40 Jahre sind Martin und Ruth verheiratet, doch längst haben sie sich nichts mehr zu sagen. 20 Jahre lang hat eine schwere Lüge zwischen ihnen gewohnt.

Vielleicht, weil hier viel Philosophisches zitiert wird, fällt einem wieder einmal das schöne Tolstoi-Zitat ein, von allen glücklichen Familien, die einander gleichen, und allen unglücklichen Familien die jeweils auf ihre Weise unglücklich sind. Irgendwann wird der Sohn den Vater schlagen, Rache für eine jahrzehntelang gelebte Lüge nehmen, die alles Ehe- und damit Familienglück zunichte machte. – Familienfilme im Fernsehen sind ja fast immer Komödien mit Happyend. Dieser wagt es, die dunklen Seiten familiärer Beziehungen zu zeigen, die Abgründe, die verhängnisvollen Lügen. Dass der Film "Was ich von dir weiß" melodramatischen Übertreibungen nicht aus dem Wege geht, ist erst mal sein Verdienst.

Hier kreuzt sich neues Glück mit dem Unglück der Vergangenheit. 40 Jahre Ehe, 40 Jahre Lügen werden zutage gefördert, davon die letzten 20 aus besonders gutem Grund. Der Mann hat der Ehefrau den Selbstmord der Tochter verschwiegen. Er hatte sie vor dieser Wahrheit schützen wollen und die Tat durch eine andere verdeckt. So wenig, wird sie ihm ins Gesicht sagen, habe er sie gekannt, als sie von der Tat erfährt. So falsch habe er sie eingeschätzt!

Die traurige Botschaft kommt in einem Augenblick ans Licht, als Ruth (Thekla Carola Wied) gerade ihre Liebe zu einem neuen Mann eingestehen will. Der Philosophieprofessor Georg Seveking (August Zirner), dessen Kierkegaard-Vorlesungen sie fleißig besucht, wird nach Paris berufen, in die "Stadt der Liebe", wie es ein Plakat der Verkehrsbetriebe signalisiert. Wenn das kein Wink des Schicksals ist, zumal die "Sanduhr der Zeit" abzulaufen droht, frei nach Kierkegaard.

Ein erster Ausflug an die Seine wird schon unternommen, es sind die schönsten Momente des Films, Paris ist da wunderschön fotografiert. Doch noch ist für die Liebe keine Zeit, kein Raum. Die Vergangenheit hängt zentnerschwer an den beiden Protagonisten. Schon hat sich das Unglück auf die nächste Generation übertragen. Auch Ruths Sohn hat längst eine andere Frau. "Auge um Auge, Zahn um Zahn?", fragt er, als ihm seine Frau gesteht, schwanger zu sein. Von ihm wohl nicht!

Starke Symbole

Die Regisseurin Isabel Kleefeld, die auch das Drehbuch geschrieben hat, liebt starke Symbole. Gleich zu Beginn knattert Martin (Uwe Kockisch), offenbar Expolizist und Hundestaffellleiter, auf dem Schießstand herum, als beabsichtige er demnächst einen Amoklauf. Ruth, die Ehefrau wiederum hat eine schwere Allergie gegen Hundehaare – sie ahnt längst, dass Martin viel Zeit in einem Tierheim verbringt. Die andere, jüngere Frau ist dort Pflegerin. Martin hat sie einst als Retter ihres Lebens kennengelernt. Als äußeres Zeichen ihrer Verletzung muss Ruth wegen der Allergie mitunter eine Maske tragen. Viel schwerer noch trifft es aber Martin, der zwar eine schwere Herzkrankheit überlebt, am Ende aber die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs bekommt und nach der Prognose des Arztes noch etwa drei Monate zu leben hat.

Ein bisschen zu schwarz-weiß sind die Gegensätze zwischen den einzelnen Positionen gezeichnet. Martin hat die Lüge gewählt und die Stunde der Wahrheit aufgeschoben. Der Sohn muss den Verräter spielen. Einst hatte der Vater mit dem Finanzieren des Studiums sein Schweigen abgepresst. "Die Welt ist nie in Ordnung!" mag man da mit Ruth und dem von ihrem Philosophieprofessor so hochgeschätzten Kierkegaard sagen. Der Film tut sehr lange alles, um diesen Satz unter Beweis zu stellen. Nur in Ruths Gesicht vermeint man neben Schmerz und Wut auch so etwas wie eine verzeihende Heiterkeit zu spüren – trotz allem.


Quelle: teleschau – der Mediendienst