Film bei SAT.1

"Zerrissen – Zwischen zwei Müttern": Das Drama nach dem Drama

von Sarah Kohlberger

Zwölf Jahre nach ihrem Verschwinden taucht Stefanies Tochter Michelle wieder auf. Die damals Dreijährige ist heute ein Teenager. Mit der neuen Situation ist sie völlig überfordert.

SAT.1
Zerrissen – Zwischen zwei Müttern
Drama • 08.12.2020 • 20:15 Uhr

Laut der Hamburger Initiative Vermisste Kinder werden pro Jahr mehr als 60.000 Kinder und Jugendliche als vermisst gemeldet. In fast allen Fällen tauchen die Verschwundenen nach kurzer Zeit wieder auf – die Aufklärungsquote liegt im Durchschnitt bei mehr als 98 Prozent. Doch was geschieht mit den vermissten Kindern und Jugendlichen, die nicht innerhalb eines Jahres gefunden werden? Sind sie tot? Oder werden sie irgendwo festgehalten? Zurück bleiben quälende Fragen und verzweifelte Angehörige.

Diese Gedanken rauben auch Stefanie Minrath (Alwara Höfels) in dem neuen Drama "Zerrissen – Zwischen zwei Müttern", das SAT.1 nun erstmals im Free-TV zeigt, den Schlaf: Vor zwölf Jahren verschwand ihre dreijährige Tochter Michelle beim Familienurlaub am Strand. Eine Leiche wurde nie gefunden. Das Unglück lässt Stefanie nicht los: Während ihr Mann Torben (Marc Ben Puch) versucht, das Geschehene zu verarbeiten und damit abzuschließen, glaubt Stefanie fest daran, dass sie Michelle irgendwann gegenübersteht.

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Eines Tages sieht sie im Supermarkt ein Mädchen in Michelles Alter (Lilly Barshy). Diesmal ist sich Stefanie ganz sicher: Es ist Michelle. Sie fährt ihr hinterher, fotografiert sie, merkt sich ihre Adresse. Als sie ihre vermeintliche Tochter anspricht, und dabei auch deren Mutter Ruth (Katharina Wackernagel) begegnet, rastet sie aus, und macht die Polizei auf den Fall aufmerksam. Ein Muttermal am Arm, eine nicht spontan greifbare Geburtsurkunde und letztendlich ein DNA-Test klärt den Fall nach zwölf Jahren auf: Bei Charlotte handelt es sich tatsächlich um die verschwundene Michelle.

Stefanie und Torben sind überglücklich, und wollen ihre Tochter sofort aufnehmen. Und tatsächlich möchte diese nach den ersten unsicheren Annäherungsversuchen auch von sich aus bei ihrer neuen Familie wohnen. Die Kindesentführerin und bisherige Mutter Ruth wird erst mal inhaftiert. Das Leben scheint geordnet, alle an der richtigen Stelle – nun können die Minraths ihr vor zwölf Jahren verlorenes Familienglück wieder genießen.

Der Film könnte hier bereits enden. Doch jetzt nimmt das Drama erst seinen Lauf. Angelina (Liselotte Voss), die zweite Tochter der Minraths, ist genervt von der neuen Schwester. Stefanie will, dass Ruth Michelle nie wieder sieht, was die Inhaftierte allerdings anders sieht – ebenso wie Torben. Und vor allem Michelle ist mit der neuen Situation völlig überfordert. Wer ist sie denn nun – Charlotte oder Michelle? Und was denken ihre Freundinnen nun von ihr?

Ein Teenager auf der Suche nach sich selbst hat es bereits schwer genug, erschwerend kommt nun in "Zerrissen – Zwischen zwei Müttern" das Verbrechen noch dazu. Der Film arbeitet diesen Konflikt gekonnt auf – ganz ohne kitschige Dialoge oder Übertreibungen. Regisseur Florian Gärtner konzentriert sich vor allem auf die neu entstandenen Probleme der einzelnen Familienmitglieder. Welche Folgen zieht ein Verbrechen nach sich, das nach zwölf Jahren aufgeklärt wird? Nach einem Drehbuch von Regine Bielefeldt geht der Film der Frage auf den Grund, welche Wunden bei Eltern und Kindern bei der Aufklärung eines Falls aufgerissen werden können.

Am Rande wird dezent die Gegenüberstellung von Arm und Reich gewagt: Michelle wuchs behütet in einer reichen Familie auf, und muss sich nun mit ihrer neuen Familie eine kleine Wohnung teilen, sowie auf eine andere Schule gehen. Dieses Arm-Reich-Gefälle verschärft den Konflikt, wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen, um ein packendes Drama auf die Beine zu stellen.

Letztendlich findet der gefühlvoll erzählte Film "Zerrissen – Zwischen zwei Müttern" eine Antwort auf die Frage: Was will und was braucht ein Teenager von seiner Familie? Eine ausgiebige Auseinandersetzung mit dieser Frage könnte bestimmt vielen Familien helfen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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