, aber voller liebenswerter Figuren, welches RTL nun wiederholt.

Gigantische Raumschiffe schweben durch ein ethnisch diverses Weltall, das von einer Föderation regiert und von bösen Mächten bedroht wird; auf vielfältigsten Planeten leben abgefahrene Wesen, die in einer riesigen Multikulti-Metropole zusammentreffen, Handel treiben und sich amüsieren: Das kommt doch bekannt vor. Auch der französische Filmemacher Besson selbst schöpfte bereits vor 20 Jahren in "Das 5. Element" aus dem ergiebigen Kosmos der "Valerian"-Erfinder Jean-Claude Mézières und Pierre Christin. Seit jeher war die cineastische Adaption der berauschenden Comics Bessons Lebensaufgabe.

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Dass der inzwischen 61-jährige Regisseur sein Herzensprojekt so spät umsetzte, lag vor allem an dessen technischer Machbarkeit: Erst nach James Camerons "Avatar", so Besson, habe er gewusst, dass die Verfilmung nun realisierbar sei. Und erst nach seinem SciFi-Erfolg "Lucy" hatte der exzentrische Pariser das Geld beisammen, um sein "Baby", wie er es nennt, mit 180 Millionen Dollar und ohne Einfluss von außen zu finanzieren. Und aus dem wilden, märchenhaften Epos spricht in jedem Detail die Realität gewordene, sprühende Fantasie eines Kindgebliebenen, der sich (fast) ohne technische Grenzen und dröge Markterwägungen austoben durfte.

Auf der Suche nach dem Transmulatur-Tierchen

Mit Special Effects spielt der Träumer ebenso wie mit Anspielungen auf die SciFi-Geschichte. Ach ja, eine randvoll gepackte Story, die trotz aller Mühe eher zu vernachlässigen ist, gibt es auch noch: Nachdem Besson die mulitlateralen Beziehungen der zukünftigen Jahrhunderte mit Bowies "Space Oddity" im Vorspann Revue passieren lässt, befinden wir uns im 28. Jahrhundert: Auf ihrem völlig überzeichneten Friedefreudeeierkuchen-Planeten Gül werden die Pearls von einer bösen Macht aus ihrem heilen Hippie-Dasein gerissen und vertrieben. Und mit ihnen die süßen Tierchen, die alles, was man ihnen zu fressen gibt, vielfach in einer Art Kack-Replikator wieder ausscheiden. Das letzte überlebende Exemplar jener Transmulatoren genannten Wesen befindet sich auf einem riesigen virtuellen Marktplatz.

Es zu finden, ist der Auftrag von Bessons liebevoll gezeichneten Hauptfiguren – dem Agenten und Frauenhelden Valerian, gespielt vom herausragenden Dane DeHaan, und seiner sarkastischen Kollegin Laureline, bezaubernd missmutig verkörpert von Cara Delevingne. Kaum ist die Mission beendet und das süße Felltier wieder im Besitz der Föderation, sollen die beiden, die sich laufend necken, ärgern und natürlich in Wirklichkeit lieben, die Megacity-Raumstation Alpha retten. Denn ein Virus bedroht den Alien-Meltingpot. Während Valerian und Laureline dessen Ursprung suchen, tauchen die letzten verbliebenen Pearls auf. Um ihren verlorenen Planeten neu zu erschaffen, wollen die inzwischen korrumpierten Hippie-Wesen den letzten Transmulator durch eine Entführung zurückerpressen.

Was nach einer abgedrehten Reise durch einen wirren Referenzen-Dschungel klingt, ist genau das: eine hoffnungslos überbordende Geschichte zwischen "Total Recall" und "Blade Runner", zwischen "Star Wars" und "Avatar".


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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