Warum verspüren Menschen Hass? Wo liegt der Ursprung dieses Gefühls? In einer Doku-Reihe suchen Oscar-Preisträger Steven Spielberg und Dokumentarfilm-Guru Alex Gibney Antworten auf diese Fragen. Alle Folgen sind bei ZDFinfo zu sehen, das "große" ZDF sendet immerhin Folge vier über "Extremismus".

Schimpansen sind gar nicht so nett. Eigentlich sind sie sogar ziemlich kriegerisch. Ein neues Alpha-Männchen tötet die Babys seines Vorgängers. Auch Überfälle von Männchen-Armeen auf Lager anderer Herden, inklusive brutalster Verwüstungen und Gewalttaten, kann man in Folge eins der bemerkenswerten TV-Dokureihe "Warum wir hassen: Ursprung" (Sonntag, 10. November, 20.15 Uhr, ZDFinfo) verblüfft bis angewidert zur Kenntnis nehmen.

Vom Ethnologen Brian Hare erfährt man, dass unser menschliches Genmaterial dem des kriegerischen Affen sehr ähnlich ist, dass aber auch Bonobo-Affen mit dem fast gleichen Erbgut herumlaufen. Mit dem Unterschied, dass diese Primatenart als friedlich, sozial und "zivilisiert" gilt. Doch wo liegt der Unterschied zwischen den Arten? Bonobo-Affen entwickelten sich stammeshistorisch auf jener Seite des Flusses Kongo, in dem das Nahrungsangebot üppig war, während die Schimpansen am anderen Ufer zu kämpfen hatten. Sind es also nur die schlechten Umstände, die den Menschen zum bösen Affen werden lassen? Bertolt Brecht wäre begeisert gewesen.

In jedem der sechs von Oscar-Preisträger Steven Spielberg und Dokumentarfilmer Alex Gibney ("Taxi zur Hölle") für die Reihe produzierten 45-Minuten-Filme geht es um konkrete Ursachen und Aspekte des Hasses. Bei ZDFinfo stehen nach der Auftaktfolge "Ursprung" diese Fortsetzungen auf dem Programm: "Fremde" (10.11., 21 Uhr), "Propaganda" (11.11., 20.15 Uhr), "Extremismus" (12.11., 20.15 Uhr), "Völkermord" (13.11., 20.15 Uhr) und "Hoffnung" (18.11., 20.15 Uhr). Folge vier, "Extremismus", läuft zeitgleich, also zur besten Sendezeit, auch im ZDF. Natürlich wird das Doku-Projekt nicht nur aufgrund der prominenten Namen seiner Macher von öffentlichem Interesse verfolgt. Auch der Zeitgeist einer zunehmend aggressiveren Auseinandersetzung der Menschen untereinander lässt einen bei einem Programm mit dem Titel "Warum wir hassen" hellhörig werden.

Tatsächlich sind die Filme von recht unterschiedlicher Qualität. Während Teil eins zwar in einigen Momenten wie dem Affen-Beispiel verblüffend klar ist, sind andere Herleitungen, Präsentationen von wissenschaftlichen Forschungen etwas konfus. Vor allem das Timing der Folgen ist zum Teil gewöhnungsbedürftig. Ein Mobbing-Opfer an einer amerikanischen Highschool darf ausführlich seine Geschichte erzählen, Zusammenhänge und schlussfolgernde Abtraktionen, die eigentliche Ursache des Hasses werden da bisweilen etwas zu verschwurbelt präsentiert.

Im stärkeren zweiten Film lernt man anhand britischer Fußballfans, den verfeindeten Fangruppen des FC Arsenal und von Tottenham Hotspur, wie Hass durch Gruppenzugehörigkeit sortiert und befeuert wird. Auch die Überleitungen zu den seit Donald Trump tief gespaltenen USA und ihrer Gesellschaft hin zu medialen Echoräumen ist nachvollziehbar erzählt. Wie bitter der zunehmende Verlust unabhängiger, seriöser Medien als Kontrollinstanz einer Gesellschaft wiegt, zeigt ein Beispiel aus Myanmar. In einem Land, dessen Bewohner sich vorwiegend über Facebook "informieren", kam es zu Vertreibung und völkermordartigen Ausschreitungen, weil Fake-Videos im Netz die muslimische Volksgruppe der Rohingya der Vergewaltigung an Buddhisten bezichtigte.

Digital verbreiteter und sich dadurch rasend schnell potenzierender Hass ist heute ein Problem in vielen Gesellschaften, doch in Myanmar sah man das Phänomen in seiner bisher vielleicht drastischsten Form. Gut, dass am Ende der Sechs-Filme-Strecke mit "Hoffnung" noch ein paar Gedanken folgen, wie man den Hass überwinden kann. Die in den Erzählfluss immer wieder hineingeschnittenen Szenen von Gewalt und Hass-Explosionen unter Menschen, heute routinemäßig von Handys millionenfach im Alltag festgehalten, gehen auf Dauer ganz schön an die Nieren. Vielleicht muss man als Zuschauer einfach aushalten, dass der Mensch eher dem bösen Schimpansen gleicht, als dem sanftmütigen Bonobo.


Quelle: teleschau – der Mediendienst