Charmante Provinzkomödie

"Mensch Mutti!": Kritik zur ARD-Komödie mit Frida-Lovisa Hamann und Steffi Kühnert

29.05.2026, 06.00 Uhr
"Mensch Mutti!" erzählt die Geschichte einer Primaballerina, die aus Paris zurückkehrt, um das Familienfitnessstudio zu retten. Ein Film voller Charme und Tiefe, der zeigt, dass auch in der Provinz Träume wahr werden können.

Über die Heimkehr in die Provinz, der man einst den Rücken kehrte, gibt es unzählige Filme. Schon länger war keiner mehr so charmant wie die Ostkomödie "Mensch Mutti!", die das Erste kurz vor der Fußball-WM und Sommerpause zeigt: Primaballerina Serafina Hopp (Frida-Lovisa Hamann) reist aus Paris in die sächsische Heimat, um Mutter und Schwester bei der Rettung des Familienbetriebs zu helfen. Auch wenn die ersten fünf bis zehn Minuten von "Mensch Mutti!" etwas klamaukig geraten sind, davon sollte man sich nicht schrecken lassen. Denn es entwickelt sich eine kluge Provinz- und Ostkomödie, deren Figuren den Autorinnen Constanze Behrends und Lena Gouverneur facettenreich und auf kluge Weise "fehlerhaft sympathisch" geraten sind.

ARD
Mensch Mutti!
Komödie • 29.05.2026 • 20:15 Uhr

Wegen des plötzlichen Todes ihres Vaters reist Serafina aus Paris ins sächsische Gerlau zurück. Dort muss sie feststellen, dass Mutter Christa (Steffi Kühnert), eine ehemalige Leistungsturnerin und Fast-Olympiateilnehmerin der DDR, immer noch genauso kratzbürstig ist wie früher. Das familieneigene Fitnessstudio steht kurz vor der Insolvenz. Dies erfährt Serafina von ihrer Schwester Daniela (Lucie Heinze). Sie ist vor Ort geblieben, hat einen Mann (Max Woelky) sowie eine Teeangertochter (Selma Suckfüll) und arbeitet als Kfz-Mechanikerin. Nebenbei hat Daniela auch ein Auge auf den schwächelnden Fitness-Betrieb. Als sich die Schwestern hinter dem Rücken der Mutter für den Verkauf an eine Sportkette entschließen, erhalten sie als Auflage, 250 Mitglieder vorweisen zu können. Nur dann kommt das Geschäft zustande und Familie Hopp erhält den vereinbarten Kaufpreis. Das Problem ist: Von dieser Mitgliederzahl sind Daniela und Serafina noch fast 200 Neukunden entfernt.

Auch in der Provinz kann man ein spannendes Leben führen

Was also tun? Während Mutter Christa mit ihren altmodischen, im DDR-Leistungssport geformten Methoden eine teils befremdliche, teils schon wieder kultige Old School-Strategie anwendet, um im Familienbetrieb Gas zu geben, probieren Serafina, Daniela und Töchterchen Emma modernes Marketing wie Social Media Posts aus. Gleichzeitig verschieben sich hinter der Aufgabe der Schwestern auch die Beziehungen innerhalb der Familie sowie der Freunde und Bekannten im Dorf. Zudem hat Serafina plötzlich mehr als nur einen Grund, über einen Verbleib in der Provinz nachzudenken. Neben dem "Business Case" des Familienbetriebes schaut nämlich noch ein Love Interest vorbei: der alleinerziehende Vater Mike (Marc Benjamin) weckt das Interesse von Tänzerin und Paris-Single Serafina ...

In diesem Heimat- und Ost-Panorama unter der Regie von Christine Rogoll ("Rosen und Reis"), die selbst aus dem sächsischen Radebeul stammt, stimmt einfach alles: drei großartige Hauptdarstellerinnen, übrigens alle an der berühmten Berliner Schauspielschule "Ernst Busch" ausgebildet, das gesamte Nebendarsteller-Ensemble sowie ein wunderbares Buch, das diese nicht ganz neue Geschichte mit viel Liebe für Figuren und Dialoge der Regie als Geschenk präsentierte. "Mensch Mutti!" ist ein leichter Sommerfilm mit Tiefgang. Er ist nicht nur rein handwerklich geglückt, sondern er vermittelt auch zwei wichtige Botschaften. Die eine lautet: Auch in der Provinz kann man ein spannendes Leben führen und Träume verwirklichen. Die andere heißt: Im Osten, da geht was!

Mensch Mutti! – Fr. 29.05. – ARD: 20.15 Uhr

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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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