Fernando Birri

Lesermeinung
Biografie
Wem der Name Birri nichts sagt, der denke an Gabriel García Márquez, an Lateinamerika, an den stetigen Kampf gegen Militärregierungen und kleine Diktatoren, an Armut und Hunger und das Ringen um die Freiheit des Einzelnen. Birri, gebürtiger Argentinier lebt heute in Kuba, er ist wie Marquez einer, der mit Bildern und Worten etwas in Bewegung setzen will.

1988 entsteht die groteske Komödie "Ein sehr alter Mann mit enormen Flügeln", eine Geschichte, die von einer merkwürdigen Kreatur erzählt, die an den Strand gespült wird. Die etwas kuriose Story nach einem Kinderbuch von Gabriel García Márquez ist der vierte Film des Malers, Lehrers und Filmemachers, dessen bizarre Poesie fest in der lateinamerikanischen Kultur verwurzelt ist und die er selbst mitprägt. So ist es auch kein Wunder, dass der Film - vor allem in seiner absurden Komik an Pasquale Pedro de Andrades "Macunaima" erinnert, jenen eigenwilligen Ausläufer des brasilianischen "Cinema Nuovo".

Man sieht es Birris Filmen nicht an, dass sie "arme Filme" sind, denn hier wird der mangelnde technische Aufwand mit einer verblüffenden Phantasie kaschiert. So zum Beispiel auch das Fischerdorf für den "alten Mann mit den ernormen Flügeln". Weil im Fischerdorf selbst nicht gedreht werden konnte, baute man am Dorfrand eine Attrappe auf, sprengte Löcher in den kahlen Felsen, setzte Palmen ein, die Dorfkulisse baute man nach Fotografien von sehr schönen Häusern. Schließlich habe der Film die Landschaft verändert, sagt Birri, "die Palmen, die wir pflanzten, haben im Felsen Wurzeln geschlagen."

Fernando Birri zog als Puppenspieler über Land, spielte Theater, schrieb Gedichte, bis er sich entschloß, an der Filmschule Centro sperimentale in Rom zu studieren. Nach seinem Abschluß kehrt er Mitte der 50er Jahre nacxh Argentinien zurück, um seine erste Filmschule zu gründen. Immer mehr engagiert er sich in der Politik seines Landes und der anderen armen Länder in Asien und Afrika. Bald wird er vom argentinischen Militär gezwungen sein Heimatland zu verlassen, doch dies hält ihn nicht auf, seine Arbeit weiterzuverfolgen. Mit der massiven Hilfe von Marquez gründete Birri 1986 in Kuba die "Schule der drei Welten", wo Filmemacher aus Asien, Afrika und Lateinamerika das Filmhandwerk erlernen.

Mit seinen Filmen und seinen Schulen trägt Birri wesentlich zur Entwicklung der lateinamerikanischen Filmkultur bei. Zu einem Manifest von Birris politischer Haltung wurde der Buenos-Aires-Film "Tire dié" (1960). Mit "Che: Tod der Utopie?" drehte er 1997 eine Hommage an den Revolutionsführer Che Guevara, der in Südamerika als großer Held gefeiert wird.  

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