Es dauert keine fünf Minuten, da hat dieser Tatort seine erste Leiche. Doch Gisela Aichinger (Barbara-Magdalena Ahren) ist kein Fall für die Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer).

Die Deutsche ist nach Luzern gekommen, weil sie sterben wollte. Und Helen Mathys (Ruth Schwegler) von der Organisation "Transitus" hat ihr diesen Wunsch erfüllt. Sterbehilfe nennt man das. Oder, wie es bei Transitus heißt: Sterbebegleitung.

Frei ist in diesem Tatort niemand
Wenig später aber ist auch Helen tot – niedergeschlagen und erstickt. Sie wollte noch nicht sterben – und so haben Flückiger und Ritschard dann doch noch ihren Fall: Freitod heißt er, doch frei ist in diesem Tatort niemand.
Da sind die Sterbehelfer um Dr. Hermann (Andreas Matti), die die Freiheit hochhalten, aber gefangen sind in ihren Gefühlen – einsam und verlassen. Da sind die Mitglieder des Vereins "Pro Vita", die vorgeben, für das Leben zu kämpfen, aber gefangen sind in ihrer Doppelmoral – blasiert und voller Kalkül. Und da ist die Kamera, die sich immer mitten hineindrängt – und die doch keine Stellung bezieht. So wie dieser Tatort. Auf wessen Seite schlägt man sich da? Auf keine.

Fast schon handzahmer Krimi

Und so bleibt Freitod trotz des brisanten Themas, ein immer wieder aufwühlender, aber fast schon handzahmer Krimi, in dem die Protagonisten agieren, als drehe sich da in Luzern nicht alles um das Lieben und Sterben, sondern um Handtaschendiebstahl.
Sicher: Nicht immer geht es gut, wenn sich der Tatort den großen Gesellschaftsthemen widmet – oft wirkt das gestelzt und überdreht. Hier aber hätte Regisseurin Sabine Boss etwas mehr Mut haben müssen. Am Ende war auch sie wohl nicht frei.