Im Interview

Laura Lippmann: "Es sollten noch mehr Serien und Filme im Osten spielen"

28.05.2026, 09.13 Uhr
Laura Lippmann hat ihre erste Hauptrolle in der SAT.1-Daily "Frieda – Mit Feuer und Flamme". Die Serie spielt in der Sächsischen Schweiz und zeigt die Herausforderungen einer Intensivkrankenschwester. Lippmann spricht über Barrierefreiheit, Ostdeutschland und ihre Schauspielkarriere.

Nach verschiedenen Nebenrollen und Gastauftritten in Serien wie "Der Bergdoktor", "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" oder zuletzt "SOKO Wismar" ergatterte Laura Lippmann in der neuen SAT.1-Vorabendserie "Frieda – Mit Feuer und Flamme" (ab Freitag, 29. Mai, die ersten zehn Folgen bei Joyn und ab Montag, 1. Juni, tägliche Doppelfolgen bei SAT.1) ihre erste große Hauptrolle. Die 36-Jährige spielt die Intensivkrankenschwester Frieda, die mit ihrer Tochter in ihre alte Heimat in der Sächsischen Schweiz zurückkehrt. Dort steht das Lebenswerk ihres kranken Vaters, die Freiwillige Feuerwehr, vor dem Aus.

Im Interview zum Serienstart plaudert Lippmann über ihre Anfänge als Schauspielerin und ihre ostdeutsche Heimat, wird aber auch ernster: Das Thema Barrierefreiheit, das wird im Gespräch schnell klar, liegt der gebürtigen Leipzigerin besonders am Herzen. Sie findet: "Wir haben noch einen langen Weg vor uns."

Laura Lippmann: "Im ersten Moment war ich ein bisschen überfordert"

prisma: Frau Lippmann, in "Frieda – Mit Feuer und Flamme" haben Sie ihre bisher größte Rolle. Wie fühlt es sich an, die Serie jetzt endlich im Fernsehen zu sehen?

Laura Lippmann: Im ersten Moment war ich ein bisschen überfordert. Es ist natürlich aufregend zu wissen, dass ich jetzt mit meiner ersten großen Hauptrolle über längere Zeit im Fernsehen bin. Frieda und all ihre Facetten als Mutter, Tochter oder Krankenschwester zu formen und zu spielen, war eine große Herausforderung. Jetzt freue ich mich aber sehr auf den Start, weil ich glaube und hoffe, dass die Zuschauenden eine Verbindung zu meiner Figur und der Serie finden werden. Ich bin gespannt auf die Reaktionen und hoffe, dass es gut ankommt.

prisma: Frieda schreibt in der Serie viel Tagebuch. Machen Sie das auch?

Lippmann: Tatsächlich nicht. Mir fehlt dafür die Zeit, ich schreibe nur ab und an meine Gedanken auf. Aber vielleicht sollte ich mit dem Tagebuchschreiben anfangen ...

prisma: Anders als viele der aktuellen Vorabendserien spielt "Frieda" im Elbsandsteingebirge in Ostdeutschland. Kommt der Osten im deutschen Fernsehen noch zu kurz?

Lippmann: Mit der Wende ist in Ostdeutschland extrem viel passiert, und bestimmt gibt es dort, was das Fernsehen angeht, an der ein oder anderen Stelle Nachholbedarf. Jedoch – vielleicht hat man das gar nicht so auf dem Schirm – es wird bereits einiges dort gedreht. Aber ich finde, es sollten noch mehr Serien und Filme im Osten spielen. Das Elbsandsteingebirge ist einfach etwas ganz Besonderes und wird oft unterschätzt. In meiner Kindheit war ich dort mit meiner Familie im Urlaub, und auch heute bin ich gerne dort und gehe zum Beispiel wandern.

Der gute Tipp von Martin Wuttke

prisma: Wollten Sie schon immer Schauspielerin werden?

Lippmann: Ja. Kunst und Musik haben mich dank meiner Familie – mein Vater ist klassischer Sänger – schon immer inspiriert. Und als Kind war ich sehr extrovertiert und hatte sehr viel Energie. Also hat mich meine Mutter ab der vierten Klasse in die Theater-AG gesteckt (lacht). Das war auf jeden Fall eine gute Idee von ihr. Dort konnte ich mich auf der Bühne ausprobieren und hatte das Privileg, von einer großartigen Theaterpädagogin unglaublich viel für mein Schauspiel und fürs Leben zu lernen. Leider lebt sie nicht mehr.

prisma: Haben Sie auch mal an Ihrem Traum gezweifelt?

Lippmann: Ich war mir nicht immer sicher. Zwischenzeitlich habe ich überlegt, ob ich nicht doch einen Job machen sollte, in dem ich mehr verdiene und bei dem der Weg nicht ganz so hart und steinig ist. Nach meinem Abitur habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus gemacht. Das war immer mein Plan B. Ich hatte mich auch mal an der Uni für Medizin und Jura beworben, aber letztendlich bin ich an die Hochschule für Musik und Theater in Leipzig fürs Schauspielstudium gegangen.

prisma: Ihre erste Rolle hatten Sie dann 2012 im "Tatort: Leipzig" mit Simone Thomalla und Martin Wuttke. Was war das für eine Erfahrung?

Lippmann: Es war aufregend. Ich stand das erste Mal überhaupt vor der Kamera und dann auch noch mit so erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Zu der Zeit studierte ich ja noch und spielte am Neuen Theater in Halle. Martin Wuttke sagte mir am Set einen sehr tollen Satz, den ich mir auch heute noch immer ins Gedächtnis rufe. Er meinte, dass es zwar schön sei, wenn man den Text gelernt hat, aber dass man sich davon nicht einschränken lassen sollte. Man sollte trotzdem flexibel bleiben und auf die Partnerin oder den Partner in der Szene realistisch eingehen. Ich habe ihn ein bisschen ausgequetscht (lacht). Leider gibt es den Leipziger "Tatort" nicht mehr...

prisma: Würden Sie selbst gerne einmal eine "Tatort"-Kommissarin spielen?

Lippmann: (lacht) Klar, auf jeden Fall! Bei so einem Format und wenn Leipzig den "Tatort" wiederbeleben würde? Ich wäre dabei, ich hätte Bock.

"Man sollte sich vom Leistungsdruck nicht aufhalten lassen"

prisma: Ihrer Serientochter Pippa, gespielt von Natascha Weitzendorf, geht es ein bisschen wie Ihnen damals: Sie weiß noch nicht, was sie nach ihrem Abschluss machen soll. Welche Tipps würden Sie ihr geben?

Lippmann: Man hat Zeit. Natürlich sollte man irgendwann auf eigenen Beinen stehen und Geld verdienen. Aber in dem Alter ist es, glaube ich, wichtig, die Welt zu sehen und sich auszuprobieren. So kann man herausfinden, was man im Leben wirklich machen will. Ich weiß, dass ein akademischer Abschluss oft als das Höchste angesehen wird, aber ich wünsche mir, dass wir uns da ändern. Man sollte sich vom Leistungsdruck nicht aufhalten lassen, Neues auszuprobieren. Ich bin leidenschaftliche Schauspielerin, aber auch ich überlege manchmal: Was wäre, wenn ich noch eine andere Ausbildung oder ein Studium gemacht hätte? Vielleicht Schreinerin? Es wäre auf jeden Fall eine Bereicherung gewesen. Und auch jetzt will ich mich nicht festlegen, sondern weiter neue Dinge lernen.

prisma: Sie haben bereits eine Ausbildung zur Kommunikationsassistentin für Deutsche Gebärdensprache gemacht.

Lippmann: Genau. Jetzt studiere ich berufsbegleitend barrierefreie Kommunikation. Das schließt nicht nur die Gebärdensprache mit ein, sondern es geht generell darum, wie man Informationen barrierefrei vermitteln kann. Es gibt ja nicht nur Sinnesbarrieren. Für ältere Menschen kann beispielsweise die Digitalisierung eine große Barriere sein. Im Gegensatz zu unseren Generationen sind sie nicht damit aufgewachsen und werden dadurch im Alltag oft ausgeschlossen.

"Wir sollten noch viel mehr auf die Anliegen und die Expertise der Betroffenen hören"

prisma: Ihre Welt ist das Fernsehen. Wie sieht es da mit der Barrierefreiheit aus?

Lippmann: Die Öffentlich-Rechtlichen sind verpflichtet, Informationen barrierefrei zugänglich zu machen, und das tun sie zum größten Teil schon. Sie sind, was Audiodeskription und Untertitelung angeht, schon sehr weit. Auch die privaten Sender machen schon Schritte in die richtige Richtung. Aber wir haben noch einen langen Weg vor uns.

prisma: Wo sehen Sie in Film und Fernsehen Verbesserungsbedarf in Sachen Barrierefreiheit?

Lippmann: Einige Produktionen, wie zum Beispiel einige "Tatorte", bieten eine Videozuschaltung an, in denen ein Dolmetscher das Geschehen für nicht-hörende Personen in die deutsche Gebärdensprache übersetzt. Automatische Untertitelung, wie man sie etwa von Social Media kennt, ist hingegen nicht für taube Personen gemacht. Für sie gibt es speziell die SDH – Subtitles for the Deaf and Hard of Hearing. Auf Deutsch: Untertitel für Gehörlose und Hörgeschädigte. Dabei werden für die Handlung relevante Geräusche mit in den Untertitel genommen. Außerdem muss man bedenken, dass die deutsche Lautsprache nicht die erste Sprache dieser Menschen ist. Um die passenden Untertitel zu liefern, braucht es die entsprechende Expertise und das lerne ich beispielsweise in meinem Studium.

prisma: Fehlt diese Expertise noch zu oft?

Lippmann: Ich stehe ihnen natürlich als Ally zur Seite, aber wir sollten noch viel mehr auf die Anliegen und die Expertise der Betroffenen hören. Auch die Schauspielerei ist noch lange nicht barrierefrei. Schon der Zugang zur Ausbildung ist für Menschen, die etwa körperlich eingeschränkt, blind oder taub sind, schwierig. Ich finde, das sollte man möglich machen, damit eben diese Personen wirklich an der Gesellschaft teilhaben können. Die Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes macht in Sachen Inklusion gerade allerdings vieles schlechter.

Laura Lippmann: "Ich habe mich noch nie so gut vorbereitet gefühlt"

prisma: Sie haben vor kurzem auch noch eine Fortbildung zur Intimitätskoordinatorin gemacht. Was hat sie dazu motiviert?

Lippmann: Bei "Frieda" hatten wir jemanden, aber Intimitätskoordinatorinnen und -koordinatoren sind leider nicht selbstverständlich. Auch deshalb habe ich die Fortbildung gemacht. Es geht darum, professionelle Grenzen zu setzen und Machtmissbrauch zu verhindern. Im Drehbuch steht nämlich oft nur so etwas, wie: Sie küssen sich. In dem Moment ist man auf die künstlerische Vision der Regie angewiesen. Mit einer Intimitätskoordinatorin oder einem Intimitätskoordinator spricht man im Vorfeld alles ab und choreografiert die Szene. Im Endeffekt ist es wie bei einem Stunt.

prisma: Welche Erfahrungen haben Sie selbst mit Intimitätskoordinatoren gemacht?

Lippmann: Ich habe sowohl mit als auch ohne sie gedreht. Das erste Mal mit war auch an einem Daily-Set, und es war der Wahnsinn. Ich habe mich noch nie so gut vorbereitet gefühlt. Es war einfach schön, einen professionellen Rahmen für so eine Szene zu haben.

prisma: Man merkt, Sie sind – wie Frieda – viel beschäftigt. Sind Sie auch ehrenamtlich tätig?

Lippmann: Ja, da sind Frieda und ich uns ähnlich. Ich muss auch immer etwas machen. Ein Ehrenamt übe ich allerdings nicht aus, finde es aber natürlich sehr wichtig. Ich glaube, wir sehen oft gar nicht, wie viel Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, in unserer Gesellschaft stemmen. Ohne sie wäre vieles nicht möglich.

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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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