Clara Immerwahr
07.11.2018 • 20:15 - 21:45 Uhr
TV-Film, TV-Biografie
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Fritz (Maximilian Brückner) fürchtet, dass Clara (Katharina Schüttler) seinem Fortkommen im Wege stehen könnte, weil sie auf ihrer Eigenständigkeit beharrt. Für Clara dagegen ist es unvorstellbar, sich ganz auf die Rolle der Hausfrau im Hintergrund zurückzuziehen.
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Beim Kaffeetrinken auf dem Gut der Immerwahrs stellt Fritz Haber (Maximilian Brückner) sich Claras Familie vor. Claras Großmutter (Elisabeth Orth), ihre Schwester Lotte (Steffi Dvorak) und ihr Vater Philipp (August Zirner) vermuten zu Recht, dass er nicht nur einen Höflichkeitsbesuch macht.
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Fritz Haber (Maximilian Brückner) und das ganze Labor sind überzeugt, dass es ihnen endlich gelungen ist, die Synthese von Ammoniak zu erreichen. In Anwesenheit von Clara (Katharina Schüttler) und Rektor Engler (Peter Simonischek) warten sie darauf, dass diese Erwartung wirklich beweisbar wird ...
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Clara Immerwahr (Katharina Schüttler) und Fritz Haber (Maximilian Brückner) entdecken, dass sie die Leidenschaft für chemische Forschung miteinander teilen.
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Clara (Katharina Schüttler) arbeitet intensiv, um ihrem mühsam erkämpften Studium erfolgreich zu sein.
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Katharina Schüttler als Dr. Clara Immerwahr
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Rektor Engler (Peter Simonischek) hat Clara (Katharina Schüttler) Hausverbot im Institut in Karlruhe erteilt. Als sie sich das nicht gefallen lassen will, endet ihr Kampf mit einer Demütigung.
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Fritz Haber (Maximilian Brückner, li.) beginnt mit der Industrie zusammenzuarbeiten, um seine Forschungen weiterzutreiben. Wenn er mit Partnern wie dem Assistenten Le Rossignol (Julian Mau, Mitte) und Direktor Friedrich (Uwe Bohm, re.) von der BASF zusammensitzt, ist klar, dass Frauen dabei nicht willkommen sind.
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Zu der Demütigung, aus dem Institut geworfen zu werden, kommt noch Claras (Katharina Schüttler) Trauer um den Verlust des Andenkens an ihre Großmutter.
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Lotte Immerwahr (Steffi Dvorak), die einen viel traditionelleren Lebensweg eingeschlagen hat als ihre Schwester, würde Clara (Katharina Schüttler) einen Mann an ihrer Seite von Herzen gönnen.
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Clara (Katharina Schüttler) schreibt einen Abschiedsbrief.
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Nicht jeder der Mitarbeiter ihres Mannes vermag Clara (Katharina Schüttler) vorurteilsfrei gegenüber zu treten. Aber mit Dr. Sackur (Simon Schwarz) klappt die Zusammenarbeit wunderbar.
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Fritz Haber (Maximilian Brückner) und Clara Immerwahr (Katharina Schüttler) haben sich erst am Vortag kennengelernt. Aber den beiden ist schnell klar, dass sie in der chemischen Forschung eine gemeinsame Leidenschaft haben.
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Hint
Audiodeskription
Originaltitel
Clara Immerwahr
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2014
Kinostart
Mi., 28. Mai 2014
TV-Film, TV-Biografie

Das Scheitern einer großen Frau

Von Franziska Pestonic

Dass die kaum beachtete Biografie der deutschen Chemikerin Clara Immerwahr endlich entdeckt wird, ist ein Glücksfall. Das Biopic mit Katharina Schüttler diskutiert Grundfragen der Wissenschaftsethik.

Für die Geschichtsschreibung war Clara Immerwahr (Katharina Schüttler) nur die Ehefrau des Chemiegenies Fritz Haber (Maximilian Brückner). Doch Immerwahr, die aus einer wohlhabenden jüdischen Familie bei Breslau stammte, galt selbst als brillante Wissenschaftlerin. Sie war die erste Frau, die im Deutschen Reich ihren Doktor in Chemie machte. Gegen große Widerstände und ohne Bezahlung arbeitete sie als eine der ersten weiblichen Fachkräfte in renommierten Labors und Forschungsinstituten. Durch ihre Liebe zu Haber, die vor allem nach der Geburt von Sohn Hermann eine tragische wurde, geriet das Leben der emanzipierten Frau immer mehr in Schieflage – wie im nun wiederholten Biopic von Regisseur Harald Sicheritz eindrucksvoll bei 3sat zu sehen ist.

Hätte sich ein Autor das Leben der Clara Immerwahr (1870 bis 1915) auf dem Papier erdacht, der ein oder andere Kritiker spräche von einer arg konstruierten Biografie. Zuerst kämpfte die Tochter des Chemikers Philipp Immerwahr (August Zirner) darum, als Mädchen in Breslau Abitur machen und studieren zu dürfen. Ihren Verehrer, den jungen, ebenfalls jüdischen aber aus einer kleinbürgerlichen Familie stammenden Fritz Haber, ließ sie zunächst abblitzen. Als sich das Paar zehn Jahre später noch einmal trifft, flammt die alte Liebe wieder auf. Man heiratet und geht wegen eines attraktiven Jobangebots für Haber nach Karlsruhe.

Während der ehrgeizige Chemiker immer weiter die Karriereleiter erklimmt, zeigt die Lebenskurve der idealistischen Pazifistin Immerwahr von nun an stetig nach unten. Nach der Geburt von Sohn Hermann (1902) hat auch Fritz Haber die gemeinsamen Wissenschafts-Schwärmereien und Utopien mit seiner Frau vergessen. Er sieht Clara nunmehr in der Rolle einer sich unterordnenden Ehefrau und Mutter. Nach einem "erfolgreichen" Giftgaseinsatz in der zweiten Flandernschlacht des Ersten Weltkriegs, für die Haber Forschungsarbeit geleistet hatte, erschoss sich Clara Immerwahr im Alter von 44 Jahren.

Der österreichische Regisseur Harald Sicheritz, verantwortlich für einige der letzten bärenstarken Wiener "Tatort"-Folgen, schuf in Sachen Erzählweise und Bildsprache ein eher konventionelles Biopic, das ob der unglaublichen Wucht und Tragik seiner Geschichte dennoch zu fesseln weiß. Katharina Schüttler und Maximilian Brückner überzeugen als verliebtes, eigentlich gutwilliges Paar, das aufgrund von zeittypischen Widerständen in eine fatale Enttäuschung hineintreibt. Daneben stellt der Film nicht nur die Frage, was Wissenschaft darf, wenn sie kann. Über dieses stets aktuelle Thema hinaus ist das historische Drama auch ein genau beobachteter, moderner Beziehungsfilm in alten Kostümen. Einer, der den Zuschauer mit einem mit dickem Kloß im Hals zurücklässt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Katharina Schüttler
Maximilian Brückner als "Tatort"-Kommissar Franz Kappl
Maximilian Brückner
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