Elsa Lanchester

Elizabeth Sullivan
Geboren: 28.10.1902 in London, England
Gestorben: 26.12.1986 in Woodland Hills, Kalifornien, USA

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang war Elsa Lanchester in der Filmbranche aktiv; unzählige Filme lepperten sich in der Zeit zusammen. Doch identifiziert wird sie hauptsächlich mit einer einzigen Rolle, mit ihrem Auftritt in "Frankensteins Braut" (1935) als schaurig schöne Nofretete aus der Retorte. Ihr erstickter Schrei, als sie ihren Zukünftigen Boris Karloff zum ersten Mal sieht, zählt zu den unsterblichen Momenten des Kinos.

Die Eltern von Elsa Lanchester, James Sullivan und Edith Lanchester, waren ausgesprochene Freidenker. Einen konventionellen Lebensstil nach dem Geschmack ihrer Epoche lehnten sie ebenso ab wie die die Institution der Ehe. Das missfiel den Angehörigen. Das ging so weit, dass Elsas Mutter von ihrem Vater und ihren älteren Brüdern entführt und in die geschlossene Anstalt gesteckt wurde. Der Fall ging damals als der "Lanchester Kidnapping Case" durch die Presse.

Elsa begann ihre Karriere schon im Alter von elf Jahren, als ihre Mutter sie bei der berühmten "Isadora Duncan's School of Dance" in Paris unterbrachte. Doch schon ein Jahr später brach der Erste Weltkrieg aus und die kleine Elsa ging zurück nach England. Dort besuchte sie eine gemischte Schule, wo sie als Gegenleistung für Unterkunft und Verpflegung Tanzunterricht gab. Schon mit 16 half Elsa Lanchester, das "Children's Theater" in London zu organisieren, wo sie mehrere Jahre lang Tanz lehrte.

Während dieser Zeit zählte sie zu einer Truppe namens "Cave of Harmony Productions", die verschiedene Einakter und Cabaret-Nummern aufführten. Was sie da auf die Bühne brachten, gefiel nicht jedem: Ein Mitglied der Königlichen Familie verließ 1926 missgestimmt das Theater, als Elsa Lanchester gerade den Song "Please Sell No More Drink To My Father" zum besten gab. Das Filmdebüt von Elsa Lanchester fällt ins Jahr 1927 ("One of the Best"). Zu dieser Zeit lernte sie den Schauspieler Charles Laughton kennen. Angesichts der notorischen Ehelosigkeit ihrer Eltern verwundert es, dass Elsa Lanchester jahrzehntelang mit ihm verheiratet war, von 1929 bis zu seinem Tod im Jahr 1962.

Die erste nennenswerten Filme von Elsa Lanchester fielen in die frühen Dreißigerjahre: Alexander Kordas "Das Privatleben Heinrichs VIII." (1932), George Cukors "David Copperfield" (1935) und natürlich ihre Aufsehen erregende Doppelrolle in "Frankensteins Braut" (1935) von James Whale. Hier spielte sie nicht nur die Titelrolle, sondern auch die Autorin der Romanvorlage, Mary Shelley.

Elsa Lanchester tauchte in zahlreichen Filmen auf, und meist spielte sie schrullige bis seltsame Charaktere. Man sah sie, wieder unter Alexander Korda, in "Rembrandt" (1937) an der Seite ihres Ehemanns Charles Laughton, sie spielte in dem Lassie-Film "Heimweh" (1943) neben der jungen Elizabeth Taylor, in Robert Siodmaks Gruselfilm "Die Wendeltreppe" (1945), in "Der geheime Garten" (1949), wieder mit Laughton in "Spiel mit dem Tod" (1948), in Louis Kings "Die Revolver-Lady" (1950) mit Shelley Winters und Joel McCrea, in Charles Walters "Der gläserne Pantoffel" (1954) mit Leslie Caron, in Billy Wilders Gerichtsdrama "Zeugin der Anklage" (1957) mit Marlene Dietrich, Laughton und "Frankensteins Braut"-Mitstreiterin Una O'Connor, sowie in der Komödie "Meine Braut ist übersinnlich" (1958).

Für "Zeugin der Anklage" erhielt Elsa Lanchester einen Golden Globe als beste Nebendarstellerin. Außerdem wurde sie - zum zweiten Mal nach "Come to the Stable" (1949) von Henry Koster - für den Oscar nominiert. Elsa Lanchester blieb bis ins hohe Alter aktiv. Sie spielte in den Sechzigerjahren vor allem in Disney-Produktionen unter der Regie von Robert Stevensons, so in dem Klassiker "Mary Poppins" (1964) neben Julie Andrews und Dick van Dyke, in "Alles für die Katz" (1965) und in "Käpt'n Blackbeards Spuk-Kaschemme" (1967) neben Peter Ustinov.

Zu ihren letzten Filmen zählten dann wieder einige Horror-Streifen, so Daniel Manns "Willard" (1970) oder George Fenadys "Der Bucklige vom Horror-Kabinett" (1973) mit Ray Milland. 1975 stand sie für Robert Moores Krimi-Groteske "Eine Leiche zum Dessert" (1975) neben Truman Capote, Peter Falk und Alec Guinness vor der Kamera. Elsa Lanchesters letzter Film hieß ironischerweise "Stirb lachend" (1980), eine Agentenkomödie von Jeff Werner. Elsa Lanchester starb am zweiten Weihnachtstag 1986. Unkonventionell bis zuletzt, verfügte sie, dass keine Beerdigung und keine Trauerfeier stattfinden sollten.

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