Wiederholung im Ersten

"Tatort: Die ewige Welle" – Leitmayrs Surfer-Vergangenheit holt ihn ein

von Eric Leimann

Traditionell gibt es den neuen "Tatort" erst am Ostermontag. Einen Tag zuvor wiederholt das Erste einen Münchner Fall aus dem Jahr 2019. Hier die Filmkritik.

ARD
Tatort: Die ewige Welle
Kriminalfilm • 04.04.2021 • 20:15 Uhr

"Warst du etwa auch Surfer?", fragt Kommissar Batic (Miroslav Nemec) seinen Kollegen Leitmayr (Udo Wachtveitl). Im Krankenhaus hat der einen alten Freund wiedergetroffen, den Wellenreit-Veteranen Mikesch (Andreas Lust). "Sagen wir so, ich hab's versucht", laviert sich der grau gelockte Ermittler aus der Affäre. Auch, weil er nicht gern über seinen Aussteiger-Sommer im portugiesischen Nazaré während der 80-er reden will. Mikesch, den Leitmayr seit 35 Jahren nicht gesehen hat, lebt heute noch so wie damals: ohne feste Bindungen, von der Hand in den Mund – und immer auf der Suche nach der nächsten Welle, auf der jener ganz große Kick und dahinter die große Freiheit wartet.

Auf dem nächtlichen Heimweg von der "stehenden Welle" am Münchner Eisbach, wo sich die Isarsurferszene trifft, wurde jener Mikesch nun Opfer eines Messer-Attentats. Doch anstatt die Beamten, samt Ex-Freund Franz Leitmayr, den er noch als Gedichte schreibenden "Francesco" kennt, zu unterstützen, flieht Mikesch bei nächster Gelegenheit aus dem Krankenhausfenster. Dabei ist der Freiheits-Prophet lebensgefährlich verletzt. Der Münchner "Tatort: Die ewige Welle" findet einen wunderbar bittersüßen Ton, um das Leben zweier Männer tief in den 50-ern zu beschreiben, deren Träume sich vor langen Jahren entzweiten. Nun sind sie gezwungen, auf ihr Leben zurückzublicken. Das Erste wiederholt den starken Film nun am Ostersonntag. Der "neue" Krimi steht am Ostermontag, 5. April, an. Dann ermittelt das saarländische Ermittlerteam um die Hauptkommissare Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) und Adam Schürk (Daniel Sträßer).

Die sechs bewegungslosen Beine im Sand, die den poetischen Beginn des Bayern-"Tatorts" markieren, sind nicht die Gliedmaßen von Mordopfern. Stattdessen gehören sie Liebenden. In einem "Jules und Jim"-artigen Verhältnis verbrachten zwei junge Männer und eine Frau 1984 einen unbeschwerten Sommer am wilden Atlantik-Strand Portugals. Einer der jungen Männer (Sören Wunderlich) stellt sich als der junge Franz Leitmayr heraus, der den Dreier über Nacht verließ und später bei der Polizei anheuerte. Die beiden anderen, Klasse-Surfer Mikesch (Andreas Lust) und die Holländerin Frida (Ellen ten Damme), blieben dem alternativen Lebensstil treu, suchten aber unterschiedliche Wege, um mit dem erwachsenen Leben klarzukommen.

Humor ohne Klamauk

Mikesch, den neben dem Genuss der Freiheit mit nach wie vor wechselnden Partnerinnen auch arge finanzielle Probleme plagen, scheint sich nun auf einer gefährlichen Mission zu befinden. Dicht verfolgt von Batic und Leitmayr schleppt sich der Angeschlagene durch die Münchner Alternativszene und absurde, aber hochgefährliche kriminelle Halbwelten, um das Geld für seine Surfrente in Asien zusammenzubekommen.

Dass man nicht auf Klamauk und klassische Comedy-Elemente setzen muss, um einen "Tatort" mit Humor zu erzeugen, bewiesen die Autoren Alex Buresch und Matthias Pacht bereits mit ihrer Münchner Folge "Der Wüstensohn" im Jahr 2013. Ihr Krimi über einen sympathischen Loser mit Charisma, der sich beharrlich weigert, erwachsen und vernünftig zu werden, hat noch viel mehr Farben als nur die eines Krimis mit satirischem Unterton, der in die Jahre gekommene, alternative Lebensentwürfe auf die Schippe nimmt. "Die ewige Welle" ist auch das wunderschöne Porträt eines "man on the run", dessen Möglichkeiten zusehends schwinden, was den Zuschauer im Sinne des klassischen Dramas an die Nieren geht. Der Humor ist also bitter nötig, um diese an sich bittere Geschichte verpasster Lieben, Chancen und Vaterschaften überhaupt noch im Unterhaltungsmodus zu ertragen. 8,85 Millionen Zuschauer sahen den Film bei seiner Erstausstrahlung im Mai 2019.

Tatort: Die ewige Welle – So. 04.04. – ARD: 20.25 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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