Sie bauen die Masken

"The Masked Singer": Das sind die Frauen hinter den Kostümen

von Maximilian Haase

Sie sind die Stars der ProSieben-Show "The Masked Singer": die aufwendigen Kostüme. Doch wer entwirft und baut Phönix, Raupe und Hammerhai eigentlich?

Selten findet sich im deutschen Fernsehen eine starbesetzte Show, in der die Promis nur die zweite Geige spielen. Genau mit diesem zunächst paradox klingenden Konzept traf das erfolgreiche ProSieben-Format "The Masked Singer", das nun in eine neue Staffel geht, die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer. Schon klar: Dass sich auch ein Dieter Hallervorden unter dem Chamäleon verbergen kann, macht den vornehmlichen Reiz der Sendung aus. Dass sich in den neuen Folgen weitere und größere Namen die Teilnahme nicht nehmen lassen, scheint angesichts der charmanten PR-Wirkung mindestens wahrscheinlich. Und doch: Vom sentimentalen Astronauten über Engel, Roboter und Drachen bis hin zum irre dreinschauenden Faultier sind die aufwendigen Kostüme und Masken die eigentlichen Stars der Show. Aber wer entwirft und baut die drolligen Wesen eigentlich?

Die Vorlagen liefert die US-Designerin Marina Toybina, die bereits für die amerikanische Version von "The Masked Singer" die Entwürfe beisteuerte. Zwei ihrer insgesamt fünf Emmy-Awards (unter anderem für die Halbzeitshow beim Super Bowl) heimste die Modeschöpferin für die ausgefallenen Kostüme der Sendung ein. Umgesetzt werden die Designs für die deutsche Ausgabe der Show allerdings von zwei Frauen, die schon seit der ersten Staffel für staunende Gesichter vor den Fernsehgeräten sorgen: Gemeinsam mit einem 15-köpfigen Team erwecken Gewandmeisterin Alexandra Brandner und Maskenbildnerin Marianne Meinl auch in der neuen Staffel wieder vom Mops über Teddy und Tiger bis zum Hammerhai allerlei besondere Figuren zum Leben.

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Und wieder wird in den neuen Folgen "The Masked Singer" in Sachen Kostümen geklotzt statt gekleckert. Unter anderem dabei: ein Stinktier, das schon einmal eine Menge hermacht: Alleine der Schwanz ist vier Meter lang, glitzernde Strass-Details sowie ein venezianischer Kopfschmuck sorgen für die nötige Portion Extravaganz. "Am schwierigsten war es, die gigantische Haarpracht des Stinktiers in die richtige Form zu bringen und so zu festigen, dass die Frisur bestehen bleibt, selbst bei Bewegung", weiß Maskenbauerin Meinl. "Das war ein Kampf gegen die Schwerkraft, denn die langen Haare sind echt schwer."

Die Arbeit erfüllt Meinl offenbar mit Stolz: "Ich finde, wir haben dieses Mal eine wunderbare Mischung an Charakteren." Süß ist dabei nicht alles: "Während in der letzten Staffel viele Masken sehr niedlich waren, sind sie dieses Mal viel spektakulärer. Unser Ziel war es, einen richtigen Wow-Faktor zu erschaffen." Kollegin und Gewandmeisterin Brandner ergänzt: "Das größte Novum sind dieses Mal wahrscheinlich die Konstruktionen." Die Masken seien inzwischen so ausgefallen, dass sie weit weg seien vom menschlichen Körper. Mit dabei sind diesmal noch nie dagewesene Figuren – etwa die Chilischote. Sie wurde am Samstag als erstes rausgewählt, unter dem Kostüm verbarg sich "Tagesschau"-Sprecher Jens Riewa.

Das bringt erwartungsgemäß so einige Schwierigkeiten mit sich. "Die Kostüme sind riesig und dürfen nicht ihre Form verlieren, wenn auf der Bühne performt wird", erklärt Brandner. "Deshalb arbeiten wir mit ausgeklügelten Unterkonstruktionen, oft aus Kunststoffstäben, die das Kostüm in Form halten." Ihre Kollegin Meinl fügt lachend hinzu: "Eigentlich sind es inzwischen tragbare Bühnenbilder, so komplex sind diese Konstruktionen!"

Lieferprobleme auch bei "The Masked Singer"

Probleme habe es in diesem Jahr aufgrund der Coronakrise allerdings bei der Materialbeschaffung gegeben, so die Schöpferinnen. "Manches gibt es auch gar nicht mehr zu kaufen, wie zum Beispiel Swarovski-Steine. Die haben wir bisher für fast jedes Kostüm verwendet", so Brandner. Ihre Kollegin ergänzt: "Wir haben dieses Jahr zum Beispiel auch eine Federfirma aufgekauft, weil die sonst bankrottgegangen wäre. Jetzt haben wir 20 Kilo Federn auf Lager. Früher oder später werden wir die auf jeden Fall brauchen".

Der Anspruch des Duos an die eigene Arbeit ist derweil hoch: "Wir wollen natürlich nicht jedes Jahr die gleichen Stoffe benutzen", sagt Meinl. Deshalb suche man nach Materialien, die vorher noch nicht zu sehen gewesen seien. Dahinter stecke "wahnsinnig viel Recherchearbeit". "Wir haben so genaue Vorstellungen, wie der Stoff auszusehen hat, dass man selten die perfekte Kombination aus Material und Farbe findet", bringt Brandner die Schwierigkeiten bei der kreativen Arbeit auf den Punkt. Man färbe die Stoffe daher oft mit einer anderen Farbe ein.

"Unser eigener Anspruch ist wahrscheinlich noch größer als die Erwartungen der Zuschauer", glaubt Meinl. "Wir sind Perfektionisten, aber das zeichnet uns auch aus. Wir sind nicht zufrieden bis das Kostüm und die Maske wirklich perfekt sind. Und selbst dann werden immer noch ein paar Kleinigkeiten ausgebessert und ein paar Glitzersteine ergänzt", so die Maskenbildnerin. Doch mit wie viel eigener Kreativität können die beiden die Entwürfe umsetzen?

Beim Bau der Kostüme seien die Zeichnungen "nur eine Vorlage", erklärt Alexandra Brandner gegenüber der Nachrichtenagentur teleschau. Dann gelte es, Ideen zu entwickeln, wie sich die Vorlagen überhaupt optisch umsetzen ließen: "Welche Materialien zum Einsatz kommen. Wie die Kostüme aufgebaut werden". Die Umsetzung der Unterbauten müsse man für jede Maske neu erfinden. Und: "Die Gesichter, die auf den Zeichnungen meist sehr starr wirken, bauen wir immer so sympathisch und lebendig wie möglich".

Die Kostüme seien dabei "nicht fehleranfällig", so Brandner: "Bei der Herstellung achten wir genau darauf, dass die Masken sehr stabil, robust und belastbar sind, um sechs Liveshows unbeschadet durchzuhalten". Allerdings sei alles, "was sehr dünn oder filigran ist, mit Vorsicht zu behandeln. Und Strasssteine müssen nach jedem Auftritt wieder aufgefüllt werden". Außerdem würden die Kostüme nach jedem Auftritt sorgfältig gereinigt und desinfiziert.

Der Eindruck, dass bis zum fertigen Kostüm eine Menge Arbeitszeit ins Land geht, täuscht dabei nicht: "Für eine Maske werden mindestens 300 bis 1.000 Stunden angesetzt", erklärt Brandner gegenüber der Agentur teleschau: "Dabei arbeiten sechs bis zehn Leute parallel an einem Kostüm. Und nur die besten Spezialisten werden mit den Arbeiten betraut". Zu den aufwendigsten Kostümen überhaupt zählen laut Brander zwei der neuen Masken in der neuen Staffel. Allein für diese seien jeweils 2000 Stunden in der Herstellung angesetzt worden. Und: "Ein Kostüm davon ist auch das teuerste, das wir jemals gebaut haben, allein was die Materialien angeht. Mehr kann ich dazu leider noch nicht verraten ..."

"The Masked Singer" läuft immer samstags um 20.15 Uhr bei ProSieben und Joyn.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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