Wie lange musste man auf so etwas warten: einen Tatort mit einem echten, alltagstauglichen Fall. Da liegt der ehemalige Profisportler und Berufsschullehrer Dirk Rebmann im Leichenschauhaus, gestorben an Herzversagen, und drei Jugendliche vergehen sich, halb besoffen vom Alkohol, halb besoffen von Rachegelüsten, an dem ehemals unangenehmen Zeitgenossen und filmen das Ganze. Brisant: Einer der drei Halbstarken, Karim Löscher (Emilio Sakraya) ist der Stiefsohn des Toten. Und ein anderer, Enno Bartsch: liegt am nächsten Morgen tot im Kühlraum des Leichenbestatters.

Der Fall ist also verzwickt für Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) - zumal er auch noch vermutet, Rebmann sei gar keines natürlichen Todes gestorben. Doch da wären auch noch die Umfelder, in denen er und sein Team ermitteln müssen. Die Familie von Pascal Weller (Emil Reinke), dem zweiten "Täter", eine Saarbrücker Fleisch-Dynastie der Upper class, die sich vor allem um ihren guten Ruf sorgt. Die "Familie", wenn man das denn noch so nennen kann, des toten Jungen Enno Bartsch (Filip Januchowski), der Hämatome am Körper hatte. Und die Familie von Karim Löscher, der für einen 19-Jährigen ein beeindruckendes Vorstrafenregister aufzuweisen hat. Einmal quer durch die gute und nicht ganz so gute Saarbrücker Gesellschaft geht es also in "Söhne und Väter". Es ist: ein Vergnügen.

Da wäre die Industrielle Renate Weller (Christine Zart), die, als sie von dem makabren Streich ihres Sohnes hört, kurzerhand Selbstjustiz übt. Sie schnappt sich das Gewehr aus dem Waffenschrank, lädt durch und erschießt: das Motorrad des Filius. Und der Ehemann, der offenbar ohnehin nicht viel zu sagen hat zu dieser Welt und zu seinem Leben, bringt gerade einmal ein klägliches "Renate: Das ist unverhältnismäßig" über die Lippen.

Oder Karim, der mit der Schwester von Pascal Weller eine Beziehung hatte - bevor Dirk Rebmann der Familie seine Vorstrafen zugespielt hatte und sie ihn enttäuscht verlassen hat. Jetzt kämpft er um sie, mit allen Mitteln - und um seine Ausbildung bei Sternekoch Jean Carlinó (Jophi Ries), der Rebmann gut kannte und auch nach Fassade aussieht, hinter der sich mindestens eine spannende Geschichte verbergen dürfte.

Und dann hat Stellbrink auch noch seinen Sohn Moritz (Ludwig Simon) zu Besuch, den er seit zwei Jahren nicht gesehen hat und der aufgrund eines kleinen Unfalls durchaus Pflege brauchen könnte. Die kriegt er auch, allerdings von Stellbrinks Kollegin Mia Emmrich (Sandra Maren Schneider). Das "Bisschen alt für Dich" des Vaters kontert der Sohne knapp mit "Stimmt, und ein bisschen jung für Dich". Es bleibt: ein Vergnügen.

Einfach nur ein Krimi. Ein richtig guter Krimi.

Aus all diesen Milieus und Erzählsträngen bastelt Regisseur Zoltan Spirandelli nach dem Drehbuch, das er und Michael Vershinin geschrieben haben, einen fast schon altmodischen Tatort. Mit einen Devid Striesow, der agieren kann wie es Ermittler in klassischen Kriminalromanen gerne tun und der so herrlich zwischen geradelinig und unkonventionell pendeln kann. Mit illustren Charakteren, die zwar immer wieder zum Lachen, aber nie einfach nur witzig sind. Und mit einer Geschichte, deren viele lose Enden das bieten, was man getrost Rätselspaß nennen darf - und einem Plot, der temporeich, durchdacht und wunderbar unterhaltsam ist. Und das, ohne die Portion Drama zu vernachlässigen, die ein guter Krimi eben braucht, die Spur zwischenmenschlicher Zerwürfnisse, die aus dem Leben manchmal Mord und Totschlag machen.

Wie lange musste man auf so etwas warten. Keine groß angelegte Sozialkritik. Kein aktueller Bezug auf Terrorismus, Digitalisierung, Flüchtlinge oder einen anderen politischen Überbau. Einfach nur ein Krimi. Ein richtig guter Krimi. Danke.