Oscarverleihung 2026: Das verraten die Prognosen
Seitdem am 22. November die Oscar-Nominierungen verkündet wurden, darf spekuliert werden: Gewinnt "One Battle After Another" als bester Film – und bei der Regie Paul Thomas Anderson, der die Groteske inszeniert hat? Darf sich Leonardo DiCaprio gute Chancen ausrechnen? Oder werden wir manche Überraschung erleben? Könnte der Preis für den besten Film auch an "Hamnet" gehen? Oder doch an "Blood & Sinners", der mit 16 Nominierungen einen neuen Oscar-Rekord aufgestellt hat. Wir wagen uns an eine Prognose und nennen die wahrscheinlichen Gewinner – und die Stars und Filme, die für eine Überraschung sorgen könnten.
Bester Nebendarsteller
Delroy Lindo gehört seit Jahrzehnten zu den großen Charakterdarstellern des amerikanischen Kinos, blieb bei den Oscars bislang aber erstaunlicherweise unberücksichtigt. Das könnte sich mit seiner Rolle in "Sinners" ändern. Darin spielt er den legendären Mundharmonika- und Piano-Blues-Musiker Delta Slim. Lindo verleiht der Figur eine Wucht und Würde, die dem Film zusätzliche Tiefe gibt – ein klassischer Fall von Szene-stehlendem Nebendarsteller.
Zwei Oscars hat Sean Penn bereits gewonnen, für seine Rollen in "Mystic River" und "Milk". Nun könnte eine weitere Auszeichnung hinzukommen. In Paul Thomas Andersons Politthriller "One Battle After Another" schlüpft er voll und ganz in die Rolle eines Bösewichts. Er spielt Colonel Steven J. Lockjaw, einen militanten Hardliner, dessen Autorität bedroht ist, als ein von ihm geleitetes Einwanderungsgefängnis zum Ziel einer Gruppe linker Revolutionäre wird. Bei den britischen "BAFTA"-Awards räumte Penn bereits ab.
Prognose: Lindo hat Außenseiterchancen, wahrscheinlich aber wird Sean Penn neben Meryl Streep, Jack Nicholson, Ingrid Bergman, Daniel Day-Lewis und Frances McDormand in die Riege der dreimaligen Oscar-Gewinner aufgenommen.
Beste Nebendarstellerin
Teyana Taylor hat sich in den vergangenen Jahren vom Popstar zur ernstzunehmenden Schauspielerin entwickelt. In "One Battle After Another" verkörpert sie als Perfidia eine komplexe, moralisch ambivalente Figur. Ihre Darstellung einer bisweilen egoistischen Revolutionärin, die mit postnataler Depression und gesellschaftlichen Erwartungen zu kämpfen hat, brachte ihr bereits den Golden Globe als beste Nebendarstellerin ein.
Amy Madigan zählt zu den erfahrensten Charakterdarstellerinnen Hollywoods, eine Oscar-Nominierung erhielt sie bereits 1986 für "Zweimal im Leben". Im Horrorfilm "Weapons – Die Stunde des Verschwindens" begeistert sie als Hexe, die sie einmal als schrullige Tante und dann wieder als völlig kalte Bösewichtin spielt. Einen "Critics Choice Award" konnte sie für ihre Rolle bereits gewinnen.
Prognose: Für einen Großteil der alteingesessenen Academy-Mitglieder ist Madigan mit ihrer Erfahrung die beste Wahl. Sie wird mit der Trophäe nach Hause gehen.
Bester Hauptdarsteller
Einen Oscar hat Leonardo DiCaprio bereits, nach mehreren Anläufen erhielt er den Preis endlich 2016 für seine Tour de Force im Survival-Western "The Revenant – Der Rückkehrer". Auch dieses Jahr gehört er zu den Favoriten mit seiner Rolle eines verdatterten Revoluzzers in "One Battle After Another", der nur mit Mühe den Spagat schafft zwischen Revolution und Familie. Das Problem allerdings: Bei den Golden Globes ging DiCaprio leer aus. Kein gutes Omen?
Viermal war Ethan Hawke bereits für einen Oscar nominiert, dreimal für Rollen in Filmen von Richard Linklater ("Boyhood", "Before Midnight", "Before Sunset"). Auch "Blue Moon" ist ein Linklater-Film und Hawke spielt darin nach Ansicht vieler Kritiker Oscar-würdig. Das Biopic handelt von dem Liedtexter Lorenz Hart (Hawke), der in den 1920er- und 1930er-Jahren mit dem Komponisten Richard Rodgers eine Reihe erfolgreicher Musicals verantwortete. Wenn die Academy-Mitglieder den Film wirklich ansehen oder angesehen haben (viele Beobachter zweifeln daran), dann hat Hawke eine Chance, überraschend zu gewinnen.
Nachdem er schon zweimal nominiert war ("Call Me by Your Name", "Like A Complete Unknown") halten ihn viele reif für einen Oscar. Zumal Timothée Chalamet in "Marty Supreme" eine überzeugende Leistung abliefert und der Film – das spielt durchaus eine Rolle – auch finanziell ein Erfolg war. Chalamet spielt in der lose auf realen Ereignissen basierenden Sport-Komödie einen Schuhverkäufer, der in den 1950er-Jahren Tischtennis-Weltmeister werden will. Eine Aufstiegsgeschichte, auch das liebt die Oscar-Akademie. Was viele abschrecken könnte: Chalamet äußerte sich zuletzt abfällig über die Oper ("Niemand interessiert sich mehr dafür") und bekam dafür reichlich Gegenwind.
Dass Michael B. Jordan ein verlässlicher Star im Blockbuster-Kino ist, hat er in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen. Mit "Blood & Sinners" könnte er nun auch endgültig in der Oscar-Liga angekommen sein. Jordan spielt darin gleich zwei Rollen: Zwillingsbrüder, die in den 1930er-Jahren versuchen, mit einem Tanzlokal für Schwarze ein neues Leben zu beginnen. Die Doppelrolle verlangt ihm alles ab – Charisma, Wucht und emotionale Tiefe.
Prognose: Ohne seine jüngsten Äußerungen hätten sich mehr Academy-Mitglieder für Chalamet entschieden, Jordan profitiert davon und holt seinen ersten Oscar.
Beste Hauptdarstellerin
Für diese Rolle opferte Emma Stone sogar ihre Haarpracht, noch beeindruckender ist aber ihr Duell mit Jesse Plemons in Giorgos Lanthimos brillanter Farce "Bugonia". Stone spielt eine Pharma-Unternehmerin, die von zwei wirren Verschwörungsanhängern entführt und beschuldigt wird, eine Alien-Anführerin zu sein. Das erklärt Stones Glatze: Die Entführer glauben, dass die Außerirdische über ihre Haare mit ihren Artgenossen kommuniziert.
Rose Byrne hat sich vor allem als Komödiantin in nicht selten platt-derben Komödien einen Namen gemacht ("Bad Neighbours"), spätestens mit "If I Had Legs I'd Kick You" beweist sie, was für eine vielschichtige Schauspielerin sie ist. Sie spielt in dem Psychodrama eine Therapeutin, die Beruf und ihr Leben als Mutter eines pflegebedürftigen Kindes austarieren muss – doch daran zugrunde zu gehen droht. Einen Golden Globe hat Byrne für ihre Leistung bereits erhalten.
Dass Jessie Buckley zu den aufregendsten Schauspielerinnen ihrer Generation gehört, hat sie in den vergangenen Jahren mehrfach unter Beweis gestellt. In Chloé Zhaos Shakespeare-Drama "Hamnet" liefert sie nun ihre bislang eindrucksvollste Leistung ab. Buckley spielt Agnes Shakespeare, die Ehefrau des Dramatikers William Shakespeare, deren Leben durch den frühen Tod ihres Sohnes erschüttert wird. Eine stille, zutiefst berührende Darstellung, für die sie bereits sämtliche Preise der Awards-Season abräumte.
Prognose: Buckley gewinnt ihren ersten Oscar.
Beste Regie
Mit dem Rassismus-Drama "Nächster Halt: Fruitvale Station" schaffte er den Durchbruch und mit "Black Panther" drehte er einen der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Nun kann Ryan Coogler mit dem Drama "Blood & Sinners" den nächsten Meilenstein seiner beeindruckenden Karriere gelingen: einen Oscar als bester Regisseur gewinnen.
Das hat Chloé Zhao bereits geschafft: 2020 drehte sie das Drama "Nomadland", für das sie gleich zwei Oscars gewann, für Regie und Produktion des als bester Film des Jahres ausgezeichneten Werks. Auch dieses Jahr stehen ihre Chancen gut. Ihr Shakespeare-Biopic "Hamnet" ist nicht nur hochgelobt, sondern wurde schon bei den Globes zum besten Film im Bereich Drama gewählt. Allerdings: In der Regie-Sparte unterlag sie Paul Thomas Anderson.
Paul Thomas Anderson gehört zu den begnadetsten Regisseuren unserer Zeit, einen Oscar hat er bislang trotz drei Nominierungen ("Licorice Pizza", "Der seidene Faden", "There Will Be Blood") aber noch nicht erhalten. "One Battle After Another" könnte ihm den Preis endlich bescheren. Das Drama ist virtuos inszeniert und erinnert in seiner Wildheit nicht umsonst an die Arbeit des Literatur-Mysteriums Thomas Pynchon. An dessen Roman "Vineland" knüpft "Battle" lose an.
Prognose: Anderson hätte den Oscar längst verdient gehabt – und bekommt ihn dieses Jahr auch.
Bester Film
Bei den Globes waren sich "Hamnet" und "One Battle After Another" noch aus dem Weg gegangen, dort steckten sie in unterschiedlichen Sparten (Komödie und Drama). Nun aber wird es sich entscheiden, welcher Film besser ist. Oder lacht am Ende ein Dritter?
Zum Beispiel "Blood & Sinners", den Ryan Coogler gewohnt wuchtig in Szene gesetzt hat. Angesiedelt zwischen Gangster-Thriller, Horrorfilm und Rassismus-Drama handelt der Film von zwei Brüdern (beide gespielt von Cooglers Lieblingsschauspieler Michael B. Jordan), die in den 1930er-Jahren ihr Gangsterdasein hinter sich lassen und ein Tanzlokal für Schwarze eröffnen wollen. Doch Anhänger des Ku-Klux-Klans und Vampire ziehen ihnen einen Strich durch die Rechnung.
Oder ist "Blood & Sinners" mit seinen vielen Subtexten und kulturellen Verweisen am Ende doch zu bedeutungsschwer geraten? Von ganz anderem Kaliber ist Paul Thomas Andersons "One Battle After Another". Der Film ist ein wilder Mix aus Tragik, Komik, Action und Farce und bei all dem doch leichthändig und ausbalanciert inszeniert. Allein schon für seine Verfolgungsjagd am Ende, eine der schönsten in der Filmgeschichte, gebührt ihm jeder Preis der Welt.
Prognose: Es wird ein knappes Rennen zwischen "Blood & Sinners" und "One Battle After Another", letzterer dürfte aber eher als klassisches "Bester Film"-Material gelten und deswegen die Nase vorn haben.
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH