Seine Dschungelkrone

Vom Skandal zur Krone: Was Gil Ofarims IBES-Sieg wirklich bedeutet

09.02.2026, 10.05 Uhr
Vom umstrittenen Kandidaten zum Dschungelkönig: Gil Ofarims Weg wirft Fragen auf. Über Schuld, Schweigen – und darüber, was Zuschauer wirklich sehen wollen.
Gil Ofarim steht vor einer grünen Fotowand.
Gil Ofarim konnte die Zuschauer von sich überzeugen.  Fotoquelle: picture alliance / BoKo pictures | Boris Korpak

Gil Ofarims Teilnahme bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ war von Anfang an umstritten. Während sich die Fans in den ersten Folgen noch einig waren, dass der Musiker wegen seines Falschaussage-Skandals nicht ins Format gehöre, schien das einen Großteil der Zuschauer zunehmend nicht zu interessieren. Jetzt hat der Sänger das Format gewonnen und geht mit Dschungelkrone und 100.000 Euro Siegerprämie nach Hause. Ein Kommentar.

Zweite Chance oder kalkulierte Bühne?

Jeder habe eine zweite Chance verdient, heißt es so schön. Doch wie viel ist diese zweite Chance wert, wenn sie auf einem Charakter fußt, der sich so gar nicht geändert zu haben scheint? Wie sehr darf man darauf hoffen, dass sich ein Mensch tatsächlich in eine neue, tugendhaftere Richtung entwickelt, wenn für das vorangegangene Fehlverhalten so gar keine Reue gezeigt wird? Wenn obendrauf noch neue Ausreden gesucht werden, die eben dieses Verhalten noch rechtfertigen sollen? Nun, zumindest im Fall Gil Ofarim wird es sich zeigen. Und das vor einem Millionenpublikum.

Die Inszenierung des Schweigens im Dschungelcamp

Gil Ofarim hatte bei seinem Start im Dschungelcamp keinen einfachen Stand bei den Zuschauern. Das hochtrabende Gerede, die bedeutungsschwangeren Pausen, die stoische Haltung, die selbst eine dauernagende Ariel („Hast du Reue?“, „Das ‚G‘ steht für ‚Gelogen‘“) nicht aus der Fassung zu bringen vermochte, trugen in den ersten Folgen dazu bei, dass Ofarim auf sozialen Netzwerken wie X von den Nutzern auseinandergenommen wurde. So jemand gehöre nicht ins Camp und verdiene diese Plattform nicht. Als die „Bild“-Zeitung die Gagen der Stars verriet und bekannt wurde, dass der 43-Jährige für seine Teilnahme 200.000 Euro erhalten haben soll, war das nur Wasser auf den Mühlen seiner Kritiker. Gil wurde der möglichst schnelle Rauswurf aus dem Camp gewünscht.

Ariel als Störfaktor – und unbequeme Stimme der Zuschauer

Und Ariel wurde für ihre Hartnäckigkeit gefeiert, irgendeine Reaktion aus Gil herauskitzeln beziehungsweise herauspöbeln zu wollen. Der jedoch blieb bei seinem Credo: Er würde so gerne sprechen, (bedeutungsschwangere Pause) er würde so gerne erzählen, (noch eine lange Pause, tiefes Durchatmen) was an jenem Tag in dem Hotel in Leipzig wirklich passiert ist, aber er dürfe nicht. Er habe eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben. Wieder pausierte der Musiker in seiner Erklärung, schaute um Worte ringend auf den Boden, zur Seite, brabbelte irgendetwas davon, dass er die Schuld auf sich genommen habe im Gericht, damit, und ach!, und bringt dann auch noch seine Kinder mit ins Spiel, weil das alles irgendetwas damit zu tun habe, dass er seine Kinder nicht verlieren wollte.

So entstand ein Rauschen, um die Personalie Gil Ofarim und noch einmal um die Geschehnisse in dem Hotel in Leipzig, das den Dschungel längst verlassen hatte und in der Realität angekommen war. Denn noch während das Dschungelcamp lief, meldeten sich Ofarims Anwalt, der Anwalt des Hotelmitarbeiters, den er damals durch seine Falschbehauptung in Verruf gebracht hatte, und auch seine Ex-Ehefrau Verena Ofarim zu Wort. Eine Verschwiegenheitserklärung scheint es nicht zu gegeben zu haben, sehr wohl jedoch eine Unterlassungserklärung, wie Daniel Baumgärtner, der den Hotelangestellten Markus W. vor Gericht vertreten hatte, in einer Mitteilung erklärte: „Darin verpflichtet sich Gil Ofarim gegenüber unserem Mandanten, bestimmte Handlungen und Aussagen strafbewehrt zu unterlassen. Die Handlungen und Aussagen betreffen die dem Strafverfahren vor dem Landgericht Leipzig zugrundegelegenen Vorwürfe.“

Gil darf seine Vorwürfe also nicht wiederholen. Er darf aber durchaus Reue zeigen und sein Bedauern äußern. Als Gil die gemeinsamen Kinder mit Ex-Frau Verena ins Spiel brachte, meldete auch sie sich öffentlich zu Wort. „Vor dem Hintergrund einer seit Jahren angespannten Situation finde ich es schwierig zu beobachten, dass familiäre Themen immer wieder von einer Seite nach außen getragen werden“, sagte sie der „Bild“-Zeitung und meinte den Jahre lang andauernden Sorgerechtsstreit zwischen den Ex-Partnern, der letztendlich zu Gunsten Verenas ausgefallen war. Dass Gil Ofarim im Gerichtsprozess in Leipzig Schuld auf sich nehmen musste, um die Kinder „nicht zu verlieren“, war indes auch seiner Ex-Frau neu und sie beklagte gegenüber der Zeitung: „Ich war sehr verwundert über die im Dschungelcamp getätigte Aussage, wonach bestimmte Erklärungen notwendig gewesen seien, um den Kontakt zu den gemeinsamen Kindern zu behalten. Von einer solchen Situation wusste ich nichts, war daran nicht beteiligt und hatte mit dem genannten Verfahren keinerlei Berührungspunkte.“

Wie aus einem Skandal eine Heldenreise geschnitten wurde

Die Unterlassungserklärung war also das Totschlag-Argument: Er würde so gerne, er darf aber nicht. Und doch spielte Gil Ofarim nur den Schweigsamen und warf dem Publikum dann doch perfide geplante Brotkrumen hin, mit denen er es auf falsche Fährten führen wollte. Und das mit Erfolg: Er hat bei einem Großteil seines Publikums mindestens einen Zweifel an dem gesät, was vor Gericht zweifelsfrei festgestellt worden war.

In den Prüfungen wusste Gil sich zu behaupten und Sterne zu erkämpfen. In einer seiner letzten Prüfungen hatte er sich verletzt und nach einem Besuch beim Arzt dann doch tapfer entschieden weiterzumachen. Denn Gil ist schlau. Er weiß, dass er kein Star mehr ist und dass sein einziger Weg zurück ins Rampenlicht durch den ganzen Dschungel führt. Er wollte da nicht raus.

RTL tat indes sein Übriges und spielte dem Musiker in die Karten. Man kommt nicht um das Gefühl umher, dass bei Gil die Kommentare weniger bissig und der Schnitt sehr viel wohlwollender als bei anderen Teilnehmern waren. In den sozialen Medien wurde ihm bald die Krone gewünscht. Er wurde gefeiert für seine Ruhe und seine Fassung, die er gegenüber Ariel behielt. Die wiederum wurde zum neuen Hass-Liebling der IBES-Fans – weil sie laut war, weil sie sich festgebissen hatte und „nicht gut sein“ ließ. Ariel – man kann sie mögen oder auch nicht – wollte Gil die Stirn bieten, aber der duckte sich gekonnt weg und kam so sogar irgendwie fein aus der Sache raus.

Was Gil Ofarims Sieg über unser Bedürfnis nach Reue verrät

Gil wurde eine Heldenreise angedichtet, wo keine war. Denn der gefallene Held geht nicht den Weg der Läuterung und zeigt auch keine Reue. Wie wunderbar wäre es gewesen, einen weniger selbstbeherrschten Gil zu sehen, der sich hinstellt und offen zugibt, Mist gebaut zu haben? Der sagt, dass es ihm leidtue, dass er sich schäme. Und auch hier hätte er seine bedeutungsschwangeren Pausen setzen können und hätte viel mehr gar nicht sagen müssen. Eine Ariel wäre ihm gegenüber entmachtet gewesen und Gil hätte sich mit jeder Prüfung ganz wirklich, ganz ehrlich in die Herzen des Publikums kämpfen können. Wie menschlich, wie nachvollziehbar.

Aber Gil geht keine Heldenreise, sondern scheint da stehen geblieben zu sein, wo er an jenem Herbsttag 2021 vor einem Leipziger Hotel sein Handy ausgepackt und sein folgenschweres Video aufgenommen und ins Internet gestellt hat. Und beweist mit seinem Sieg vermutlich eins: Menschen oder zumindest ein Großteil des IBES-Publikums brauchen keinen tugendhaften Helden als Identifikationsfigur. Ihnen reicht einer, der ihnen eine verdammt menschliche Eigenschaft zeigt: Sich Fehler einzugestehen, Reue zuzulassen und letztendlich selbstlos und uneigennützig um Entschuldigung zu bitten, sind verdammt schwierig und erfordern verdammt viel Größe. Und vielleicht ist Gil Ofarims Handeln gerade deshalb für viele so nachvollziehbar. Sorry really seems to be the hardest word.

Wenn du die Sendung auf RTL+ streamen willst, kannst du hier die 30-tägige Probeversion ausprobieren!*
*Die mit * gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Kommt über einen solchen Link ein Einkauf zustande, erhält prisma eine Provision. Für dich entstehen dabei keine Mehrkosten. Wo, wann und wie du ein Produkt kaufst, bleibt natürlich dir überlassen.

Relevante Themen dieses Artikels

Das könnte dich auch interessieren